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Christian Fink, Peter Kajüter: Lageberichterstattung

Lagebericht: eine fundierte Darstellung

"Die Lageberichterstattung wurde in ihrer heutigen Struktur vor mehr als 35 Jahren im HGB verankert. Sie führte anfangs ein eher stiefmütterliches Dasein und wurde häufig als ein lästiges Anhängsel zum Jahres- oder Konzernabschluss angesehen. Auch wenn dies bei nicht kapitalmarktorientierten, mittelständischen Unternehmen vielfach auch heute noch der Fall ist, hat der Lagebericht als Bestandteil der Finanzberichterstattung kapitalmarktorientierter Unternehmen in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen."

Ausgehend von dieser Einschätzung im Vorwort ihres gemeinsamen Werkes weisen die beiden Autoren darauf hin, dass die dynamische Fortentwicklung der Lageberichterstattung auf mehrere Gründe zurückzuführen ist, u. a. auf die zusätzlichen Berichtspflichten für börsen- bzw. kapitalmarktorientierte Unternehmen sowie auf die veränderten Erwartungen der Stakeholder bzw. auf die neuen technischen und informatorischen Möglichkeiten bedingt durch die Digitalisierung und Social Media. Des Weiteren wird ausgeführt, dass die vorliegende Neuauflage des 2013 zum ersten Mal erschienenen Fachbuches die vielfältigen Entwicklungen berücksichtigt, durch welche dem Lagebericht perspektivisch eine deutlich größere Bedeutung zukommt, als dies noch vor einigen Jahren absehbar war. Einen Schwerpunkt bilden dabei die Vorschriften zur nichtfinanziellen Berichterstattung nach dem CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetz. Diese Berichterstattung über die soziale Verantwortung von Unternehmen, die Corporate Social Responsibility (CSR), verpflichtet bestimmte Unternehmen, zusätzlich über Umwelt-, Arbeitnehmer- und Sozialbelange sowie über die Achtung der Menschenrechte und die Bekämpfung von Korruption bzw. Bestechung zu informieren. Darüber hinaus werden weitere Änderungen, z. B. erweiterte Vorgaben zur Erklärung zur Unternehmensführung (um Angaben zur Diversität), einbezogen.

Die fünf Teile des Buches widmen sich folgenden thematischen Schwerpunkten:

Teil A befasst sich mit den Grundlagen der Lageberichterstattung. Hierbei wird zuerst der Lagebericht als Instrument der Rechnungslegung thematisiert. In diesem Kontext werden die Stichwörter Bedeutung, Zweck, historische Entwicklung, Aufstellungspflicht, Adressaten und Rolle des Lageberichts in der Unternehmenskommunikation sowie die Praxis der Lageberichterstattung näher erörtert. Danach werden neben den rechtlichen Anforderungen zur Aufstellung, Ausgestaltung, Prüfung und Offenlegung sowie zum Enforcement des Lageberichts die aktuellen Entwicklungen und Perspektiven in der Unternehmensberichterstattung, vor allem in Bezug auf Internationale Harmonisierungsbestrebungen, Nachhaltigkeitsberichterstattung, Integrated Reporting und Digitalisierung referiert. Wiederholt wird darauf verwiesen, dass die inhaltlichen Anforderungen an den Lagebericht zum Jahres- und Konzernabschluss weitgehend analog sind, sodass zur sprachlichen Vereinfachung i. d. R. von "Lagebericht" gesprochen wird, auch wenn der Konzernlagebericht gemeint ist.

Teil B beschäftigt sich mit den Grundsätzen und Inhalten der Lageberichterstattung. Der Aufbau dieses Teils orientiert sich weitgehend an der Struktur von DRS 20 (Deutscher Rechnungslegungs Standard), d. h. nach einer Einführung in die Grundsätze der Lageberichterstattung werden die einzelnen Teilberichte zu den Grundlagen des Unternehmens (u. a. Geschäftsmodell, Ziele und Strategien, Steuerungssystem, Forschung und Entwicklung) sowie der Wirtschafts-, Nachtrags-, Prognose-, Chancen- und Risikobericht ausführlich erläutert. Hinzu kommen auch noch die Elemente Übernahmerelevante Angaben, Nichtfinanzielle Erklärung, Erklärung zur Unternehmensführung, Versicherung der Mitglieder des vertretungsberechtigten Organs und der Bericht zur Gleichstellung und Entgeltgleichheit.

Bei den drei weiteren thematischen Schwerpunkten handelt es sich zum einen um die Zwischenlageberichterstattung (im Teil C). Zum anderen geht es im Teil D vor allem um den Prozess zur Erstellung des Lageberichts, angefangen von der Festlegung der Berichtsstrategie und der Organisation, Konzeption sowie dem Entwurf des Berichts bis hin zur Endredaktion, dem Berichtslayout und zur Qualitätssicherung. Mit der Prüfung der Lageberichterstattung, d. h. mit den relevanten Grundlagen, dem Ablauf und der Prüfung einzelner Berichtsinhalte, setzt sich der abschließende Teil E auseinander.

Eine ausführliche Checkliste im Anhang rundet die Ausführungen des Buches ab und bietet dem Anwender in der Praxis eine wichtige Orientierungshilfe bei der Erstellung oder Prüfung des Lageberichts.

Dem Verfasserduo Christian Fink, Professor für Externes Rechnungswesen und Controlling an der Hochschule RheinMain, und Peter Kajüter, Professor für BWL, insbesondere Internationale Unternehmensrechnung, an der Universität Münster, ist mit der neuen Auflage wiederum ein sehr guter Wurf gelungen. Das Werk überzeugt nicht nur durch eine fundierte Darstellung der nationalen und internationalen Regulierungsnormen zur Lageberichterstattung, sondern integriert mit einer beachtlichen Detailtiefe Kurzbeiträge von Praxisvertretern sowie Statements von Experten aus dem Bereich der Ersteller, Analysten und Prüfer sowie des Standardsetting und Enforcement. Damit werden die in der Praxis vertretenen Meinungen aus verschiedenen Perspektiven berücksichtigt. Hinzu kommt auch, dass die Autoren zur Veranschaulichung der Anforderungen an die inhaltliche und formale Gestaltung von Lageberichten auf zahlreiche Beispiele zurückgreifen, welche entweder aus veröffentlichten Lageberichten entnommen oder anhand von fiktiven Sachverhalten selbst entwickelt wurden. Hierbei profitieren Fink und Kajüter zweifelsohne von ihren langjährigen praktischen Erfahrungen mit der Aufstellung und Prüfung von Lageberichten sowie von der Mitwirkung an der Entwicklung bzw. Weiterentwicklung von DRS 20 – ob durch die Leitung der vom DRSC (Deutsches Rechnungslegungs Standard Committee) eingesetzten Arbeitsgruppe Konzernlagebericht oder als Mitglied im HGB-Fachausschuss.

Dieses auf den neuesten Stand gebrachte Standardwerk zur Lageberichterstattung kann zum einen den mit der Aufstellung und Prüfung von Lageberichten betrauten Praktikern, zum anderen auch Wissenschaftlern und Studierenden, die sich mit den Normen zur Lageberichterstattung und ihrer praktischen Anwendung befassen möchten, bestens empfohlen werden.


von Bernd W. Müller-Hedrich - 18. Februar 2022
Lageberichterstattung
Christian Fink
Peter Kajüter

Lageberichterstattung


Erstellung und Prüfung nach HGB, DRS und IFRS
Schäffer Poeschel 2021
635 Seiten, gebunden
EAN 978-3791039787

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