Umwelt

Frühling komm', Winter adé

Gerade jetzt, wo er bald wieder vorbei ist, freut man sich schon auf den nächsten Winter: Skifahren, Rodeln, Eislaufen und Punsch trinken in stimmiger, verschneiter Atmosphäre mit viel Schnee und doch vor einem heimeligen Kachelofen, ein Holzstück nachlegend. Der Winter ist auch für Gärtner die schönste Zeit, denn wer wie jetzt im Frühjahr, die Rosen und Hecken zurückschneiden muss, den Rasen düngen und die Verwilderungen des Winters beseitigt, wird sich nach der Schneedecke, die alles in romantisches Weiß tauchte, zurücksehnen. "Der Winter ist des Gärtners schönste Zeit. Draußen knackt der Frost. Drinnen knackt es im Kamin. Wochenlang kann er sich aufs Zuschauen beschränken. Da und dort könnte es, genau besehen, besser sein. So manches muss anders werden. Der Winter ist des Gärtners schönste Zeit. Wann sonst sieht er so klar, wie stattlich der Bambus steht?", heißt es liebevoll verklärt in der vorliegenden bibliophilen Ausgabe der Insel-Bücherei über die "Gartenlust im Winter".

Der Bambus lacht

In herzigen, lustigen und herzwärmenden Geschichten erzählt Johannes Roth von der Tochter des Waldes, der schwarzen Nieswurz, dem Pfennigbaum, der Birkenfeige und Lampionblume. Auch Pinien im Schnee beschreibt er, Träume von der gläsernen Orangerie, dem lachenden Bambus, ohne den wir die heitere Gelassenheit verlieren würden. So sagten die Chinesen. Phyllostachys aurea wird in unseren Verhältnissen vier bis fünf Meter hoch und ist ein ausgezeichneter Sichtschutz, eine "Augendweide", schreibt Roth sogar, auch als Unterschlupf für die Vögel gedacht. Die Bambouseraie de Prafrance bei Nimes ist die erste in Europa bekannte Bambuszucht und heute so etwas wie ein Wallfahrtsort, zumindest für Roth. Dort wurde auch der Dynamit-Thriller "Lohn der Angst" gedreht, denn der Phyllostachys hat dort sagenhafte 24 Meter Höhe erreicht. Rhizomgeflecht nennt er die Tiefen des Bambus, dort wo sich der Flachwurzel wie ein Labyrinth verzweigt und ganze Bäume ausheben könnte. Wenn man ihn ließe. Bambus verkörpere die Ausdauer und Fähigkeit nachzugeben, Eigenschaften, die unsereinem fehlen würden. Die Chinesen verwenden für Bambus dasselbe Wort wie für Lachen und wer genau hinsieht, kann es sogar sehen und wer genau hinhört, sogar hören.

Der Winter ist vorbei

Die farbigen Fotografien von Marion Nickig zeigen Pflanzen, die aus der Schneedecke hervorlugen, Vögel, die aus ihrem Winterschlaf aufgewacht sind oder sich im Datum geirrt haben und Tannen, Schlüsselblumen und Schneeglöckchen sowie viele andere Pflanzen und Blumen. "Der Winter ist des Gärtners schönste Zeit. (...) Der Gärtner ist kein Dichter, sondern Täter" und als solcher setze er die Mütze auf, packe Handschuhe, Säge und Scheren, tauche den Pinsel in die Büchse mit dem Baumwundmittel, marschiere ins Freie und mache sich ans Werk. Denn obwohl die schwache Sonne von blauweißen Wolkenwalzen weggeschoben wird, die einen wirbelnden, doch fast folgenlosen Schneeschauer von Nordwesten übers Haus werfen: er kann nicht länger warten. "Der ganze Garten wartet. Der Winter, gottlob, ist bald vorbei."

Gartenlust im Winter
Johannes Roth
Marion Nickig (Fotografie)

Gartenlust im Winter


Mit farbigen Fotografien von Marion Nickig
Insel 2012
94 Seiten, gebunden
EAN 978-3458193708

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