Wirtschaft

Externes Rechnungswesen lernen und üben

In der vollständig überarbeiteten 6. Auflage des vorliegenden Lehr- und Handbuchs wenden sich die Autoren wiederum an solche Leser, die sich umfassend und grundlegend mit Fragen des externen Rechnungswesens auseinandersetzen wollen, seien es Lehrende und Studierende an Hochschulen, Verwaltungs- und Berufsakademien oder ähnlichen Fortbildungsinstitutionen, seien es interessierte Praktiker. Bei allen drei renommierten Autoren handelt es sich um "Wöhe-Schüler", welche zwischenzeitlich als Professoren an der Universität des Saarlandes in Saarbrücken lehren und der wissenschaftlichen Community u. a. durch eine Vielzahl von einschlägigen betriebswirtschaftlichen Publikationen wohlbekannt sind.

Das Buch weist sechs gut strukturierte Kapitel auf, in denen die einzelnen Aspekte des externen Rechnungswesens übersichtlich dargestellt werden. Im 1. Kapitel werden die Grundlagen der Bilanzlehre aufgegriffen, wobei die Grundsätze der Rechnungslegung vor allem aus den unterschiedlichen Zahlungsbemessungs- und Informationsinteressen der Jahresabschlussadressaten abgeleitet werden. Mit einem Überblick über die Bilanzarten und Bilanzziele, in dem auch die Zusammenhänge zwischen der handels- und steuerrechtlichen Rechnungslegung herausgearbeitet werden, wird das 1. Kapitel abgerundet. Das 2. Kapitel Der Einzelabschluss widmet sich ausführlich den Fragen der Bilanzierungsfähigkeit (die Bilanzierung dem Grunde nach), der Bilanzgliederung (die Bilanzierung dem Ausweis nach), der Bewertung (die Bilanzierung der Höhe nach) sowie der Auswirkungen auf die Aktiv- und Passivseite der Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung, Anhang und Lagebericht.
Definitionsgemäß wird die Jahresabschlusspolitik zielgerichtet ausgeübt. Dementsprechend werden im 3. Kapitel Die Jahresabschlusspolitik die aus der Finanz- und Publizitätspolitik abgeleiteten Ziele der Jahresabschlusspolitik thematisiert. Danach werden die wichtigsten vorstichtags- und nachstichtagsbezogenen jahresabschlusspolitischen Instrumente, sowie die bei der Gestaltung von Sachverhalten zu beachtenden handels- bzw. steuerrechtlichen Voraussetzungen bzw. Grenzen, behandelt. Zu Recht werden diese Ausführungen eng mit den Grundlagen und dem Ablauf der Jahresabschlussanalyse des 4. Kapitels verzahnt. Hierbei geht es um die Möglichkeiten und Grenzen des externen Jahresabschlussanalytikers, dem keine internen Informationsinstrumente wie z. B. Kosten- und Leistungsrechnung sowie Finanzplanung zur Verfügung stehen.

Das 5. Kapitel Konzern und Konzernrechnungslegung behandelt die Regelungen des Konzernabschlusses. Im Gegensatz zu den Einzelabschlüssen dient der Konzernabschluss weder der Ermittlung des ausschüttungsfähigen Gewinns noch als Bemessungsgrundlage für Gewinnsteuern. Ihm kommt vielmehr die Aufgabe zu, als Informations- und Dokumentationsinstrument zu dienen. Internen Adressaten wie der Konzernleitung wird mit dem Konzernabschluss darüber hinaus ein wichtiges Entscheidungsinstrument zur Steuerung und Kontrolle des Konzerns an die Hand gegeben. Seit dem Beginn der 90er Jahre ist verstärkt der Trend zu verzeichnen, dass große, weltweit tätige (Kapital-)Gesellschaften zur Deckung ihrer finanziellen Bedürfnisse und zur Anlage ihrer Finanzmittel auf beispielsweise den US-amerikanischen, also den weltweit bedeutendsten, Kapitalmarkt zurückgreifen. Diese Internationalisierung des Finanzmanagements hat zur Folge, dass sich insbesondere ausländische Investoren über solche Unternehmen informieren wollen. Mit der Vorlage von IFRS-Konzernabschlüssen wird nicht nur den Anforderungen ausländische Börsenaufsichtsbehörden (z. B. der SEC) Rechnung getragen, sondern man vermeidet auch die Gefahr, dass der nationale Abschluss von ausländischen Investoren fehlinterpretiert wird. Im Kapitel 6 Rechnungslegung nach IFRSerfolgt deshalb eine ausführliche Auseinandersetzung mit den Grundlagen und den wichtigsten Einzelvorschriften der International Financial Reporting Standards (IFRS), womit auch die wesentlichen Inhalte der internationalen Rechnungslegung berücksichtigt werden.

Die vorliegende 6. Auflage zeichnet sich durch eine komplette Anpassung an die handels- und steuerrechtlichen Änderungen sowie an die Modifikationen der IFRS seit der Vorauflage vor drei Jahren aus. Das zum 1. Oktober 2010 in Kraft getretene Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz (BilMoG) wurde dabei vollständig eingearbeitet. Durch die zahlreichen Anpassungen und die seit 25 Jahren bedeutendste Reformierung des Bilanzrechts hat das Werk ein neues Gesicht erhalten, ohne sich von der bislang bewährten leserfreundlichen Strukturierung zu lösen. Trotz der komplexen Zusammenhänge ist das Buch gut verständlich geschrieben und zeichnet sich durch eine gelungene Verbindung von theoretischer konzeptioneller Stringenz und großer Praxisnähe aus. Nicht nur der Inhalt und das didaktische Konzept, sondern auch die Aufmachung des Buches erleichtern die Orientierung ganz erheblich: zweifarbige Gestaltung, ein übersichtliches Seitenlayout und nahezu 100 Abbildungen, welche die Erläuterungen zielführend und eindeutig zusammenfassen. Lediglich im Hinblick auf die Zielgruppe der Lehrenden bzw. Dozenten hätte man sich noch eine zusätzliche Unterstützung des Buches in der Lehre anhand von Online-Ressourcen, z. B. verfügbare Folien zum Download, gewünscht.

Das externe Rechnungswesen bildet neben der Kosten- und Leistungsrechnung den Grundpfeiler betriebswirtschaftlichen Wissens und sollte von jedem Studierenden der BWL und vom betriebswirtschaftlich orientierten Praktiker nicht nur verstanden, sondern auch sicher beherrscht und angewandt werden können. Dieses Ziel kann vor allem durch praxisnahe Übungsaufgaben erreicht werden. Hierfür haben die Verfasser jetzt auch ein Übungsbuch vorgelegt, das eine Vielzahl von Aufgaben mit ausführlichen Lösungen enthält. Die Übungen decken inhaltlich die Themenschwerpunkte des Lehrbuchs ab und berücksichtigen gleichermaßen die mit dem BilMoG einhergehenden Änderungen sowie die aktuellen Neuerungen im Rahmen des deutschen Steuerrechts und der IFRS. Mit diesem Übungsbuch kann nicht nur der Lehrstoff systematisch reflektiert werden, sondern es wird auch die individuelle Lernzielkontrolle optimal ermöglicht.

Summa summarum kann festgestellt werden, dass es dem Autorenteam gut gelungen ist, den Spagat zwischen einer durchaus breiten Herangehensweise einerseits und einer gleichzeitigen Fokussierung auf wichtige Themen anderseits umzusetzen. Die beiden Bücher ergänzen sich bestens. Die Neuauflage des Lehrbuchs und das neue Übungsbuch ermöglichen eine umfassende und praxisnahe Auseinandersetzung mit den Fragen und Problemlösungen des Externen Rechnungswesens und können dem eingangs beschriebenen Adressatenkreis sehr gut empfohlen werden. Oder: die Investition in das Gesamtpaket lohnt sich auf jeden Fall!

Externes Rechnungswesen
Hartmut Bieg
Heinz Kußmaul
Gerd Waschbusch

Externes Rechnungswesen


Lehrbuch und Übungsbuch
De Gruyter Oldenbourg 2012
585 Seiten, gebunden / 350 Seiten, broschiert

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