Gesellschaft

Rituale, Gemeinschaft und kollektive Freude

Auf Demonstrationen und im Gottesdienst kann man sie erleben, ebenso wie beim Musizieren, Feiern, beim Sport und der Arbeit, immer in der Gemeinschaft mit anderen: die Communitas. Sie ist ein Begriff und Konzept aus der Ethnologie, begründet von Victor Turner. Seine Witwe ist ebenfalls Ethnologin und Autorin dieses Buches.

Was die Communitas genau ist, lässt sich nicht so einfach erklären. Turner verzichtet in ihrem Buch trotz eines wissenschaftlichen Anspruchs ganz auf eine Definition. Sie beschreibt die Communitas als etwas, das in einer Gruppe erlebt wird, deren Tun von den Mitgliedern Bedeutung beigemessen wird. Es ist eine Art Gemeinschaftsgefühl, bei der die Zusammengehörigkeit bis ins Mystische gehen könne und zu kollektiven Freudeerlebnissen führt. Mehr oder weniger intensiv hätten alle Menschen schon Communitas erlebt.

Da das Phänomen begrifflich so schwer zu fassen ist, erzählt Turner in zehn Kapiteln Geschichten aus der ethnologischen Forschung, die sich um die Communitas drehen und vermitteln sollen, was es mit ihr auf sich hat. Dabei geht es um dieses in der Wissenschaft kaum verankerte Phänomen beispielsweise auf pakistanischen Hochzeiten, auch um falsche Communitas, während des brasilianischen Karnevals, bei der Arbeit im Gulag, im Mai 1968 in Paris und in vielen anderen Situationen. Dabei wird auch aufgezeigt, welche Rolle Rituale dabei haben können.

Turner bringt 60 Jahre Forschungserfahrung mit in dieses Buch, das sich mit einem Phänomen befasst, dem in der Ethnologie wohl eher wenig Beachtung geschenkt wird, das aber gerade hinsichtlich seiner Relevanz für Gruppenprozesse interessant ist.

Communitas
Edith Turner

Communitas


The Anthropology of Collective Joy
Palgrave Macmillan 2012
258 Seiten, broschiert
EAN 978-0230339088

Zwei Bücher über Sinti, Roma und andere Angehörige einer oft verfolgten Minderheit

Der Schlüssel für ein unbefangenes Miteinander liegt im Interesse für andere Kulturen und Lebensweisen. Solches Wissen vermitteln Rolf Bauerdick und Karola Fings mit ihren Büchern.

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Gemeinsame Nenner

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Bruno Manser war von 1984 bis 1990 im Dschungel von Sarawak (Malaysia). Dort entstanden seine "Tagebücher aus dem Regenwald", die nun erstmals umfassend publiziert wurden. Von Manser gibt es seit Mai 2000 kein Lebenszeichen mehr.

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Das Historische Museum der Pfalz in Speyer zeigt Originalfunde aus Guatemala und Mexiko: eindrückliche Figurinen, Stelen, Gemälde, Skulpturen und Gefässe, die von der hochentwickelten Kultur der Maya zeugen und einen Teil ihrer rätselhaften Geschichte erzählen.

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Chanteh: die persönliche Kunst der Nomadinnen im Iran

Ein Buch über das Leben der Nomadinnen und die Kunst des Teppichknüpfens im Iran.

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Landesausstellung

Das Stuttgarter Linden-Museum feiert mit der Ausstellung "Weltsichten - Blick über den Tellerand" seinen 100. Geburtstag. Tatsächlich werden die Blicke in der großen Landesschau weiter als nur über den Tellerrand geführt. Ein eindrucksvolles Ausstellungskonzept führt dem Besucher neue Sichtweisen auf die kulturelle Vielfalt der Welt vor Augen.

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1968
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Geschichte ist machbar
Kulturelle Unterschiede in der Europäischen Union
Der unberechenbare Faktor Mensch
The Doors
The Pervert’s Guide to Ideology
1967
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1968
Umweltsoziologie
Die islamische Herausforderung
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