Literatur

Die Seele eines Mannes

"Die Seele eines Mannes oder das Fehlen derselben zeigt sich allein daran, was er auf ein leeres Blatt Papier hämmern kann", schreibt Bukowski in einem der Briefe, die nun bei Kiepenheuer & Witsch in einer schmucken Edition publiziert wurden. Viele der Briefe, die Charles Bukowski zwischen 1945 und 1954 schrieb, waren mit allerlei Zeichnungen versehen, die teilweise als bemerkenswerte Schriftstücke in vorliegender Publikation sogar manchmal als Faksimile wiedergegeben werden. Falschschreibungen des Autors hat der Herausgeber beibehalten, da sie Teil der Persönlichkeit sind und von Bukowski meist auch beabsichtigt wurden. Der letzte abgedruckte Brief stammt aus dem Jahr 1993, 1 Jahr vor seinem Tod. "Das Schöne am Sterben liegt in der Tatsache begründet, dass eigentlich nichts verloren ist.", so Bukowski über den Tod. Und über das Schreiben: "...ich finde falsch geschriebene Wörter haben eine viel höhere Durchschlagskraft. Wie auch immer, ich bin alt. 40. In mir sind Entsetzensschreie und dumpfes Elend zu Zement geworden, sogar noch mehr als mit 14, als mein Alter mich zu manch unklassischer Melodie verdrosch", schreibt Bukowski am 29. August 1960 in einem Brief an John E. Webb. Schon ist der Leser abgetaucht in die wonderful and frightening world des einsamsten Mannes der Welt, der ihr so viel zu sagen hatte, dass sich heute noch Literaturwissenschaftler um sein Werk - und sogar seine Briefe - reißen. Wer das vorliegende Werk studiert, wird schnell wissen warum.

"Dann kommen sie doch herein," habe Bukowski seine Gäste hereingebeten und schnell hinzugefügt: "aber fallen sie nicht über die Flaschen". 1956 schreibt er etwa in einem Brief an Carol Ely Harper, dass er eines Tages in der Armenstation eines Krankenhauses aufgewacht sei und dreieinhalb Liter Fremdblut in seinen Adern floss und kommentiert es lapidar mit den Worten: "Ich bin nicht mehr der Mann, der ich einmal war, aber ich schreibe wieder". Er sei nicht der Typ Mensch, der in vertaner Zeit einen Totalverlust sehe, in allem, sogar in einer Niederlage, stecke noch Musik, auch wenn ihm das Aufwachen in der Armenstation eines Krankenhauses doch ordentlich zu denken gab: Bukowski war erst 36 Jahre alt und schon am Ende. Als ihn eine Verlegerin nach einem eingesandten Skript fragte, warum eigentlich der Protagonist seiner Geschichten so viel trinke, habe er einfach aufgelegt, und sich seinem Trinkbuddy zugewandt. Als dieser ihn fragte, wer das denn gewesen sei, meinte er nur: "Niemand.", denn präziser hätte er es seines Erachtens nicht ausdrücken können. "Was wir tun, wird nie verstanden, sondern immer nur gelobt und getadelt", zitiert Bukowski an einer Stelle Friedrich Nietzsche und wenige Zeilen später empfiehlt er, solange man lebe, aus der inneren Quelle zu schöpfen, die da sei, statt auf Konzerte zu gehen und Menschen für ihre kreative Leistung zu bewundern, die man selbst nicht fertigbringe. "Ich weiß, dass Alter und Alkohol mir irgendwann die Birne weichmachen, doch nur der Tod kann mir die Erinnerung an diesen Moment nehmen."

"Keine Belohnung kann größer sein als das Schreiben an sich" und auch wenn die Sechziger an ihm vorbeirauschten, "weil er bei der Post arbeitete", gehört Bukowski als der ewige Außenseiter wohltuend zu jenen Schriftstellern, die sich selbst nicht allzu ernst nahmen und dennoch Großes vollbrachten. In den vorliegenden Briefen an Lektoren, Mäzene, Verleger, Freunde und Schriftstellerkollegen gibt der Autor Auskunft über seinen Schaffensprozess und seine Marotten.

Über das Schreiben
Abel Debritto (Hrsg.)
Charles Bukowski
Marcus Ingendaay (Übersetzung)

Über das Schreiben


Briefe an meine Weggefährten und Gönner
Kiepenheuer & Witsch 2017
Originalsprache: Englisch
288 Seiten, gebunden
EAN 978-3462049183

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