Wirtschaft

Steuerung bei Unsicherheit und Volatilität

Volatilität, in Anlehnung an Péter Horváth verstanden als unvorhersehbare Schwankungsbreite und -häufigkeit der für ein Unternehmen relevanten externen und internen Parameter, deren Ablaufmuster nicht oder kaum prognostizierbar ist, macht sich in allen Bereichen der Wirtschaft bemerkbar und ist schon für viele Unternehmen zur neuen Normalität geworden. Diese aktuelle Entwicklung haben die Organisatoren des Stuttgarter Controller Forums (SGF) 2012 aufgegriffen und befassten sich unter dem Motto "Controlling & Finance" mit der zentralen Rolle des Controllings bei der Steuerung volatilitätsbedingter Unsicherheiten auf den Märkten. Der von Péter Horváth und Uwe Michel (Aufsichtsratsvorsitzender bzw. Vorstandsmitglied der Unternehmensberatung Horváth AG) herausgegebene Band dokumentiert die Beiträge von Experten aus der Unternehmerpraxis ganz unterschiedlicher Branchen, die sich mit den Best-Practice-Lösungen zur Gestaltung, Implementierung und Anwendung von Konzepten der Unternehmenssteuerung auseinandersetzen.

Im ersten Abschnitt des Buches wird die Beherrschung von Unsicherheit und Volatilität aus der Perspektive der strategischen Steuerung betrachtet. In einem einführenden Beitrag von Michael Kieninger über Steuerungskonzepte für die volatile Ökonomie wird deutlich, dass die Herausforderung vor allem darin besteht, aus Erfahrungen und vorhandenen Bausteinen ein geschlossenes Konzept für die spezifischen Anforderungen des einzelnen Unternehmens zu entwickeln. Axel Strotbek reflektiert an der Audi Strategie 2020 u. a. den Stellenwert eines wertorientierten Kennzahlen- und eines konsequenten Investitionsmanagements sowie eines vermehrten ökologischen Engagements entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Axel Steiger-Bagel zeigt auf, wie Bayer MaterialScience gegen den Strom in Richtung einer High-Performance-/Low-Cost-Kultur agiert. Diese strategische Stoßrichtung wird durch eine Neustrukturierung und Optimierung von Prozessen und Systemen des Finanzcontrollings unterstützt. Ein weiterer Beitrag von Kai Grönke, Oliver Döring und Jana Heimel, Unternehmensberater von Horváth & Partner, stellt vor, wie der CFO mit seiner Strategie dem sich schnell wandelnden Umfeld begegnet. Die Disziplinen des modernen "CFO-Dreikampfes" sind nach Meinung der Verfasser: Operational and Service Excellence, Financial Performance Excellence und Excellce in Risk Management.

Da sich die Herausforderungen und Steuerungskonzepte im Kontext von Volatilität und Unsicherheit in den einzelnen Branchen unterscheiden, stellt der zweite Abschnitt eine Reihe von Beispielen aus unterschiedlichen Wirtschaftssektoren vor. TRUMPH ist als Maschinenbauunternehmen an starke Marktschwankungen gewöhnt und hat im Laufe der Zeit effektive und effiziente Methoden gefunden, mit diesen umzugehen. Lars Grünert und Karl Schmid weisen in diesem Zusammenhang auf die wesentlichen strategischen Erfolgsfaktoren hin: die finanzielle Unabhängigkeit als Familienunternehmen, die SYNCHRO Philosophie, flexible Arbeitszeitmodelle, Innovation, vertikale Integration der Wertschöpfungskette sowie Internationalisierung. Weitere Beiträge befassen sich u. a. mit dem Value Chain Controlling zur wertschöpfungsorientierten Steuerung der Jungheinrich AG, dem Volatilitätsmanagement der Carl Zeiss AG, dem Strategieprozess und den KPIs für das RECARO Brand Management, dem Working Capital- sowie Liquiditäts- und Währungsmanagement von Henkell & Co. innerhalb der Oetker-Gruppe, der Optimierung der Steuerungs- und Reportinginhalte beim Wandel von Bilfinger Berger SE vom Baukonzern zur Multi Service Group sowie mit dem Veränderungsprozess und den Widerständen bei den Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB), vor allem in den Bereichen, die von einem Profit Center zu einem Service Center umdefiniert wurden.

Auch der öffentliche Sektor ist der Volatilität und Unsicherheit ausgesetzt. Welche Themenstellungen sich daraus für Bund, Länder, Kommunen und andere öffentlich-rechtliche Organisationen ergeben, wird im dritten Abschnitt behandelt. Es wird z. B. aufgezeigt, wie das Controlling in der Bundeswehr eine effektive Steuerung unterstützen kann, wie das Vertragscontrolling für teilprivatisierte Leistungsbereiche einer Justizvollzugsanstalt optimiert und wie das Baumanagement einer Universität verbessert werden können, und ob eine Fusion zwischen Gemeinden, speziell für die beiden Nachbarstädte Sindelfingen und Böblingen, im Zuge der Veränderungen der politischen, gesellschaftlichen, ökonomischen und ökologischen Rahmenbedingungen, erstrebenswert ist und wie die Organisationsentwicklung für eine solche Städtefusion betrieben werden könnte.

Die Beiträge der drei letzten Abschnitte widmen sich dem Zusammenhang von IT & Controlling, speziellen Anforderungen an das Controlling und dem diesjährigen Länderschwerpunkt Türkei. Zum letztgenannten Themenbereich vergleicht Vural Öger, Inhaber und Geschäftsführer der ÖGER TÜRK TUR GmbH, das Unternehmertum in Deutschland und der Türkei, einschließlich der Dimensionen Islam, Familie und Wertvorstellungen.

Fazit: Volatilität stellt die Unternehmen vor zwei Herausforderungen: wandlungsfähige Gestaltung von Strukturen, Prozessen und Instrumenten sowie die Notwendigkeit, Führung und Management resilient zu machen. Dieser Tagungsband ist für alle Leser zu empfehlen, die sich insbesondere mit den aktuellen Entwicklungen zu den beiden Problemstellungen auseinandersetzen wollen. Wer immer sich über entsprechende Lösungsansätzen der Praxis informieren will, findet in dieser Publikation eine wahre Fundgrube von Ideen, Vorschlägen und ersten Erfahrungswerten.

Controlling und Finance
Péter Horváth (Hrsg.)
Uwe Michel (Hrsg.)

Controlling und Finance


Steuerung im volatilen Umfeld
Schäffer Poeschel 2012
343 Seiten, broschiert
EAN 978-3791032191

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