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L.A.: El Puebla de Nuestra Senora La Reina de Los Angeles del Rio de Porciuncula

Als "a dashing, enterprising people" bezeichnete Horace Bell 1930 in "on the old west coast" die Californians, und was für diese gilt, gilt natürlich auch für die BewohnerInnen von deren Hauptstadt. Gegründet als Yang-Na, damals ein Dorf der Ureinwohner, dann im späten 18. Jahrhundert umbenannt zu "El Puebla de Nuestra Senora La Reina de Los Angeles del Rio de Porciuncula", ein Vorposten Neuspaniens von Mexiko aus gegründet, ist Los Angeles heute die neben New York wohl bekannteste und größte US-amerikanische Stadt.

Alta California and beyond

Was die wenigsten wissen: Los Angeles war bis 1821 der spanischen Krone und dann der unabhängig gewordenen Republik Mexiko unterstellt, als Hauptstadt Südkalifornien, auch Oberkalifornien stand unter mexikanischer Verwaltung. Erst als das Heer und die Marine im Juli 1846 Alta California eroberten, wurde das Star Spangled Banner (damals nur 31 Sterne) gehisst, aber es folgten noch weitere kriegerische Auseinandersetzungen mit Mexiko bis in die Fünfziger des (inzwischen vor)letzten Jahrhunderts. Verantwortlich für das Wirtschaftswunder waren Viehzucht und ein Goldrausch, der aus dem 5'000 Seelendorf bald eine Millionenmetropole machen sollte. Aus dieser Zeit stammt auch das Pico House auf der Plaza (Sonoratown), das heute noch steht. 1890: 50'000 Einwohner, dann 102'479 Einwohner um 1900, 1920: 576'673 Bewohner. Dazu beigetragen hatten natürlich auch der Hafen, die Erschließung des Gebietes durch die Eisenbahn und selbstverständlich das günstige Klima. Alte Aufnahmen und Stadtpläne zeigen wie idyllisch das damalige L.A. noch war, Cable Cars, Standseilbahn zum Bunker Hill und Kutschen inklusive. Und noch ein Detail am Rande: die für die Stadt und die Gegend so typischen Palmen, das "Wahrzeichen Südkaliforniens", sind keine heimischen Bäume, sondern wurden kultiviert, um ein bestimmtes Flair zu erzeugen.

Hollywood und andere Prominenz

Und natürlich stand auch das Verbrechen Pate bei der Geburt dieser Millionenstadt: Da ein ganzer Fluß, Owens River, umgeleitet wurde, was das blühende Owens Valley in Brachland verwandelte, damit die Stadt selbst ihre Wassergrundversorgung sichern konnte. Darin verwickelt war ein Grundbesitzersyndikat, denen auch der Herausgeber der Los Angeles Times angehörte, der kräftig Stimmung machte für die Erschließung der Stadt (in Polanskis Film "Chinatown" geht es genau darum). Als Anfang des 19. Jahrhunderts Öl entdeckt wurde und sich auch die Filmindustrie zu entwickeln begann, stand dem unaufhaltsamen Aufstieg von Los Angeles nichts mehr im Wege. Das Autorenteam David L. Ulin, Literaturredakteur der Los Angeles Times, und Kevin Starr, Ordinarius und Professor für Geschichte an der University of Southern California (USC), haben eine fotografische Hommage an die "Stadt der Engel" verfasst, die die Spuren der kulturellen, politischen, industriellen und soziologischen Geschichte der Stadt vom Immobilienboom der 1880er Jahre bis ins 21. Jahrhundert in über 500 Bildern und informativen Texten lesenswert unterhaltsam darstellt. Es geht nicht nur um Hollywood und Filmstars, sondern auch um berühmte Persönlichkeiten, Architekten, Künstler und Musiker. Das Surfen, gesundheitsbewusste Ernährungstrends oder die Hot Rods sowie Verbrechen und Verbrecher der Stadt stehen ebenso im Mittelpunkt.

Los Angeles
Kevin Starr
David L. Ulin
Jim Heimann (Hrsg.)

Los Angeles


Porträt einer Stadt
Taschen 2018
572 Seiten, gebunden
EAN 978-3836502917
Deutsch, Englisch, Französisch

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