Umwelt

Alles über den Rhein

Das "Handbuch Rhein" stellt mit seinen 336 Seiten ein immer noch kompaktes und doch umfassendes Nachschlagewerk dar, das viele Aspekte um diesen mächtigsten Fluss Westeuropas und größten Zufluss zur Nordsee beleuchtet. Sein Name stammt aus einer germanischen Ursprache und bedeutet "das Rinnende", also fließendes Wasser. In erdgeschichtlichen Zeiträumen war der Fluss allerdings nicht immer so mächtig wie heute, der Urrhein entsprang nämlich im Oberrheingraben und nicht in den Alpen. Der Alpenrhein indessen mündete in die Donau und änderte erst vor ca. 800'000 Jahren seine Richtung und fließt seither gen Westen. Kraft seines Gefälles und durch rückwärtige Erosion "nagt" der Rhein auch heute noch am Einzugsgebiet der Donau. Denkbar ist für die Autoren, dass sogar die Aitrach und die Iller, beides heute Nebenflüsse der Donau, einst ihre Richtung ändern und in den Hochrhein oder Bodensee fließen könnten.

Dank Fischpässen erschließen sich inzwischen große Strecken des Rheins den Wanderfischen - dies gilt jedoch nur für den Aufstieg. Der Abstieg aus dem Oberrhein endet für viele Fische nach wie vor tödlich, da sie der Hauptströmung folgen und somit in die Turbinen der insgesamt zehn Kraftwerke geraten, wo pro Kraftwerk bis zu 50% der Fische schwere Verletzungen erleiden.

Mit insgesamt 25 Laufkraftwerken werden jährlich über 15'000 Gigawattstunden Energie aus dem Strom gewonnen. Daneben dient der Rhein einigen anderen Kraftwerken, z.B. Kernkraftwerken, zur Kühlung und in jüngerer Zeit beginnt man verstärkt mit der Nutzung von Geothermie, da der Oberrheingraben eine "heiße Zone" ist.

Auch als Verkehrsweg besitzt der Fluss Bedeutung. Allein im deutschen Teil des Rheins gibt es 22 Hafenanlagen für die Güterschifffahrt. Der Ausbau des Rheins zur Wasserstraße erfolgte in vielen Schritten, wobei die "Rectification" des Oberrheins durch Johann Gottfried Tulla Anfang des 19. Jahrhunderts vielleicht die bekannteste der Maßnahmen ist. Nachteile des radikalen Ausbaus, vor allem des Grand Canale d'Alsace, die Veränderung der Ausbaustrategien und nach wie vor bestehende Probleme, wie Grundwasserabsenkung und Sohlenerosion, werden im Handbuch eingehend erläutert.

Das Buch ist insgesamt in vier Abschnitte gegliedert: "Geographie und Biologie", "Wirtschaft und Energie", "Hydrologisches" und schließlich "Hochwasser und Hochwasserschutz". Den fünften Teil des Buches bildet ein Glossar von "Aare" bis "Zugvögel", im Anhang ist ein Register beigegeben. Großzügig bebildert, ist das Lesen auch für die Augen ein Genuss.

Handbuch Rhein
Jochen Rahe (Hrsg.)
Martin Stieghorst (Hrsg.)
Urs Weber (Hrsg.)

Handbuch Rhein


Primus 2011
336 Seiten, gebunden
EAN 978-3896787729

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