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Orson Welles: Im Zeichen des Bösen

Touch of Evil

"All these years you’ve been playing me for a sucker". In Los Robles, einer Kleinstadt an der mexikanisch-amerikanischen Grenze explodiert eine Autobombe, die einen wohlhabenden Unternehmer trifft. Als Verdächtiger wird ein junger Mann, Sanchez, verhaftet, der der Geliebte der Tochter des Ermordeten ist. Bei den Ermittlungen in diesem brisanten Mordfall stehen sich zwei Charaktere gegenüber: Orson Welles hat bei diesem späten (1958) Film Noir nicht nur Regie geführt, sondern spielt auch den Protagonisten Capt. Hank Quinlan, einen amerikanischen Polizisten, der Mordermittlungen führt. Als Antagonist firmiert wiederum Charlton Heston als Miguel Vargas, der den mexikanischen Gesetzgeber vertritt.

Good vs. Evil

Zwei Stars des amerikanischen Kinos, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Zumindest was die Filmrollen betrifft. Denn Quinlan ist ein versoffener, resignierter alter Cop und Vargas ein junger, aufstrebender Idealist voller Ambitionen. Los Robles schafft eine eigentümliche Atmosphäre, denn die Stadt ist von Gebäuden mit Arkaden durchzogen und erinnert etwas an den Markusplatz von Venedig, wenn es nicht in der Neuen Welt wäre. Ölbohrtürme im Hintergrund und Schattenspiele in den Arkaden, aber auch interessante Kamerashots zaubern eine geheimnisvolle, düstere Atmosphäre in die Grenzstadt, die zum Schauplatz eines Kampfes zwischen Gut und Böse wird. Nur dass am Ende nicht so ganz klar ist, wer eigentlich der wirklich Gute ist. Der, der Recht hatte, oder der, der sich an das Gesetz hielt? Eine Szene zeigt Vargas in einem Geschäft telefonieren und im Hintergrund durch ein riesengroßes Fenster sieht man wie sich Quinlan und der Barbesitzer Grandi absprechen, um Vargas übers Ohr zu hauen. Der Zuseher sieht es, während Vargas mit seiner Frau telefoniert und (noch) nichts ahnt.

The Killers: candy or hooch

"Im Zeichen des Bösen", im amerikanischen Original noch drastischer als "Touch of Evil" auf den Markt gekommen, ist eine düstere, typisch amerikanische Film-Noir-Kriminalgeschichte, die in ihrer drastischen Umsetzung seinesgleichen sucht. Auch die Dialoge sind klug gewählt und sorgen für Aufregung. Als Vargas Frau Suzie (dargestellt von der unvergleichlichen Janet Leigh) von der Grandi Gang entführt und unter Drogen gesetzt wird, beginnt man schon Miguel Vargas' Rache zu spüren. Charlton Heston als Vargas zeigt, was eine Ehemann bereit ist zu tun, wenn er seine Ehefrau in Gefahr sieht. "It’s either the candy or the hooch", wie Quinlan an einer Stelle resümiert.  Auf ihre Weise sind beide Männer verloren. "Find the thing you love and let it kill you." Ein unvergleichliches Schauspiel, das man im Home Kino sehen sollte.


von Juergen Weber - 29. Juli 2020
Im Zeichen des Bösen
Orson Welles (Regie)

Im Zeichen des Bösen


Koch Media 2020
Laufzeit: ca. 110 Minuten
EAN 4020628716271

USA



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