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John Wilmot, Earl of Rochester

"Oh, welch’ edler Geist ist hier zerstört!" Die Aufblende zeigt einen Johnny Depp, der wie Jim Morrison aussieht, in einer Art Sprinkelbild, Salz und Pfeffer, wie aus dem Jenseits. Aus dieser Interzone wird er sich auch am Ende dieses üppigen Bilderreigens, der von Laurence Dunmore inszeniert wurde, melden. Der Ausgangspunkt der Geschichte ist das 17. Jahrhundert und John Wilmot, Earl of Rochester, der seinem König, Charles II., dargestellt von John Malkovich, einen Streich spielt und damit seinen eigenen Untergang einleitet. Ein Suizid auf Raten? Das kennt man sonst nur aus der Rockmusik, dem "Club 27". Der historische John Wilmot (1647-1680) wurde immerhin 33 Jahre alt.

Drei Lieben für jeden

Auch die Exzesse des Earls spielten sich auf der Bühne ab: der Theaterbühne. Als er für seinen König ein Theaterstück inszeniert, das dessen Ruhm vor dem französischen Botschafter, der zur Premiere auf Besuch kommt, mehren soll, gibt er sein Bestes. Für die Proben übt er den Hamlet mit seiner Ophelia ein, um dann doch aus seinem eigenen Wortschatz zu zitieren. Seiner Protagonistin, Elizabeth Barry (Samantha Morton), wirft er vor: "Ich kann Euch nicht ausbilden, wenn Ihr Euch mir nicht öffnet" und meint damit nicht ihren Körper. Aber sie schweigt, denn sie weiß, dass jeder Mann nur drei Frauen liebt: die Jugendliebe, die die man heiratet und die Braut, die einen zu Grabe trägt. Und sie ist keine der drei.

Äffin im Käfig

"Ich werde Euch niemals vergeben, dass Ihr mich gelehrt habt, das Leben zu lieben", wirft er Elisabeth vor und kehrt zu seiner Ehefrau Elizabeth Malet (Rosamund Pike) zurück. Ihr schickt der Earl kurz vor seinem selbst inszenierten Untergang ein Gemälde mit einer fröhlichen Äffin, "die sich über den Luxus des Käfigs auslässt", denn so sieht er seine Ehefrau. Er ergibt sich der Trunksucht ("Geilheit heilt Trunkenheit" oder umgekehrt?) und erkrankt an Syphilis, dem Aids des 17. Jahrhunderts. Das Urteil spricht am Ende der König: "Ich verurteile Dich einfach, nur Du zu sein, für den Rest Deiner Tage." Ein opulent inszeniertes Drama, das den Abschied eines großen Schauspielers zelebriert. Ein großes Kompliment gilt vor allem den Ausstattern dieses Kostümfilmes mit Tiefgang, in dem man Johnny Depp sieht wie niemals zuvor: als Jim Morrison des Rokoko.


von Juergen Weber - 27. Januar 2019
The Libertine
Laurence Dunmore (Regie)

The Libertine


Sex, Drugs & Rococo
Koch Media 2019
Laufzeit: ca. 113 min
EAN 4020628755294

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