Politik

Die Vereinten Nationen heute und morgen

Die Vereinten Nationen sind heute nicht mehr ernsthaft wegzudenken, doch vor grundlegenden Herausforderungen stehen sie mit Sicherheit. In 38 Beiträgen gehen Autoren und Autorinnen, die ihre Sachkompetenz in der UNO-Praxis oder im akademischen Bereich erworben haben, diesen Herausforderungen nach. Das Werk als Ganzes ist kein klassisches Handbuch, das eine Materie systematisch durchdringt, sondern eine Sammlung von Beiträgen, die mit unterschiedlichen Ansätzen und Sichtweisen den Stand der Vereinten Nationen darlegen und wichtige Themen beleuchten. Die Beiträge wurden in vier Bereiche unterteilt:

Sicherheit und Terrorismus

Die zehn Beiträge befassen sich mit den neuartigen Bedrohungsformen, wie sie der 11. September 2001 verdeutlicht hat, mit Kriseninterventionen der Vereinten Nationen und in diesem Zusammenhang mit dem Peacekeeping bzw. Peacemaking, wobei Afrika speziell aufgegriffen wird, sowie mit der Rüstungskontrolle und Abrüstung. Ein etwas aus dem Rahmen fallendes aber interessantes Thema bietet Hans Arnold, indem er anhand der Politik der EU in der UNO die Gemeinsame Aussen- und Sicherheitspolitik und die Europäische Sicherheits- und Verteidigungspolitik der EU untersucht. Er verdeutlicht dabei die Unterschiede zwischen den USA und der EU.

Umwelt und Menschenrechtsschutz

Von den zehn Beiträgen sind lediglich zwei dem Thema Umwelt gewidmet. Dies ist angesichts dem Stellenwert, der der Umwelt zugerechnet werden sollte, sehr bescheiden. Gerade im Umweltbereich stehen die Vereinten Nationen vor mannigfaltigen komplexen Hürden. Thema der beiden Beiträge ist die Renaissance des Treuhandbegriffes und die Rolle privater Akteure bei der Normsetzung in internationalen Institutionen. Die Beiträge zum Thema Menschenrechte befassen sich mit den Menschenrechten angesichts der ökonomischen Globalisierung, der Frauenpolitik in der UNO, der transnationalen Migration, der Gerichtsbarkeit und mit zwei spezifischen Rechten: dem Recht auf Entwicklung und dem Recht auf Gesundheit.

Weltwirtschaft, Entwicklungszusammenarbeit und Globalisierung

Hier finden sich Artikel zur Entwicklung des Seerechts von der iberischen Epoche bis zur Ära der Vereinten Nationen, zur Frage, welchen rechtlichen und normativen Ordnungsrahmen eine globalisierte Weltwirtschaft braucht, über den Begriff der Ausländischen Direktinvestitionen, zu Fragen der Schwerpunktsetzung in der Entwicklungszusammenarbeit und über den von Kofi Annan auf dem Weltwirtschaftsforum 1999 in Davos initiierten "Gobal Compact", der Transnationale Konzerne zur Übernahme von neun Verhaltensgrundsätzen bewegen soll, im Gegenzug aber auch Mitwirkungsrechte in der UNO an solche Konzerne vergibt. Ausserdem widmet sich je ein Beitrag China und Uganda.

Öffentlichkeitsarbeit, Effizienz und Reform der Vereinten Nationen

Die zwölf Beiträge diskutieren mögliche Reformen der UNO, die dauernde Finanzknappheit und die Besonderheiten der UNO-Bürokratie. Speziell thematisiert wird der "lange Marsch der Schweiz in die Vereinten Nationen". Günther Unser, Lehrbeauftragter am Institut für Politische Wissenschaft der RWTH Aachen, kommt dabei zum Schluss, der Mythos von einer zur Isolierung neigenden Schweiz sei ein realitätsfernes Klischee: "Schliesslich gehört die Eidgenossenschaft, wie der Globalization Index der US-Zeitschrft "Foreign Policy" ausweist, unter den 62 untersuchten Ländern zu den am meisten globalisierten und vernetzten Staaten - und rangiert gar auf Platz zwei!" Dies mag für die Wirtschaft zutreffen, doch die Signale, die durch gewisse politische Volksentscheide der letzten Jahre ausgesandt wurden, zeichnen ein anderes Bild.

Praxishandbuch UNO
Sabine von Schorlemer (Hrsg.)

Praxishandbuch UNO


Die Vereinten Nationen im Lichte globaler Herausforderungen
Springer 2003
774 Seiten, gebunden
EAN 978-3540439073

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