Literatur

Jenseits von Innerlichkeitsprosa

Jörg Fauser ist immer noch ein relativ unbekannter Autor. Zeit seines Lebens fand sein Werk nur wenig Beachtung bei der deutschen Literaturkritik. Inzwischen haben seine Romane "Der Schneemann", "Rohstoff" und "Das Schlangenmaul" (letzterer wurde verfilmt) eine kleine aber treue Leserschaft gefunden.

Neben den Romanen und Gedichten hat Fauser immer wieder für die Zeitung geschrieben. Dabei sind Autorenporträts und literarische Reportagen entstanden, die nun in diesem Band versammelt sind. Der "Lese-Stoff", den uns Fauser anbietet, umfasst vor allem Autoren aus dem angelsächsischen Sprachraum. In Fausers literarischen Kosmos bilden Autoren wie Hemingway, Bukowski oder Kerouac den Gegenpool zum gehassten "Bauchnabelpopeln deutschen Dichtergeweses". Bei ihnen entdeckt der Schriftsteller Fauser den Realismus und die Direktheit der Literatur, die er für seine eigenen Romane in Anspruch nimmt. So überrascht auch nicht die Auffassung, die Fauser - ganz in Opposition zur deutschen Innerlichkeitsprosa - über die Aufgabe der Literatur hat. Sie lautet lapidar: "Information fürs tägliche Überleben."

Das Problem des Schreibens nach 1945, das so viele deutsche Schriftsteller dieser Generation mit sich tragen, ist auch bei Fauser allgegenwärtig. Allerdings versucht Fauser nicht an jene literarische Tradition, die durch den Nationalsozialismus so jäh unterbrochen wurde, anzuknüpfen, sondern er orientiert sich an der amerikanischen Beat-Literatur der 50er und 60er Jahre. Im Autorenporträt von Jack Kerouac ("On the Road") beschreibt Fauser wie dieser Roman in das verkorkste Nachkriegsdeutschland hineinplatzte: "So lange sie sich erinnern konnten, die Trümmerkinder, war's eigentlich ziemlich fad gewesen, die fünfziger, dieser nahtlose Aufbau, Wirtschaftswunder, Wundertüten mit Pepita-Muster, ewige Sonntagnachmittage in den neuen Siedlungen mit Rasenmähen und Paul Anka, na gut, die paar vertrockneten Progressiven, Böll, Gott ja, Konkret so aufregend wie Kirchenfunk, die Rollkragenpullover bei der Humanistischen Union, na und? Kultur als Käsestulle. Und dann: "Let's go, man, go!" So wirkte Kerouac."

Fauser gelingt es mit einem ganz eigenen Sound und ganz direkt über seine literarischen Vorbilder und Einflüsse zu schreiben. Mit den Autorenporträts über die amerikanischen hard-boiled Krimiautoren wie etwa Mickey Spillane oder Chester Himes gräbt Fauser zudem einige Klassiker des Kriminalromans aus, die schon beinahe in Vergessenheit geraten sind. Wer sich also nach etwas anderem als dem behäbigen Brunetti sehnt, wird in diesem Buch einige Leseanreize finden.

Lese-Stoff
Jörg Fauser

Lese-Stoff


Neue Kritik 2003
232 Seiten, gebunden
EAN 978-3801503666

Ohne Fotoausrüstung auf Kreuzfahrt

David Foster Wallace hat sich vom 11. bis zum 18. März 1995 auf eine Kreuzfahrt begeben und aufgeschrieben, was er gesehen, gehört, gerochen, gefühlt und geschmeckt hat. Herausgekommen ist Reiseliteratur vom Feinsten.

Lesen

Bombay, Stadt der Extreme

Eine facettenreiche und atemberaubende Reportage über eine der größten Metropolen dieser Welt.

Lesen

Gabriel García Márquez' journalistische Arbeiten

Gabriel García Márquez kennen wir vor allem als Romanautor. Er war aber über längere Zeit auch journalistisch tätig. Eine lesenswerte Auswahl seiner journalistischen Arbeiten!

Lesen

Von einem bärtigen Parzival in der Karibik

Ein außergewöhnlicher Fotoband über die Befreiung Kubas vom Imperialismus und den Folgen für die Kubaner von einem amerikanischen Fotojournalisten.

Lesen

Zora del Buonos Eindrücke von der Ostküste Nordamerikas

Zora del Buonos Reisereportage von der US-Atlantikküste gibt spannende Einblicke in eine vielfältige Gesellschaft - vom kühlen Neufundland im Norden bis zum schwülen Florida im Süden.

Lesen

Berichte aus dem Herzen Afrikas

Wenn wir über den Kongo lesen, dann meist in Zusammenhang mit kriegerischen Auseinandersetzungen. Dass dieses riesige, relativ dünn besiedelte Land im Herzen Afrikas nicht nur aus Kriegen und Bodenschätzen besteht, zeigt Andrea Böhm mit ihrer eindrücklichen Reportage.

Lesen
Ein unversöhnlich sanftes Ende
Aus der nahen Ferne
Der Geliebte der Mutter
Die gläserne Grenze
Die Brooklyn-Revue
Der arme Swoboda
Die Archive der Nacht
Besuch bei Zerberus
Eheglück
Ragtime
Weil wir längst woanders sind
Letzter Halt Bahnhofstrasse
by rezensionen.ch - 2001 bis 2018