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Hartmut Walz: Ihre Finanzen fest im Griff

Der seriöse Privatanleger

"Sie stehen mitten im Leben, haben lange Tage, viele Rollen, Pflichten, Interessen und Hobbys. Sie haben weder Luft noch Lust, viel Zeit und Mühe auf Themen rund um Geldanlage und Vorsorge zu verwenden oder sich ständig mit Ihren Finanzen zu beschäftigen. Bei Banken, Sparkassen, Versicherern und sonstigen Finanzvertrieben stehen Sie hoch im Kurs. Sie werden häufig angeschrieben und zu »kostenlosen Beratungsgesprächen« oder »Informationsveranstaltungen« eingeladen, die Sie jedoch als reine Verkaufsmaßnahmen identifiziert haben."

Für diese im Vorwort des vorliegenden Ratgebers umschriebene Zielgruppe, welche durch die gegenwärtige Nullzins-Welt besonders verunsichert ist, bietet Hartmut Walz, renommierter Finanzexperte und Professor an der Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft Ludwigshafen mit den Schwerpunkten Bankbetriebslehre, Finanzdienstleistungen für Privatanleger und Finanzpsychologie, wertvolle Tipps rund um Finanzen und Geldanlage. Das Buch ist bei Haufe in der Reihe TaschenGuides erschienen und zeichnet sich – gemäß der Devise für diesen kleinen gelben Ratgeber – durch kompakte Informationen zum kleinen Preis aus. Die fünf Kapitel befassen sich mit den folgenden Schwerpunkten:

"Rahmenbedingungen, die Sie kennen sollten": in diesem Kapitel wird vor allem über die Fallstricke von Geldanlage und Vorsorge in der Nullzins-Welt informiert. Der Leser erfährt, wie herausfordernd die Kombination von Niedrigzinsen, Inflation, Besteuerung und Kosten für Geldanlage und Vorsorge ist, aber auch in welchem Umfang die Finanzberater, exakter »Finanzprodukteverkäufer« (FPV), an einem Abschluss verdienen und warum es diesen FPVs so schwerfällt, neutral zu beraten. Neben der Analyse solcher Interessenkonflikte im Vertrieb von Finanzdienstleistungen wird auch hinterfragt, warum es so schwierig ist, neutrale Informationen zu erhalten (Informationsüberflutung und sog. "Finanzpornografie").

"Unvorteilhafte Produkte": hier wird offengelegt, dass viele Anlage- und Vorsorgeprodukte das in sie investierte Geld nicht nur nicht wert sind, sondern oftmals unnötige und nicht erkennbare Risiken beinhalten. Bei anderen Produkten wird insgesamt mehr eingezahlt, als letztlich ausgezahlt, was nicht nur an der Nullzins-Welt liegt. Im Einzelnen wird begründet, weshalb man die folgenden zehn Produktgruppen grundsätzlich meiden sollte: Euro-Anleihen, Bausparverträge, Riester- und Rürup-Verträge, Lebens- und Rentenversicherungen, teure Fondspolicen, »neue Klassik« und Indexpolicen, Investmentzertifikate, aktiv gemanagte Investmentfonds, exotische Sachanlagen (Uhren, Schmuck und Kunstgegenstände, Alkoholika, Oldtimer-Fahrzeuge, etc.) sowie Mode- und Nischenprodukte (u. a. geschlossene Fonds und Kryptowährungen).

"Gute Produkte": trotz Nullzins-Welt gibt es nach Ansicht des Verfassers durchaus noch sinnvolle Anlagemöglichkeiten, welche grundsätzlich in Ordnung und fair sind. Allerdings sollte stets individuell geprüft werden, ob die Finanzdienstleistung zu den konkreten Bedürfnissen tatsächlich auch wirklich passt. So lässt z. B. die grundsätzliche Empfehlung der Anlageklasse Immobilien noch keine Rückschlüsse über das Preis-Leistungsverhältnis eines konkreten Angebots zu und auch die empfohlene Netto-Fondspolice kann dann unvorteilhaft werden, wenn hierfür ein überhöhtes Beratungshonorar fällig wird. Im Einzelnen werden die folgenden Anlagemöglichkeiten systematisch bewertet: Tagesgeld- und Festgeldkonten, Staatsanleihen außerhalb der Eurozone, Aktien, (passive) Aktien-ETFs, Indexfonds und ETF-Sparpläne, Netto-Fondspolicen (ETF-Sparen im Versicherungsmantel), Gold, Silber und andere Edelmetalle außer Gold, selbst genutzte oder vermietete Immobilien.

"Typische Anlegerfehler und wie Sie sie vermeiden": in diesem Teil greift der Autor auf die Erkenntnisse der Anlage- bzw. Anlegerpsychologie ("Behavioral Finance") zurück, d. h. auf eine Spezialdisziplin der Psychologie, bei der es um den "Konflikt zwischen Kopf und Bauch bei Geldthemen" geht. So leidet beispielsweise ein großer Teil der deutschen Anleger unter einer Handlungsstarre bzw. einer starken Tendenz zum Nichtstun ("Omission Bias") und lagert momentan ca. 2,5 Billionen Euro zinsfrei, aber inflationsgefährdet auf Giro-, Spar- oder Tagesgeldkonten. Wenn man unterstellt, dass davon ein Fünftel als Liquiditätsreserve benötigt wird, erleiden die Deutschen bei einer angenommenen alternativen Rendite von 2,5% p.a. jährlich 50 Milliarden Euro Verluste durch den Omission Bias. Es geht aber auch u. a. um die Problematik des Halbwissens und der Selbstüberschätzung ("A little knowledge is a dangerous thing"), um die Vermeidung überhöhter Opportunitätskosten und um die Furcht vor falschen Risiken bzw. um die Frage, wie man mit Risiken besser umgehen kann.

"Praktische Umsetzungshilfen": das abschließende Kapitel gibt zahlreiche praktische Anleitungen und Hilfen zur strategischen Planung der Finanzen und Vorsorge. Des Weiteren wird z. B. darüber informiert, wie man echte Beratung erhalten kann, welche nicht in einem reinen Produktverkauf endet; wie man das passende Online-Depot finden und Kosteninformationen leichter verstehen kann und wie man mit sog. "Altlasten", d. h. mit Altverträgen, Bestandsverträgen oder unvorteilhaften bzw. nicht mehr passenden Finanz- oder Vorsorgedienstleistungen, umgehen sollte.

Fazit: nach der Lektüre dieses interessant und flüssig geschriebenen sowie sehr praxisnahen Ratgebers hat man zweifelsohne aufgehört, ein LeO (Leicht erreichbares Opfer) zu sein! Dieses Akronym ist die Insider-Bezeichnung der Finanzdienstleistungsbranche für diejenigen Kunden, die wenig einschlägige Kenntnisse haben, aber den Willen, irgendwie Geld anzulegen. Diese gelten damit als sparfähig und zugleich beeinflussbar.


von Bernd W. Müller-Hedrich - 22. Dezember 2019
Ihre Finanzen fest im Griff
Hartmut Walz

Ihre Finanzen fest im Griff


Erfolgreiche Geldanlage und Vorsorge in der Nullzins-Welt
Haufe Lexware 2019
256 Seiten, broschiert
EAN 978-3648136614