Kultur

Der Golem lebt!

Ein Golem, dieses grosse, starke Geschöpf, das der jüdischen Mystik folgend allein aus Lehm und mithilfe von Buchstabenmystik erschaffen wird, kann sehr nützlich sein, gehorcht es doch seinem Schöpfer und kann ausschliesslich durch seinen Schöpfer wieder zerstört werden. Ein willenloser, stummer Sklave, der Schutz bieten und Aufträge ausführen kann. Schutz können und konnten jüdische Gemeinden schon immer gut brauchen, doch was wenn sich herausstellt, dass der Golem doch nicht so willenlos und gehorsam ist, wenn der Golem zum unberechenbaren Monster wird, das wütend und führerlos seine Zerstörungskraft einsetzt, der Menschen nichts mehr entgegenzusetzen haben? Dass die Golem-Legende bis heute Eingang in Literatur, Film, Kunst und Kultur findet, verwundert nicht, lassen sich doch herrlich spannende Geschichten vom Guten bis zum Bösen darum spinnen, die unser Menschsein unmittelbar berühren.

Das Jüdische Museum Berlin hat sich in einer Ausstellung dem Golem gewidmet und zeigte anhand zahlreicher Exponate die vielfältigen Deutungsmöglichkeiten des Golems von früher bis heute. Wer die Ausstellung verpasst hat, kann sich mit dem schönen Ausstellungskatalog aus dem Kerber-Verlag mit der spannenden Rezeptionsgeschichte des Golem auseinandersetzen. Im grossformatigen Bildband werden die abgebildeten Objekte, Film- und Literatur-Ausschnitte von Wissenschaftlern, Schriftstellern und Künstlern kommentiert. Schnell wird klar, dass das Erschaffen von (nützlichen) Geschöpfen bis heute eine der zentralen Beweggründe ist, Forschung zu betreiben, Technik weiterzuentwicklen oder - wenn man so will - auch Politik zu betreiben. Ob das Geschöpf als Beschützer oder Gefahr gesehen wird, ist jeweils eine Frage der Perspektive jedes Einzelnen, was beispielsweise bei Donald Trump, einem Golem aus unserer Zeit, überdeutlich wird.

Golem
Emily D. Bilski (Hrsg.)
Martina Lüdicke (Hrsg.)

Golem


Kerber 2016
184 Seiten, broschiert
EAN 978-3735602770

Venedig nach Henry James

Die Hommage an einen Lebensstil beleuchtet die verschiedenen Reisen und Aufenthalte Henry James' in der Stadt der Träume und Illusionen. Eine wunderbare Huldigung in einer bibliophilen Ausgabe.

Lesen

Sowjetunion: "Die Große Gefängniszone"?

Stalker von Andrei Tarkovskij: Ein in jeder Hinsicht berauschendes Werk, das durch die wunderbare Lektüre von Dyers Text noch klarer und akzentuierter aus sich heraustritt und neue Perspektiven des Sehens und des Schreibens eröffnet.

Lesen

The Doors: die "bösen" Sechziger

50 Jahre Sommer der Liebe: vor 50 Jahren erschien das erste - selbstbetitelte Album der Doors, "The Doors", ein guter Anlass die Autobiographie des Organisten der Doors vorzustellen und zu erfahren, wie er Jim erlebt hat.

Lesen

Wie ein Kollektiv baut

Das Buch bietet Einblicke in die Arbeitsweise und Projekte des britischen Architekturkollektivs Assemble, das 2015 den Turner-Prize, der üblicherweise an Künstler geht, erhalten hat.

Lesen

Kommen Sie nach Italien!

Dario Argentos meisterhaftes Film-Debüt in der Originalversion als Blu-ray neu aufbereitet und mit zahlreichen Extras.

Lesen

Whitest Man Alive & Dead

Leben und Tod von David Bowie, dem ewigen Wiedergänger. Kurz, informativ und dennoch anspruchsvoll.

Lesen
Die Indianer Nordamerikas
Kopf hoch! / Noahs Fleischwaren
Jay Ullal - Man hat nur sieben Leben
Freundschaft - Buch-Kalender 2017
Castros Kuba
Gedanken
Goethe und des Pudels Kern
Das Mädchen aus der Fremde
Literaturtheorie
Heimatland
Kafka in Berlin
Das Tagebuch
by rezensionen.ch - 2001 bis 2018