Medien

Zeitungen im Wechselbad der Geschichte

Zeitungen könnte man meinen, sind ein Medium, dem es einmal besser gegangen ist. Immer dann, wenn man mit Journalisten und Verlegern redet, meint man, ein Glänzen in den Augen zu sehen, wenn sie von den alten Zeiten reden. Aber ist die Aussage "früher war alles besser" wirklich haltbar? Zwei Neuerscheinungen gehen mit einer historischen Perspektive genau dieser Frage nach und nehmen die wechselvolle Geschichte der Basler Zeitung und dem Düsseldorfer Zeitungswesen im 19. und 20. Jahrhundert unter die Lupe und weisen nach, wie schwierig das Zeitungsmachen schon immer gewesen ist.

Das Hin und Her um das Schicksal der Basler Zeitung hat schon zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit für ein Buch gesorgt. Auch wenn die Geschichte der Zeitung relativ kurz ist und das Alter gemessen an dem Alter anderer Schweizer Zeitung jung, ist die Geschichte der Basler Zeitungen immer von Schwierigkeiten geprägt gewesen. Sie entstand in den Jahren 1976 und 1977 aus einem Zusammenschluss der Basler Nachrichten und der National-Zeitung. Die Fusion der einerseits politisch liberalen und andererseits eher linksliberalen Zeitungen hat innerhalb des Medienmarkts und der Öffentlichkeit in den 70er Jahren für eine Kontroverse gesorgt. Gefürchtet wurde eine politische Einseitigkeit und Undifferenziertheit. Um dem zu begegnen einigten sich die Blattmacher auf das Schaffen einer Forumszeitung, in dem jedem politischem Lager ihre Stimme gegeben sein sollte. Zurückhaltend sind die Autoren um den Herausgeber Walter Rüegg in der Frage, ob dies der Zeitung gelungen ist. Allerdings sprechen der Schwund der Auflage und das Erstarken der gratis verteilten Pendlerblätter für sich.

Politisch klare Positionen sollte die BaZ in der Folge allerdings wieder entwickeln, vor allem etwa ab den ausgehenden 80er Jahren. In vielen Fragen, beispielsweise bei der Debatte um den EWR-Beitritt der Schweiz oder die Abwahl Blochers aus dem Bundesrat nahm die BaZ häufig eine Anti-Blocher-Haltung ein. Was auf der einen Seite das politische Profil stärkte, hat gerade bei dem politischen Erzfeind Begehrlichkeiten geweckt. 2002 wurde die BaZ an den Verlagsbereich von Jean Frey verkauft und wurde in der Folge zum Spekulationsobjekt zahlreicher Investoren. Bereits in den 1990er Jahren steht es wirtschaftlich nicht zum Besten mit der nunmehr als Medienkonzern geführten Zeitung und den angegliederten Betrieben. Mit dem Einstieg von Christoph Blocher als Investor kommen allerdings die heftigen Auseinandersetzungen in Gang, die sich bis heute nicht gelegt haben. 2010 wurde bekannt, dass Blocher und seine Tochter Rahel über die Finanzierungsgesellschaft Robinvest AG und ein Beratungsmandat Einfluss auf den Kurs der Zeitung nehmen konnten. 1’600 gekündigte Abonnemente waren für die Zeitung die Folge.

Wie es mit der Basler Zeitung weitergehen wird, ist unklar. Herausgeber Walter Rüegg konstatiert in seinem Nachwort: "Das Unternehmen ist erstarrt. Ratlosigkeit herrscht über die Ziele des neuen Besitzers und des Geldgebers im Hintergrund. Was geschieht als Nächstes mit dem Flaggschiff des Unternehmens, der Basler Zeitung?"

Geht man historisch gut 150 Jahre zurück, stellt sich das Zeitungsmachen ebenfalls nicht als einfaches Geschäft dar. Am Beispiel der Düsseldorfer Presselandschaft rekonstruiert ein Team aus Autoren, Wissenschaftlern und Journalisten die Geschichte dieses besonderen Pressestandorts. Als Residenzstadt war Düsseldorf an der Schwelle vom 18. auf das 19. Jahrhundert mit einer Vielzahl von Zeitungsverlagen gesegnet. Manfred Lotsch und Lothar Schröder beschreiben die Situation zugespitzt mit den Worten: "[man wird] zu der Überzeugung kommen, dass damals in der Stadt nur zwei Typen von Menschen lebten: solche, die Zeitungen und Zeitschriften lasen, und die anderen, die diese geschrieben und hergestellt haben." In der Tat war in Düsseldorf auf dem (lokal-)publizistischen Markt eine starke Wettbewerbssituation immer prägend. Viele Zeitungen kämpften um das oftmals knappe Budget der Leser. In zahlreichen Detailporträts nehmen die Autoren den Leser mit auf eine Reise in die Redaktionen des 19. Jahrhunderts und unterstreichen in vielen Fällen die große Bedeutung einzelner Verlegerpersönlichkeiten. In einer Zeit, in der eine Zeitungsredaktion meist nur aus einer Handvoll Mitarbeitern bestand, lag eine große Verantwortung auf jedem einzelnen. Lesenswert ist Manfred Lotschs Schilderung der Pressezensur der Rheinischen Blätter unter Napoleon. Die Zeitung hatte sich bereits in den Jahren vor dem Einzug Napoleons in der Stadt im Jahre 1806 einen in das Umland ausstrahlenden publizistischen Namen gemacht. In der französischen Besatzungszeit bildet das Blatt - toleriert und kritisch beobachtet von den Franzosen - eine kritische Gegenstimme zu der großen Mehrheit der Blätter, die auf einen pro-napoleonischen Standpunkt einschwenken.

Voll greifen aber erst die Maßnahmen der Zensur und Kommunikationskontrolle der Nazis durch. In bisher ungekanntem Umfang werden die Blätter entweder verboten oder auf Parteilinie gebracht. Die zwölf dunklen Jahre stellen eine Zäsur, aber keinen Abbruch der publizistischen Tradition in der neu gegründeten Bundesrepublik dar. Noch heute sind aus der Zeit der Zeitungsgründungen aus den direkten Nachkriegsjahren das Handelsblatt, die Düsseldorfer Nachrichten, die Neue Rhein Zeitung und der Express erhalten.

Die Geschichte der Basler Zeitung / Zeitungen und ihre Zeit
Walter Rüegg (Hrsg.)
Lothar Schröde (Hrsg.)
Manfred Lotsch (Hrsg.)

Die Geschichte der Basler Zeitung / Zeitungen und ihre Zeit


2012
350 / 152 Seiten
EAN 978-3856165628

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