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Hans Adam, Peter Mayer: Europäische Integration

Die europäische Integration verstehen

Der europäische Binnenmarkt ist der größte der Welt. Das Verständnis der europäischen Integration – d. h. die Entwicklung des europäischen Einigungsprozesses, die institutionelle Struktur der EU und vor allem die europäischen Politikfelder – gehört deshalb zum Basiswissen für jeden wirtschaftswissenschaftlichen Studiengang. Bachelorstudierende der Volks- und Betriebswirtschaftslehre finden in diesem Lehrbuch von Hans Adam und Peter Mayer, VWL Professoren an der Hochschule Osnabrück, eine fachkompetente und zugleich gut verständliche sowie kompakte und aktuelle Einführung in die grundlegenden Zusammenhänge der Europäischen Integration.

Das vorliegende Werk ist aus Lehrveranstaltungen der beiden Verfasser entstanden und beschreibt in insgesamt dreizehn Kapiteln die folgenden zentralen Themenfelder:

Themenbereich 1 Das Entstehen der EU: Der einführende geschichtliche Überblick zeigt deutlich, dass die europäische Einigung seit Mitte des 20. Jahrhunderts einen einzigartigen Prozess ausmacht, mit dem sich das Zusammenleben der Völker Europas gegenüber den vorherigen Jahrhunderten fundamental geändert hat. Politisch stand die Friedenssicherung in Europa im Vordergrund. Auch der größere weltpolitische Einfluss, der mit dem geeinten Europa einhergeht, war stets handlungsleitend. Nicht zuletzt hat der Binnenmarkt für kleinere Länder erhebliche wirtschaftliche Vorteile gebracht, die mit starken Effizienzgewinnen durch Spezialisierung und Skaleneffekte verknüpft waren. Der intensive Wettbewerb innerhalb Europas ist langfristig für Konsumenten und Produzenten von Vorteil und regt Innovationen an. Es wird aber auch nicht verschwiegen, dass es derzeit keinen Konsens über die zukünftige Gestalt der EU gibt, weder geografisch, politisch, noch wirtschaftlich. Es gibt kein allgemein akzeptiertes Verständnis der "Finalität Europas". Während die Europaidee in der Nachkriegszeit in etlichen Ländern eine Euphorie auslösen konnte, ist dies heute nicht mehr der Fall. Die derzeit größte Herausforderung für die Zukunft der Union stellen das Ausscheiden des Vereinigten Königreichs aus der EU und die Gefahr dar, dass es zu einem harten Brexit kommen kann.

Themenbereich 2 Institutionelle Strukturen: Ein weiterer Schwerpunkt wird der Beschreibung der Funktionsweise der EU gewidmet, d. h. der Darstellung des rechtlichen und institutionellen Rahmens. Die EU wird durch eine besondere rechtliche Konstruktion geprägt. Die Unionsverträge, einschließlich ihrer Anhänge, Anlagen und Protokolle, und die abgeschlossenen völkerrechtlichen Verträge bilden das sog. "Primärrecht". Zielsetzung, Organisation der Arbeit der Union und das konkrete Handeln der Organe und Institutionen der EU haben sich daran auszurichten. Auf dieser Basis verabschieden die Organe der Union Vorschriften, welche auch Teile des rechtlichen Rahmens darstellen und als sog. "sekundäres Unionsrecht" gelten. Mit der Schaffung einer eigenen Rechtsordnung hat die EU einen im internationalen Vergleich ungewöhnlichen Weg beschritten hat. Das Recht der EU, welches im Lissabon-Vertrag formuliert ist, ist "supranationales Recht" und bindet die Mitgliedsstaaten. Was die Organe und Institutionen der EU angeht, werden insbesondere das Europäische Parlament, der Europäische Rat, der Rat der Europäischen Union, die Europäische Kommission, der Europäische Gerichtshof, der Europäische Rechnungshof und die Europäische Zentralbank im Einzelnen beschrieben und charakterisiert. Abschließend wird die Finanzverfassung der EU behandelt und u.a. der Haushalt, die Nettopositionen, der mehrjährige Finanzrahmen und die Problemfelder der Haushaltspolitik, einschließlich möglicher Lösungsansätze, referiert.

Themenbereich 3 Der europäische Wirtschaftsraum – Handel und Wettbewerb: Im Anschluss an die theoretische Begründung für die Schaffung eines Binnenmarkts und an die Untersuchung der damit verbundenen statischen und dynamischen Effekte werden die sog. "vier Freiheiten" vorgestellt. Dabei geht es um die konkrete Umsetzung des Binnenmarktprojekts und den damit verbundenen gesamtgesellschaftlichen Nettonutzen durch den freien Waren-, Dienstleistungs-, Personen- und Kapitalverkehr. Ein weiteres Kapitel befasst sich zunächst mit den theoretischen Grundlagen der Wettbewerbspolitik, um anschließend die konkreten rechtlichen Instrumente der europäischen Wettbewerbspolitik zu referieren. Ein Überblick über den Außenhandel der EU, mit europäischen Ländern innerhalb und außerhalb des EWR, sowie eine Auseinandersetzung mit der Handelspolitik der EU runden diesen Themenbereich ab.

Themenbereich 4 Die Agrar- und Kohäsionspolitik: Dieser Schwerpunkt befasst sich mit zwei Politikfeldern, welche in der Vergangenheit für die Sichtbarkeit und Wahrnehmung der Union von größter Bedeutung waren, nämlich die Agrar- und die Kohäsionspolitik. Die starke Stellung der Gemeinschaftlichen Agrarpolitik (GAP) zeigt sich an der Höhe der Agrarausgaben am EU-Budget, d. h. die Agrarpolitik beansprucht aktuell noch immer knapp 39% des Gemeinschaftshaushalts. Im Mittelpunkt der Betrachtungen stehen die Rechtfertigungen für die Eingriffe in den Agrarmarkt sowie die Ziele und Instrumente der GAP. Die Kohäsionspolitik hingegen bezieht sich auf Maßnahmen zur Sicherung des wirtschaftlichen, sozialen und territorialen Zusammenhalts in der Union und beansprucht rund ein Drittel der Haushaltsmittel der EU.

Themenbereich 5 Die Währungs- und Geldpolitik: Dieser Themenbereich setzt sich mit dem in den letzten und kommenden Jahren dominierenden EU-Thema auseinander. Zuerst werden Grundlagen der Währungspolitik und Europas Weg vom Bretton-Woods-System bis zum Europäischen Währungssystem referiert. In diesem Zusammenhang werden auch die Theorie optimaler Währungsräume und die Beitrittskriterien für die Währungsunion behandelt. Danach steht die Geldpolitik in der Europäischen Währungsunion im Fokus. Dabei geht es um die institutionellen Strukturen, welche die Geldpolitik in der Währungsunion bestimmen, vor allem aber auch um die geldpolitischen Instrumente, welche der EZB zur Verfügung stehen. Abschließend wird auch auf die Frage eingegangen, weshalb in den letzten Jahren die Politik der EZB umstritten gewesen ist.

Themenbereich 6 Die Wirtschaftsunion: Dieses Kapitel geht von den folgenden Leitfragen aus:

  • Warum erzwingt die Schaffung einer Währungsunion die Schaffung einer Wirtschaftsunion?
  • Welche Mechanismen wurden im Vertrag von Lissabon vorgesehen, um die Zusammenarbeit im Rahmen der Wirtschaftsunion zu organisieren?
  • Welche Veränderungen der Wirtschaftsunion wurden in Folge der Eurokrise vorgenommen?
  • Welche Herausforderungen ergeben sich für die Zukunft der Wirtschaftsunion?

Themenbereich 7 Die Finanzkrise in Europa: In diesem Schwerpunkt werden zuerst die unterschiedlichen Ursachen für die Finanzkrise in der Eurozone beschrieben. Dabei handelt es sich um eine Krise der Wettbewerbsfähigkeit, eine Bankenkrise, eine Staatsverschuldungskrise, eine makroökonomische Krise und um die Krise der EU-Governance-Struktur. Die Autoren zeigen auch auf, wie eng diese Krisen miteinander verknüpft waren und noch sind. Des Weiteren wird diskutiert, welche Lehren aus der Eurokrise zu ziehen und welche Lösungsmöglichkeiten langfristig zu ergreifen sind, um innerhalb der bestehenden Währungsunion den Weg zurück zu Wachstum zu finden. Abschließend werden Szenarien für den Fall vorgestellt, dass die Währungsunion in der bestehenden Form nicht weiterbestehen sollte.

Mit einem Ausblick, in dem die Perspektiven der europäischen Einigung im Kontext mit neuen Herausforderungen für die Gemeinschaft diskutiert werden, wird das Lehrbuch abgeschlossen. Die vorliegende Auflage wurde grundlegend überarbeitet und erweitert. Damit werden die aktuellen politischen Debatten über die Zukunft der EU und über die Weiterentwicklung der zentralen Politikfelder umfassend berücksichtigt. Gewonnen hat auch das überarbeitete Layout, das jetzt deutlich lesefreundlicher ausgefallen ist. Nach wie vor hervorzuheben ist auch die gelungene methodisch-didaktische Aufbereitung der Materie, u. a. durch Lernziele bzw. Leitfragen, Verständnis-, Wiederholungs- und Vertiefungsfragen, Zusammenfassungen, Info-Boxen und die Vielzahl von Abbildungen, welche das Verständnis für die Zusammenhänge erleichtern. Weiterführende Literaturhinweise am Ende eines jeden Kapitels ermöglichen eine schnelle Vertiefung in die einzelnen Themenbereiche.

Dieses Lehr- und Lernbuch eignet sich vortrefflich für die eingangs vorgestellte Zielgruppe und zwar sowohl als vorlesungsbegleitende Lektüre als auch zur gezielten Vorbereitung auf einschlägige Klausuren.


von Bernd W. Müller-Hedrich - 18. Oktober 2020
Europäische Integration
Hans Adam
Peter Mayer

Europäische Integration


UTB 2020
301 Seiten, broschiert
EAN 978-3825253004