Wirtschaft

Europäische Integration

Der europäische Binnenmarkt ist der größte der Welt. Das Verständnis der europäischen Integration - d. h. die Entwicklung des europäischen Einigungsprozesses, die institutionelle Struktur der EU und vor allem die europäischen Politikfelder - gehört deshalb zum Basiswissen für jeden wirtschaftswissenschaftlichen Studiengang. Bachelorstudierende der Volks- und Betriebswirtschaftslehre finden in diesem Lehrbuch von Hans Adam und Peter Mayer (beide Autoren sind VWL Professoren an der Hochschule Osnabrück und haben sich schon seit vielen Jahre mit der einschlägigen Materie befasst) eine fachkompetente und zugleich gut verständliche sowie kompakte und aktuelle Einführung in die grundlegenden Zusammenhänge der Europäischen Integration.

Das vorliegende Werk ist aus Lehrveranstaltungen der Verfasser entstanden und beschreibt in sechs Teilen mit insgesamt zwölf Kapiteln die folgenden zentralen Themenfelder:

Teil 1 Das Entstehen der EU: Der einführende geschichtliche Überblick macht deutlich, dass die europäische Einigung seit Mitte des 20. Jahrhunderts ein einzigartiger Prozess ist, mit dem sich das Zusammenleben der Völker Europas gegenüber den vorherigen Jahrhunderten fundamental geändert hat. Politisch stand die Friedenssicherung in Europa im Vordergrund. Auch der größere weltpolitische Einfluss, der mit dem geeinten Europa einhergeht, war stets handlungsleitend. Nicht zuletzt hat der Binnenmarkt für kleinere Länder erhebliche wirtschaftliche Vorteile gebracht, die mit starken Effizienzgewinnen durch Spezialisierung und Skaleneffekte verknüpft waren. Der intensive Wettbewerb innerhalb Europas ist langfristig für Konsumenten und Produzenten von Vorteil und regt Innovationen an. Allerdings wird auch deutlich, dass es derzeit keinen Konsens über die zukünftige Gestalt der EU gibt, weder geografisch, politisch, noch wirtschaftlich. Es gibt kein allgemein akzeptiertes Verständnis der "Finalität Europas". Während die Europaidee in der Nachkriegszeit in etlichen Ländern eine Euphorie auslösen konnte, ist dies heute nicht mehr der Fall.

Teil 2 Institutionelle Strukturen: Ein erster Schwerpunkt wird der Beschreibung der Funktionsweise der EU, d. h. der Darstellung des rechtlichen und institutionellen Rahmens, gewidmet. Es zeigt sich, dass die EU mit der Schaffung einer eigenen Rechtsordnung einen im internationalen Vergleich ungewöhnlichen Weg beschritten hat. Das Recht der EU, welches im Lissabon-Vertrag formuliert ist, ist "supranationales Recht" und bindet die Mitgliedsstaaten. Im Einzelnen werden insbesondere das Europäische Parlament, der Europäische Rat, der Rat der Europäischen Union, die Europäische Kommission, der Europäische Gerichtshof, der Europäische Rechnungshof und die Europäische Zentralbank beschrieben und charakterisiert. Im Mittelpunkt des zweiten Schwerpunkts liegen die Finanzverfassung der EU, einschließlich der Haushaltsplanung und des mehrjährigen Finanzrahmens, sowie die Erörterung der typischen Problemfelder der Haushaltspolitik.

Teil III Der europäische Wirtschaftsraum - Handel und Wettbewerb: Im Anschluss an die theoretische Begründung für die Schaffung eines Binnenmarkts und die Untersuchung der damit verbundenen statischen und dynamischen Effekte werden die sog. "vier Freiheiten" vorgestellt. Dabei geht es um die konkrete Umsetzung des Binnenmarktprojekts und den damit verbundenen gesamtgesellschaftlichen Nettonutzen durch den freien Waren-, Dienstleistungs-, Personen- und Kapitalverkehr. Ein weiteres Kapitel befasst sich zunächst mit den theoretischen Grundlagen der Wettbewerbspolitik, um anschließend die konkreten rechtlichen Instrumente der europäischen Wettbewerbspolitik zu referieren. Ein Überblick über den Handel der EU-Staaten, mit Staaten innerhalb und außerhalb der EU, sowie eine Auseinandersetzung mit der Handelspolitik der EU runden diesen Themenblock ab.

Teil IV Die ausgabenträchtigen EU-Politiken: Dieser Teil befasst sich mit zwei Politikfeldern, welche in der Vergangenheit für die Sichtbarkeit und Wahrnehmung der Union von größter Bedeutung waren, nämlich die Agrar- und die Kohäsionspolitik. Die starke Stellung der gemeinschaftlichen Agrarpolitik (GAP) zeigt sich an der Höhe der Agrarausgaben am EU-Budget, d. h. die Agrarpolitik beansprucht aktuell 39% des Gemeinschaftshaushalts. Im Mittelpunkt der Betrachtung stehen die Rechtfertigungen für die Eingriffe in den Agrarmarkt sowie die Ziele und Instrumente der GAP. Die Kohäsionspolitik hingegen bezieht sich auf Maßnahmen zur Sicherung des wirtschaftlichen, sozialen und territorialen Zusammenhalts in der Union und beansprucht rund ein Drittel der Haushaltsmittel der EU.

Teil V Die Wirtschafts- und Währungsunion: In diesem Gliederungsabschnitt wird das in den letzten Jahren dominierende EU-Thema behandelt. Zuerst wird in die Geld- und Währungspolitik mit einem Rückblick auf den Weg zur Europäischen Währungsunion eingeleitet. Danach folgen eine Einführung in die Theorie optimaler Währungsräume, der Überblick über die grundsätzlichen Aufgaben und Instrumente der Geldpolitik sowie insbesondere die Auseinandersetzung mit der Politik der EZB in der Praxis. Im Anschluss an eine Darstellung der Entwicklung der Wirtschaftsunion - im Kern geht es hierbei um eine Verfeinerung der Koordination der Wirtschafts- und Finanzpolitik - wird die Eurokrise behandelt. Im Mittelpunkt steht die Analyse von fünf miteinander verwobenen Krisen. Dabei handelt es sich um eine Krise der Wettbewerbsfähigkeit, eine Bankenkrise, eine Staatsverschuldungskrise, eine makroökonomische Krise und um die Krise der EU-Governance-Struktur. Abschließend werden kontrovers diskutierte Vorschläge zur Lösung dieser verschiedenen und interdependenten Krisen vorgestellt.

Teil VI Ausblick: Mit einer Diskussion der Perspektiven der europäischen Einigung, im Kontext mit neuen Herausforderungen für die Gemeinschaft, wird das Lehrbuch abgeschlossen.

Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht Ereignisse auftreten, die für die EU bedeutsam sind. Die Überschuldung Griechenlands, die Möglichkeit eines "Brexits", die Ukrainekrise, die Flüchtlingsproblematik oder das Transatlantische Handelsabkommen kennzeichnen nur einige der Schlagworte, welche die politische, gesellschaftliche und ökonomische Diskussion in Europa derzeit bestimmen. Dieser Entwicklung wird in der vorliegenden 2. Auflage entsprochen. Etliche Ausführungen wurden deshalb aktualisiert und durch neue Info-Boxen angereichert.

Das Buch besticht durch die Konzentration auf die wesentlichsten zentralen ökonomischen Themenfelder der europäischen Integration und klammert weitere Politikbereiche, die für den Fortgang der europäischen Einigung ebenfalls von Bedeutung sind, wie die Steuer-, Sozial-, Gesundheits- und Entwicklungspolitik, konsequent aus. Hervorzuheben ist auch die gelungene methodisch-didaktische Aufbereitung der Materie, u. a. durch Lernziele bzw. Leitfragen, Verständnis-, Wiederholungs- und Vertiefungsfragen, Zusammenfassungen, Info-Boxen und der Vielzahl von Abbildungen, welche das Verständnis für die Zusammenhänge erleichtern. Weiterführende Literaturhinweise am Ende eines jeden Kapitels ermöglichen eine schnelle Vertiefung in die einzelnen Themenbereiche.

Das Lehr- und Lernbuch eignet sich somit für die eingangs vorgestellte Zielgruppe hervorragend als vorlesungsbegleitende Lektüre, aber auch zur gezielten Vorbereitung auf einschlägige Klausuren.

Europäische Integration
Hans Adam
Peter Mayer

Europäische Integration


UTB 2015
301 Seiten, broschiert
EAN 978-3825244613

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