E-Mail-Adresse für den Newsletter

E-Mail-Adresse für den Newsletter

Bukowski by Abe Frajndlich

Die Ablichtung Bukowskis

"I tell the women that the face is my experience and the hands are my soul – anything to get those panties down", erzählt Charles "Buk" Bukowski in einem Gespräch und gerade dieses Gesicht sollte nun porträtiert werden. "Bukowski by Abe Frajndlich - The Shooting" – so der Titel – ist aber keine Hinrichtung, sondern ein gelungenes Porträt des Dirty Old Man.

The Shooting - die Hinrichtung

Buk war damals – Mitte der Achtziger Jahre – bekannt dafür, Fotografen die Stiegen runterzuschubsen, denn nur Michael Montford, sein Lieblingsfotograf durfte das Privileg genießen, Buk zu verewigen. Aber aufgrund ihrer gemeinsamen Vergangenheit – beide kamen als "Flüchtlinge" in die USA – sei Buk von Anfang an sehr herzlich und offen zu ihm gewesen, erzählt Abe Frajndlich. Er besuchte im Auftrag der FAZ den Dirty Old Man in seinem Häuschen in San Pedro, L.A., und durfte seinen BMW und sein Arbeitszimmer und schließlich auch ihn – ohne Shirt – ablichten. Nachdem Frajndlich die erste Fotosession vermurkste gab Buk ihm noch eine zweite Chance: "OK, punk, get out here in a couple of weeks and we will give it another shot. You know I can’t handle the guilt." Die "Erpressung" mit dem Ende seiner Fotografenkarriere hatte bei Buk gewirkt. Schließllich wollte er nicht, dass Frajndlich auf der Straße landete, so wie er damals als er in dessen Alter war.

Palmen und Zitronenbaum

Die zweite Fotosession verlief so gut, dass Buk ihn dann auch zur Hochzeit mit seiner Frau Linda einlud und weitere Fotos entstanden, die exklusiv und erstmals für die Öffentlichkeit ebenfalls in vorliegender Publikation zu sehen sind. Linda und Buk hatten schon 12 Jahre zusammengelebt und seine Trinkerei am Hochzeitstag, nachdem er drei Wochen vorher "gefastet" hatte, konnte sie nun auch nicht mehr schocken. Details dazu lesen sich sehr unterhaltsam im Vorwort des Fotografen. Frajndlich bezeichnet seine erste Begegnung mit Buk als "formative experience", da er zu Beginn seiner Fotografenkarriere von Buk eine Menge über Portraits lernen konnte. Die ersten Bilder zeigen Buk an einem Gartentisch im Freien, mit Schreibmaschine und seinen Bidis und natürlich dem wichtigsten Accessoire, ein Bier. Palmen und ein Zitronenbaum als Kulisse. Der Brillenträger lacht und trägt ein T-Shirt mit seinem Konterfei, das – glaublich – von Robert Crumb stammt. Er wirkt wie ein freundlicher alter Herr, der den Fotografen auch durch sein Haus führt. So bekommt Frajndlich sogar den Arbeitsplatz von Buk zu sehen, seinen Schreibtisch.

Der "echte" Bukowski

"He always vomits before readings; crowds give him the jitters", schreibt Glenn Esterly in seinem Beitrag zu vorliegendem Bildband und erklärt gleich eingangs, dass es wohl gleich zwei "echte" Bukowskis gab: "So who’s to say which one ist he real Bukowski – the hostile drunk who makes a spectactle of himself, or the humble, diffident guy who’s worried that he might have let somebody down?" In seinem Essay beschreibt er eine Lesung von Charles Bukowski und die damit einhergehende Hysterie. Denn jeder wollte sich damals davon überzeugen, dass Bukowski wirklich so ist, wie er schreibt. Dies zeigen auch die vorliegenden Fotos, von denen viele das erste Mal zu sehen sind. So hätte sich bestimmt auch Charles Bukowski seinen 100. Geburtstag vorgestellt. Denn in alten Fotos zu blättern bedeutet auch schöne Erinnerungen zu haben.


von Juergen Weber - 21. September 2020
Bukowski by Abe Frajndlich
Abe Frajndlich (Fotografie)

Bukowski by Abe Frajndlich


The Shooting
Hirmer 2020
96 Seiten, gebunden
EAN 978-3777436678

USA



Weiterlesen