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Light on the Riviera

Bildgewordenes Lebensgefühl

Herausgeberin Geneviève Janvrin und Autorin Sophie Wright zeigen wie die ehemaligen Fischerdörfer zum Kulturzentren "Blaue Küste" als Künstlertreff für viele Celebs wurden. Die französische Riviera bot dabei zudem ein fabelhaftes Licht, das nicht nur für Maler wie Picasso, sondern auch Fotografen wie Charles Nègre oder Lee Miller, Martine Franck und Helmut Newton fabelhafte Voraussetzungen bot. Der Rahmen reicht dabei von den Anfängen der Fotografie und der avantgardistischen Mode in den 1920er-Jahren über die Surrealisten bis hin den Golden Fifties der Paparazzi-Fotografie, zu Künstler-Porträts und zum Fotojournalismus.

Heimat der Heimatlosen

Von Menton bis Marseille reicht die azurblaue Küste Côte d’Azur, die sich als Ferienort der Reichen und Schönen ins kulturelle Gedächtnis eingebrannt hat. Schon Ende des 19. Jahrhunderts etablierte sich dort eine Künstlergemeinschaft, die spätestens durch den Train Bleu auch von Parisern immer mehr erschlossen wurde. Man Ray drehte 1929 den ersten surrealistischen Film Les Mysterys du Chateau de dé. Mit dabei: André Breton, Salvador Dalí, Alberto Giacometti, Jean Cocteau. Dora Maar porträtierte diese und noch viel mehr Künstler mit der Kamera beim Sonnenbaden, Bett-Hopping, Gesprächen. Le Dejeuner nur l'herbe der jungen Fotojournalistin Lee Miller entstand ebenfalls in einem dieser von Kreativitätsexplosionen erhellten Nachthimmel dieser Sommer an der Côte d’Azur. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzten die Magnum Fotojournalisten die Tradition an der Riviera fort. Henri Cartier-Bresson, René Burri, Philippe Halsman, Elliot Erwitt oder auch Helmut Newton nutzten das Licht der Riviera für ihre einzigartigen Fotos, die heute wie Dokumente einer verschwundenen Zeit wirken und in vorliegendem Prachtband in großformatigen Bildern (27,5 x 34 cm) gezeigt werden.

Amüsement für Voyeure

Kolorierte Postkarten von Jean Gillette zeigen etwa die Altstadt von Menton im Jahre 1910 mit vielen Fischerbooten im Hafen oder die berühmte "Croisette" (eigentlich: La Promenade de la Croisette) von Cannes mit sonnenbeschirmten Spaziergängern. Prächtige Villen und kathedralenhafte Bahnhöfe sowie Piers werden ebenso fotografisch eingefangen wie Straßenszenen oder Badeausflüge. Lee Miller lichtet Picasso beim Sonnenbaden ab, Roland Penrose wird mit seinen Collagen verewigt. Eindrucksvoll sind die Picknicks Millers am Boden liegend oder die Schattenspiele Maars. Diese bringt sogar Picasso dazu, sich eine Minotaurusmaske aufzusetzen und als solcher in Badehose für ein Foto zu possieren. Wer es gerne glamourös hat, wird die Fotos Helmut Newtons lieben, die vor keinen Tabus haltmachen. "There's no better place in the world for a voyeur like me to be constantly amused", meinte er später in seiner Autobiographie über die Côte d’Azur. "Light on the Riviera" zeigt mehr als nur ein Lebensgefühl.


von Juergen Weber - 29. Mai 2022
Light on the Riviera
Geneviève Janvrin (Hrsg.)
Sophie Wright

Light on the Riviera


Photography of the Côte d'Azur
teNeues 2022
256 Seiten, gebunden
EAN 978-3961713950

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