Kultur

Elvis' beste Zeit

"Rock’n’Roll music, if you like it and if you feel it, you can’t help but move to it. That’s what happens to me. I can’t help it.", soll Elvis King Creole Presley einmal selbst über seine Bühnenshow gesagt haben. Der Musikjournalist Lester Bangs hat Elvis einmal live erlebt und beschreibt einen Auftritt des Jahres 1971 mit den ekstatischen Worten: "Außer ihm habe ich noch nie einen Sänger zu Gesicht bekommen, der mich sexuell stimulierte; es war keine richtige Erregung, eher eine Erektion des Herzens: wenn ich ihn ansah, trieben mich Sehnsucht und Neid, Ehrfurcht und Identifikationsdrang zur Raserei". Dabei waren die eigentlichen produktiven Jahre von Elvis da längst vorbei, denn 1955 oder 1956, das war wirklich seine Zeit, da bereicherte Elvis die amerikanische Unterhaltungskunst um "die nackte, krasse, vulgäre sexuelle Ekstase", wie Bangs meint. Seine Eleganz, sein Stil und seine Posen: oft reichte ein einfaches Schulterzucken und die (weiblichen) Fans rasteten komplett aus. Am 16. August 1977 war es dann endgültig vorbei: Elvis’ Tod jährt sich dieses Jahr zum 40. Mal.

"Hillbilly Cat and the Blue Moon Boys"

Als 1956 sein endgültiger Durchbruch mit "Heartbreak Hotel" kam, war es aber eigentlich auch schon wieder vorbei: die Filmindustrie stieg ein und machte aus dem Rohdiamanten Elvis ein geglättetes Industrieprodukt, das selbst keine eigenen Rechte an sich mehr hatte, wie auch Bangs schreibt. Die Armee (1958) tat dann ihr übriges. Aus dem "King Creole", der sich selbst aus eigenen Gnaden erfunden hatte - Elvis war Lastwagenfahrer und hatte dennoch die Choreographie für "jailhouse rock"-Film alleine entworfen und auch seine Auftritte maßgeblich bestimmt, wurde ein Faserschmeichler. Schon 1957 war der ehemalige "Hillbilly Cat" (seine ersten Konzerte wurden mit "Hillbilly Cat and the Blue Moon Boys" angekündigt) dollarmillionschwer, was auch sein Goldlamé-Tuxedo von Nudie Cohen unterstrich. Sein Domizil Graceland, das er ebenfalls schon 1957 erwarb, hatte 23 Zimmer, davon 5 Schlafzimmer, und einen außergewöhnlichen Baumbestand im dahinterliegenden Park. Monatliches Gehalt bis zum Armeedienst: 400'000 Dollar, monatlich (!).

"That’s all right, Mama"

Von seinem ersten Film "Love me Tender" wurden gleich 500 (statt wie normal 200) Kopien hergestellt und so spielte der Film innerhalb von nur drei Tagen die Produktionskosten wieder ein und bald war das Filmemachen zur Haupteinnahmequelle des Millionärs geworden: zwischen 1961 und 1968 trat Elvis nicht mehr auf. "That’s all right, Mama", seine erste Single, die ihn berühmt gemacht hatte, wurde von einer tragischen Ironie begleitet: 1958 - mit nur 46 Jahren - starb seine Mutter. Elvis war erst 23 Jahre alt. Aber auch sein eigener "Abgang" entbehrt nicht einer gewissen Ironie, denn Elvis starb im Badezimmer seiner Villa beim Lesen. Seine ehemalige Verlobte, Ginger Alden, berichtet in ihrer Autobiographie, dass der erst 42-Jährige aus dem Bett in seinem Anwesen in Memphis aufstand und sagte: "Ich gehe ins Bad, um zu lesen." Er tat dies oft, um seine Verlobte nicht beim Einschlafen zu stören. Biographische Daten und eine Singles-Discographie 1954-1960 sowie eine Filmographie 1956-1958 ergänzen die vorliegende Bildbiographie des King of Rock’n’Roll.

Wo waren Sie, als Elvis starb?
Lester Bangs

Wo waren Sie, als Elvis starb?


Photographien aus den besten Jahren des King of Rock’n’Roll
Schirmer/Mosel 2017
120 Seiten, broschiert
EAN 978-3829608275

Halbwahrheiten sind (keine) Lügen

Dr. Sigmund Freud aus Wien trifft im Londoner Exil auf den deutschen Lügenbaron Münchhausen, der unbedingt zum Kaiser will.

Lesen

Nickolas Murays fotografisches Werk

In Deutschland kaum bekannte Fotografien der Stars und Sternchen Amerikas aus den 1920er bis 1960er Jahren können in diesem außergewöhnlichen Fotoband über Nickolas Muray entdeckt werden.

Lesen

Der Erste Weltkrieg ganz nah

Die lebendigen Bilder geben einen viel unmittelbareren Eindruck vom Geschehen des Krieges, als es die üblichen Schwarz-Weiß-Aufnahmen vermögen.

Lesen

Gesamtschau über Carlo Scarpas Werk

Carlo Scarpas besondere Stärke lag in der Verbindung von alter und moderner Architektur, was in dem opulenten Band hervorragend ersichtlich wird.

Lesen

Von Herzen, die (zer-)springen

Daredevil gegen Kingpin. Gut gegen Böse. Man kann einem Mann alles nehmen und dennoch wird er wieder aufstehen - solange er Beine hat. "Auferstehung" hat das Genre Comics revolutioniert.

Lesen

Bilderbuch für alternative Bildungsbürger

Was passiert, wenn drei Soziologinnen, die in der Wissenschaft tätig sind und Sympathien für Alternativkultur hegen, einen Bildband über ökoalternative Szenen in deutschen Großstädten herausbringen?

Lesen
Das Komplott
Noch mal leben vor dem Tod
Blues People
Genuss im kulturellen Wandel
Angelo Soliman
Weltsichten
Eine kurze Geschichte des Mythos
Orientalische Promenaden
Woodstock
Interkulturelle Kommunikation
Die Welt des Baedeker
Das Heidelberger Schloss
by rezensionen.ch - 2001 bis 2018