Kunst

Plakatkunst, Pragmatismus und Pilze sammeln

Der erst vierundzwanzigjährige Autor und Verleger Robert Eberhardt ist zu Gast beim großen deutschen Plakatkünstler und Präsidenten der Akademie der Künste Klaus Staeck. In seinem Heidelberger Atelier entlockt ihm der junge Kunststudent neben persönlichen Details - seine Vorliebe fürs Pilze sammeln - auch die Beweggründe seines nimmermüden Schaffens. Auf knapp vierundsechzig Seiten ist ein Porträt eines Allrounders gelungen, der seit den 60er Jahren mit seiner politischen Kunst auf die Ungerechtigkeiten und auf die Zerbrechlichkeit der Demokratie hinweist. Mit seinen lauten Plakaten fordert er Verantwortung ein, bezieht Position und prangert einen um sich greifenden Opportunismus an. Dass er damit immer wieder aneckt, beweisen die 41 Prozesse, die bislang gegen ihn geführt wurden. Die Aussage J.F. Strauß’, Staeck produziere nichts als "politische Pornographie" stellt Eberhardt richtig und sagt dazu: große Konzeptkunst. Mehr als 350 sozialkritische Postkarten und Plakate sowie Aktionen wie "Aktion für mehr Demokratie" und Veröffentlichungen von Büchern prominenter Künstler sind nur einige Eckpfeiler aus dem Werk des juristisch ausgebildeten Aufrührers.

Auf die Frage nach seiner Religiosität antwortet der Künstler: "Nicht das Himmelreich ist mein Ziel, sondern Frieden auf Erden". Klaus Staeck glaubt weder an das Jenseits noch hat er sich einer Künstlerreligion verschrieben, er produziere lediglich politisch engagierte Bilder, die er unter den Begriff "Demokratiebedarf" stellt. Dennoch hegt er den festen Glauben, dass Kunst in der Gesellschaft etwas bewirken kann, vor allem wenn sie laut ist. Das stille, kontemplative Bestaunen im Museum ist seine Sache nicht. Klaus Staeck hat etwas zu sagen, erst recht mit dreiundsiebzig Jahren. Denn nach eigenen Angaben wird er zorniger, je älter er wird.

Auch in seinem Amt als Präsident der Berliner Akademie der Künste hat er sich auf die Fahne geschrieben, gesamtgesellschaftliche Akzente zu setzen statt einem ehrerbietigen Kunsttraditionalismus zu huldigen. Von hoher symbolischer Relevanz kann man in der Tat die Aufnahme des chinesischen Künstlers und Dissidenten Ai Weiweis in die Akademie bezeichnen.

Der Autor des kleinen Bändchens, Robert Eberhardt, nennt Klaus Staeck selbstgewiss. In dieser Hinsicht muss er dem Plakatkünstler allerdings in nichts nachstehen. In Schmalkalden, seinem Heimatort und Sitz seines 2008 gegründeten Wolff Verlages, machte er bereits als elfjähriger aus sich aufmerksam. Ein Zeitungsartikel würdigt den jungen Mann als jüngsten Forscher in der hiesigen Bibliothek. Auch er ist umtriebig wie der Akademiepräsident, gründet neben Verlag auch noch die "Gesellschaft Kulturerbe Thüringen e.V.". Dass er sich den Allrounder Klaus Staeck als Auftakt einer Reihe von Atelierbesuchen ausgesucht hat, verwundert in diesem Kontext nicht weiter. Die Reihe der Atelierbesuche wird fortgesetzt und jeder Ausgabe wird ein kleiner Leckerbissen des jeweiligen Gastgebers oder Gastgeberin beigefügt. Aus dem Heidelberger Atelier ist das beispielsweise eine noch unveröffentlichte Collage neueren Datums. An dieser Stelle darf der langjährige Freund Klaus Staecks zitiert werden, Joseph Beuys: "das Leben ist ein Kunstwerk und das Kunstwerk Leben."

Atelierbesuch bei Klaus Staeck
Robert Eberhardt

Atelierbesuch bei Klaus Staeck


Wolff 2011
48 Seiten, broschiert
EAN 978-3941461086

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