Literatur

Das Überleben Jesu

Streng gläubige Katholiken werden mit diesem Roman der Journalistin und Autorin Gabriele Redden möglicherweise ihre Probleme haben, die Lektüre nicht unbedingt genießen. Denn der flüssig und stimmig verfasste Roman bricht mit dem größten Dogma der katholischen Kirche: Jesu Christi Wiederauferstehung aus dem Grab nach der Kreuzigung. Die Autorin geht in ihrer Geschichte der These nach, dass er nicht den Tod am Kreuz fand, sondern die Tortur überlebte.

Die Beschäftigung mit diesem Thema ist nicht neu. So berichten Sachbücher von Indizien für das Überleben Jesu. Er soll nach der Kreuzigung mehrere Jahre als Wanderprediger in Indien/Kaschmir gewirkt haben. Belegt werden konnten diese Hinweise bislang zwar nicht, doch auch nicht das Gegenteil, sind doch alle biblischen Berichte erst Jahrzehnte später entstanden, somit ohne Augenzeugen.

Redden verhandelt das Thema in einem Roman, was der Autorin naturgemäß mehr Freiheit lässt: Der Grabungsleiter eines archäologischen Teams entdeckt drei Schriftrollen. Er schätzt das Alter der Rollen auf das Jahr 30 nach Christus, was eine spätere Altersbestimmung bestätigt. Es könnte sich also um Schriften von Augenzeugen oder Zeitgenossen handeln. Um aber Gewissheit zum Inhalt zu gewinnen, überredet er seinen Studienfreund Michael Torres ihm zu Hilfe zu kommen. Torres gilt als der Experte für Aramäisch und soll die Papyri übersetzen. Natürlich wissen die beiden, dass nur Stillschweigen sie ans Ziel einer wissenschaftlichen Publikation bringen wird.

Doch es kommt, wie es kommen muss: Eine ultra-konservative Bruderschaft aus den Reihen der Kirche erfährt von dem Fund. Da sie alles daran setzt, die Macht im Vatikan an sich zu reißen, denn in ihren Augen ist die Kirche zu liberal und weltoffen, müssen auch die Rollen — koste es, was es wolle — in ihren Besitz gelangen. Umso mehr, da die Bruderschaft auch in Kaschmir alten Schriften hinterherjagt, deren Inhalt bei Bekanntwerden die kirchliche Geschichtsschreibung ebenso bedrohen würde.

Geschichten, die den Vatikan und dessen internes Machtgefüge bzw. das Machtstreben von Gruppierungen innerhalb des Kirchenstaats mit in die Handlung einbeziehen, sind Selbstläufer auf dem Buchmarkt. Eine Geschichte, die sich mit dem Gedanken des "Was wäre, wenn die Überlieferung nicht stimmt?" auseinandersetzt, kann dieses Interesse des Lesepublikums nur unterstützen. Die Wissenschaftler, die die Rollen übersetzen, stellen sich immer wieder die Frage, was eigentlich passiert, wenn die Kirchengeschichte nicht nur neu geschrieben werden müsste, sondern der Glaube, den diese Kirche vertritt, von gänzlich falschen Voraussetzungen ausgeht und damit — in der vorliegenden Form — obsolet wäre.

Reddens Geschichte ist kein großer Roman, jedoch geeignet ein trübes Wochenende zu verschönern. Die Charaktere sind in weiten Strecken glaubwürdig, über Rückblicke in ihre Vergangenheit erklärt die Autorin, wie sie zu dem geworden sind, was sie sind. Man kann sich vorstellen, dass die Kirche und insbesondere die konservativen Kreise die Schriftrollen als Gefahr für die katholische Kirche sehen.

Eine Einschränkung hinsichtlich der Erzählung bleibt jedoch: Es scheint, als wären die letzten Seiten unter Zeitdruck geschrieben, als hätte jemand anderes den Rest verfasst. Da gibt es einige Szenen, die an Herz-Schmerz-Literatur erinnern, die vom Niveau nicht zum vorhergehenden Text passen, so die Szene als Robert und Bischof Torrentière aufeinandertreffen. Das Ende hätte sicherlich besser sein können, es ist ein wenig zu eindimensional und damit erwartbar.
Doch bis dahin ist ein Lesevergnügen nicht zu leugnen, kann der Unterhaltungsroman durchaus anregen, über die Geschichte des Wanderpredigers nachzudenken.

Das achte Sakrament
Gabriele Redden

Das achte Sakrament


LangenMüller 2016
400 Seiten, broschiert
EAN 978-3784433882

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