Egon Görgens, Karlheinz Ruckriegel, Franz Seitz - Europäische Geldpolitik

Europäische Geldpolitik
Theorie - Empirie - Praxis
Egon Görgens, Karlheinz Ruckriegel, Franz Seitz
UTB, 2008
559 Seiten, gebunden
ISBN 978-3825282851

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Die Geldpolitik der EZB

Der Zusammenschluss von elf Mitgliedsstaaten der EU zur Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion am 1. Januar 1999 war ein singuläres Ereignis. Niemals zuvor haben souveräne Staaten ihre geldpolitische Kompetenz auf eine supranationale Institution übertragen. Zwischenzeitlich sind der Euro und die EZB fest etabliert; die gemeinsame Währung wird seither zentralisiert vom so genannten Eurosystem durchgeführt und gilt ab 2009 für ca. 325 Millionen Menschen in 16 Mitgliedsstaaten der EU. Pünktlich im zehnten Jahr des Bestehens der EZB erscheint das Buch "Europäische Geldpolitik" in der 5., völlig neu bearbeiteten Auflage.

Die vorliegende Publikation hat vielfältige Aktualisierungen aufgenommen, um die Datenlage möglichst zeitnah abzubilden. Des Weiteren führten neue Entwicklungen der theoretischen und empirischen Diskussion zu wesentlichen Ergänzungen. Zwar wird die grundsätzliche Struktur des Lehrbuchs beibehalten, jedoch aktuellen Ereignissen (z. B. Reaktionen des Eurosystems auf die bisherigen Folgen der Subprime-Krise auf dem Interbanken-Geldmarkt) und neuen Erkenntnissen (z. B. zur Wahl der Geldstrategie) angepasst. Kapitel I gibt einen Überblick über die historische Entwicklung, ausgehend vom Werner-Plan bis hin zur politischen Praxis der Konvergenzprüfung und den mit der EWU-Erweiterung verbundenen Herausforderungen, einschließlich der mit dem Balassa-Samuelson-Effekt verbundenen Problematik der Euro-Einführung mit Blick auf die mittel- und osteuropäischen Länder. Kapitel II widmet sich in der neuen Auflage nun ausführlicher den institutionellen Rahmenbedingungen, innerhalb welcher die Geldpolitik operiert. In diesem Kontext gehen die Autoren auch näher auf die für die Frage der Erwartungsbildung entscheidenden institutionellen Merkmale vor allem im Vergleich zum US-amerikanischen Federal Reserve System ein. Den Schwerpunkt des Lehrbuchs bildet das Kapitel III mit der operativen Umsetzung der Geldpolitik des Eurosystems. Vor dem Hintergrund des so genannten "Vier-Ebenen-Konzepts" werden die Instrumenten- und operative Ebene sowie die Indikatoren- und Endzielebene analysiert und diskutiert. Kapitel IV befasst sich mit der Transmission geldpolitischer Impulse, geht also der Frage nach, wie sich geldpolitische Impulse auf die Wirtschaft auswirken. Ob die 2003 vorgenommene Akzentverschiebung bei der geldpolitischen Strategie zu Lasten der Monetären Säule einen Beitrag zur vermehrten Glaubwürdigkeit der europäischen Geldpolitik leisten kann, erscheint in diesem Zusammenhang den Verfassern zweifelhaft. Da der geldpolitische Erfolg nicht zuletzt auch von einer gelungenen Abstimmung mit anderen Politikbereichen - insbesondere von den in nationalen Händen verbleibenden Fiskal- und Lohnpolitiken - abhängig ist, widmet sich das abschließende Kapitel V folgerichtig möglichen Störpotenzialen für die Geldpolitik.

Vor ihrer wissenschaftlichen Karriere waren die Autoren aktiv an der Geldpolitik der Deutschen Bundesbank beteiligt, was nicht zuletzt auch die hohe Praxisorientierung dieser Publikation ermöglicht. Des Weiteren ist es den drei Hochschullehrern bestens gelungen, die souveräne fachliche Darstellung der doch recht komplexen Materie mit einer hervorragenden didaktisch-methodische Aufbereitung (viele eingestreute Info-Boxen, Kapitelzusammenfassungen, Kontrollfragen, ausführliches Glossar und v.a.m) zu verbinden.

Fazit: allen an der europäischen Geldpolitik Interessierten kann dieses zwischenzeitlich zu Recht zum Klassiker avancierte Lehrbuch, das sich durch eine enge Verknüpfung von Theorie, Empirie und Praxis auszeichnet, bestens empfohlen werden.


von Bernd W. Müller-Hedrich


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