Pawel Filatjew: ZOV – Der verbotene Bericht

Russlands Krieg

Am 24. Februar 2022 marschierte Russland in die Ukraine ein. Der blutrünstige Krieg gegen die Zivilbevölkerung dauert bis heute an. Der Soldat Pawel Filatjew gehörte als Fallschirmjäger zu dem 56. Luftsturmregiment Russlands. Er gehört heute zu den Abtrünnigen und damit zu den Verfolgten. In dem Buch berichtet er über das Grauen dieses Krieges.

Filatjew erinnert an die Legenden, die zu Beginn des Krieges aufgebracht wurden – etwa dass der Angriff der russischen Armee erfolgte, um die "Volksrepubliken Donezk und Lugansk zu retten", die faktisch wie rechtlich Teil der Ukraine waren, bis es dort einen Aufruhr gab und diese für die Unabhängigkeit votierten. Filatjew fragt: "Aber was, wenn Karelien Teil von Finnland werden wollte oder die Oblast Smolensk Teil von Litauen, die Oblast Rostow Teil der Ukraine, Jakutien Teil der USA oder Charabowsk Teil von China? Ist das etwa nicht das Gleiche?" Diese Fragen sind rhetorisch, die Antworten darauf wären eindeutig. Russlands Krieg gegen die Ukraine begann, verwoben mit der diffusen Rede vom Faschismus in der Ukraine. Filatjew schreibt weiter: "Wenn wir wirklich versuchen, den Menschen aus Donezk und Lugansk zu helfen, warum beschränken wir uns nicht darauf, allen, die es wollen, russische Pässe auszustellen? Russland ist groß genug, wir haben so viel Land, auf das noch nie ein Mensch seinen Fuß gesetzt hat, sollten sie doch zu uns kommen und hier leben und arbeiten. Wozu brauchen wir das Gebiet eines anderen Staates? Reicht uns unseres etwa nicht? Wären alle, die in Russland leben wollen, nicht längst zu uns gekommen?"

Russland Krieg heißt "Spezialoperation". Es sei verboten, diesen Angriffskrieg Krieg zu nennen. Doch der Krieg sei ein Krieg, in dem Soldaten und Zivilisten sterben. Er wolle die Wahrheit sagen und über die Wahrheit schreiben. Er könne nicht anders, auch wenn das schwierig sei und große Probleme mit sich bringe: "Also, es ist Krieg: Unsere russische Armee schießt auf die ukrainische, und die schießt zurück, es explodieren Granaten und Raketen."

Filatjew schreibt für jene, die den Krieg nur aus Erzählungen kennen, aus filmischen Darstellungen oder heldischen Verklärungen, vielleicht aus antiken Epen oder Romanen.

Filatjew schreibt für jene, die den Krieg nur aus Erzählungen kennen, aus filmischen Darstellungen oder heldischen Verklärungen, vielleicht aus antiken Epen oder Romanen: "Hast du je das Geräusch einer näher kommenden Granate gehört? Wenn nicht: schade! Es ist ein unvergessliches Gefühl, die Luft vibriert und pfeift, die Eingeweide drehen sich um, der Atem stockt. Dann hörst du, wenn du Glück hast, die Explosion und begreifst, heute ist dein Tag, natürlich nur, wenn die Detonationswelle dir nichts abgerissen hat und keine Splitter in deinem Körper stecken."

Beispielhaft berichtet Filatjew von der Berichterstattung über den Krieg. Es gebe "kein Spur von Objektivität". Lange Zeit etwa melden die russischen Nachrichten, dass der Kreuzer "Moskwa", das Flaggschiff der Schwarzmeerflotte, nur leicht beschädigt sei. Ein Feuer sei ausgebrochen, aber erfolgreich gelöscht. Das Schiff sei irgendwohin geschleppt worden, doch der "Stolz der Schwarzmeerflotte" sei nicht in Gefahr. Doch das wichtigste russische Kriegsschiff wurde vierzig Kilometer vor Odessa von drei Raketen getroffen, zwei schlugen in den Rumpf ein: "Das Schiff fing Feuer, die Besatzung wurde evakuiert, aber nicht vollständig … Noch eine ganze Woche lang wurde die Wahrheit über den Verlust geheim gehalten, mittlerweile weiß jeder, dass er gesunken ist. Eine Schande und eine Tragödie, ich glaube kaum, dass Peter der Große oder Fjodor Uschakow auf unsere Flotte stolz wären." In den russischen Nachrichten wird dies lange verheimlicht. Nicht im Krieg, der nicht Krieg genannt werden darf, sondern inmitten der russischen "Spezialoperation" ist das Flaggschiff der Schwarzmeerflotte also versenkt worden.

"Der Großteil der Menschen in Russland tut so, als wäre nichts, und will sich die Laune nicht verderben lassen."

Die Armee, so Filatjew, mache "ihre eigenen Soldaten fertig" – und so viele wollten nicht zurück in den Krieg, "um für nichts und wieder nichts zu sterben". Innenansichten aus der russischen Armee werden berichtet. Russland habe "kein moralisches Recht", die Ukraine anzugreifen: "Der Großteil der Menschen in Russland tut so, als wäre nichts, und will sich die Laune nicht verderben lassen. Während die Ukraine zusammensteht wie die Sowjetunion 1941. … Was uns trennt, sind Staatsgrenzen und die unterschiedlichen Ansichten unserer Regierungen. Bevor das alles anfing, kannte ich kaum Menschen, die die Ukrainer für Nazis gehalten und sie als unsere Feinde angesehen haben. Viele Bürger Russlands tun das heute auch nicht." Die Ukraine ist am 24. Februar 2022 von Russlands Armee angegriffen worden. Filatjew fragt: "Wie konnte man glauben, dass die Ukrainer sich nicht gegen solch einen Angreifer vereinen würden?"

Wohin aber wird der Krieg in der Ukraine noch führen? Diese Fragen stellen sich besorgte Menschen auf der ganzen Welt. Es gebe – und auch das verschweigt Filatjew nicht – "Propaganda" auf beiden Seiten, die "Öl ins Feuer" gieße und dazu aufrufe, "einander zu töten": "Jetzt ist die Zeit, in der wir die Wahrheit sagen müssen. Und die Wahrheit ist, dass die Mehrheit in Russland und in der Ukraine einander nicht umbringen möchte. Aber so lange diese Mehrheit schweigt, werden immer mehr Unschuldige in diesen Krieg hineingezogen. Mit jedem weiteren Tag, den dieser Wahnsinn andauert, gibt es mehr Tote auf beiden Seiten – und mehr Hass wegen der Gefallenen." Pawel Filatjew will – wie viele Menschen in Russland und in der Ukraine – nichts mehr als Frieden. Sein Buch berichtet davon. Kann er in Russland davon heute erzählen? Der Autor, der heute an einem unbekannten Ort in Frankreich lebt, verneint dies und schreibt: "Denn hier ist es mittlerweile verboten, die Wahrheit zu sagen und für seine Recht einzustehen. Hier darf man nur in den Krieg ziehen, um für noch immer nicht klar definierte Ziele zu sterben, oder alles zu erdulden in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft, die in immer weitere Ferne rückt. NEIN ZUM KRIEG!" Wie wünschenswert wäre es doch, wenn Pawel Filatjews Buch in allen Ländern dieser Welt gedruckt und gelesen werden könnte.

ZOV – Der verbotene Bericht
Maria Rajer (Übersetzung)
ZOV – Der verbotene Bericht
Ein russischer Fallschirmjäger packt aus
192 Seiten, gebunden
Originalsprache: Russisch
EAN 978-3455016147

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