Bevor sie sterben, bevor ich sterbe
Youssef Nabil wurde 1972 in Kairo geboren, wo er schon als Kind die Filmschauspieler des ägyptischen Films lieben lernte. "It was a shocking discovery for me. I was in love with all these beautiful dead people! And this somehow influenced me, and I wanted to meet all the actors I love, before they die or before I die." Wenn dem bekenndenden Fatalisten Nabil es auch nicht mehr gelingen konnte, die Schauspieler alter ägyptischer TV-Serien zu porträtieren, so gelang es ihm doch, dies mit all den Leuten zu tun, die er kennt und auch bewundert.
Die vorliegende Präsentation seiner Fotografien deckt den Zeitraum der letzten 15 Jahre seines produktiven Schaffens ab. Einige der Abgebildeten sind auch persönliche Freunde, oft auch Selbstporträts, die mit einer ihm eigenen Technik überarbeitet wurden. So wie in den kolorierten "Cairowood"-Filmen der Nachkriegszeit, koloriert auch Youssef Nabil seine Fotos nach und schafft so eine ganz eigene Atmosphäre und Intimität des Betrachtens. Die Vergangenheit der ägyptischen Stummfilmära wird in die Gegenwart transferiert und die Ästhetik des ägyptischen Hollywoods wird so wieder lebendig. In den Bildern sprechen aber lebendige Menschen zu uns, die ihr Leben noch vor sich haben, auch wenn sie uns teilweise tatsächlich wie aus vergangenen Epochen ansehen. Die sogenannten "cinematic fotografies" könnten so auch als eigener Stil Nabils bezeichnet werden, sie haben sowohl den "stardom" als auch den "glamour" des Kinos und verwenden die alten, damals noch gemalten Kinoplakate als Inspirationsquelle. Kein Geringerer als David LaChapalle entdeckte den damals noch jüngeren Fotografen in den Jahren 93 und 94 in den Straßen Kairos und auch Mario Testino (1997 und 98) halfen dem Newcomer bei seinem phänomenalen Start ins Fotobusiness.
"We are here to leave and not to stay", sagt der Youssef Nabil in gewisser Blauäugigkeit in dem im Fotoband abgedruckten Interview, wer dabei aber seine Fotos betrachtet, wird vielleicht einen ganz anderen Eindruck bekommen. Wenn man einmal von den Selbstporträts absieht, wird man bald einen gewissen erotischen Charakter der Fotos von Nabil feststellen können und unweigerlich das Tabu berühren, das es in islamischen Gesellschaften diesbezüglich immer noch gibt. Selbst das Porträt "seiner" Frida Kahlo hat einen sehr sexuellen Touch, obwohl es nur das Gesicht seiner schwarzen Version der mexikanischen Künstlerin zeigt. "When photographing people I always think of how to make this moment eternal, before they die or before I die." 15 Sekunden des Ruhms: seine Modelle bekommen ihn alle. Sogar handkolloriert.
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