Kultur

Alterlos Schön

Sie drehte mit den großen Filmstars des 20. Jahrhunderts. Gary Grant, Frank Sinatra, Clark Gable, John Wayne, Marlon Brando, Gregory Peck, Anthony Quinn und Richard Burton sind nur die Schillerndsten darunter. Sie drehte Filme mit Charlie Chaplin, Vittorio de Sica und Robert Altman. Im Laufe ihrer Bilderbuchkarriere ließ sie keinen der großen Filmpreise aus. Oscar, Golden Globe, den Goldenen Löwen, die Coppa Volpi, den Goldenen Bären und viele Preise mehr schmücken ihr Trophäenregal. Und auch auf dem Walk of Fame in Hollywood ist sie verewigt. Sofia Villani Scicolone, besser bekannt als Sophia Loren, ist die erfolgreichste italienische Schauspielerin aller Zeiten.

Aus ärmlichen Arbeiterverhältnissen stammend hatte sie es geschafft, zur Grande Dame des italienischen Kinos zu werden. Geboren wurde sie 1934 in Rom, wuchs aber in der italienischen Kleinstadt Pozzuoli auf, ohne Vater, allein mit ihrer Schwester Maria und der Mutter. Diese, selbst nur wenig als Schauspielerin erfolgreich, versuchte, den eigenen Wunschtraum nach Ruhm und Anerkennung in Sophia weiterleben zu lassen. Schon in jungen Jahren trat Sophia Loren als Filmkomparsin auf und nahm an Modeschauen teil. Auf dem Schönheitswettbewerb zur Miss Rom reüssiert sie zwar nicht wie erwartet (sie wurde "nur" Zweite), lernt aber ihren späteren Mann und Förderer, den italienischen Produzenten Carlo Ponti, kennen. Er brachte sie endgültig zum Film und verschaffte ihr die ersten Filmrollen. Damit trug er wesentlich zu ihren späteren Erfolgen bei.

Die feierte sie mit Filmen wie "Die Schwarze Orchidee", "Hochzeit auf Italienisch" und "Prêt-à-Porter". In zahlreichen ihrer mehr als 100 Filmproduktionen bestach sie durch eine Verbindung aus tadelloser Schönheit und ansteckendem Humor. Ihr Durchbruch gelang ihr aber als Charakterschauspielerin in "Und dennoch lebten sie". In diesem gefeierten Film spielte die Loren im jungen Alter von 25 Jahren souverän eine Mutter, die inmitten kriegerischer Gewalt wie eine Löwin um ihre dreizehnjährige Tochter kämpft. Für diese Leistung wird sie als erste Schauspielerin in einem nicht-englischsprachigen Film als beste Schauspielerin für den Oscar nominiert. Sie erhält ihn 1962, mit gerade einmal 28 Jahren.

Ihre betörende Schönheit war nicht nur ihre größte Gabe, sondern zugleich auch die größte zu überwindende Hürde. Immer wieder musste sie jede Jury von ihrer Attraktivität wegführen und neu von ihrem schauspielerischen Können überzeugen. "Schönheit kann nie schaden, aber Schönheit allein reicht nicht aus. Man muss vor Witz sprühen, und man muss seinen Verstand gebrauchen, wenn man einen hat.", pflegte es Loren selbst zu formulieren. Und genau dies tat sie, mit unglaublicher Leichtigkeit und beschwingter Freude.

Das Fotobuch "Sophia Loren" aus der Hollywood-Sammlung des Hauses Schwarzkopf nähert sich der Italienerin von ihrer Filmografie her. Der Betrachter kann anhand der knapp 150 vorwiegend an den verschiedenen Sets entstandenen Fotografien nachvollziehen, wie aus dem frühreifen Pin-Up-Girl und Mannequin nicht nur eine Filmdiva, sondern eine Divina, eine Göttin geworden ist. Die Bilder sind von kurzen Texten begleitet, die Filminhalt und Rezeption wiedergeben sollen, allerdings meist zu kurz ausfallen. Ihr Gehalt ist dementsprechend gering. Der Einführungstext des Bandes führt die bekannten Fakten, angefangen bei Lorens Kindheit bis zu den ersten Schritten auf den Bühnen dieser Welt, zusammen, tendiert aber leider zur Salopperie. Statt das künstlerische Schaffen und Wirken der Loren in den Vordergrund einer an die Filmografie angelehnten Bilderreise durch ihr Leben zu stellen, konzentriert er sich auf Klatsch und Tratsch.

Der Bildband "Sophia Loren. Bilder eines Lebens" findet einen anderen Umgang mit dem turbulenten und aufregenden Leben der Italienerin und präsentiert die Loren mit bisher unveröffentlichten Bildern. Sie zeigen Sophia Loren in all ihrem Stolz und ihrer Sinnlichkeit, ihrer Verspieltheit und Melancholie. Dabei präsentieren die Fotografien vor allem auch die private Sophia Loren, in familiärer Atmosphäre mit ihrer Mutter Romilda und ihrer Schwester Anna Maria oder in vertrauter Zweisamkeit mit ihrem Ehemann Carlo Ponti. Er zeigt Sophia Loren aber auch als Matadorin und Tango-Tänzerin, bei Dreharbeiten oder als gefeierten Star bei gesellschaftlichen Anlässen. Vor allem zeigt der Band die Loren als begehrenswerte Frau voller Würde. Dabei umgibt die Loren stets etwas Schleierhaftes, Rätselhaftes, Geheimnisvolles. Zu keinem Zeitpunkt wird ihr Geheimnis wirklich greifbar, vielleicht auch, weil es nicht einfach greifbar ist. Es liegt wohl in der Mischung aus ihrem durchdringenden Blick, den sinnlichen Lippen, der sprühenden Weiblichkeit und ihrem ansteckenden Frohmut. Und vor allem in der Fantasie, die Sophia Loren anzuregen verstand, sei es als Schauspielerin oder als Frau.

Am 20. September ist Sophia Loren 75 Jahre alt geworden.

Sophia Loren
Yann-Brice Dherbier (Hrsg.)
Hilary Gayner (Hrsg.)

Sophia Loren


Bilder eines Lebens / Hollywood Collection - Eine Hommage in Fotografien
2009
192 / 250 Seiten, gebunden
Henschel / Schwarzkopf & Schwarzkopf

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