"Und trotz Eurer Technologie habt ihr verloren, denn ihr habt Eure Sinne verloren"
Die South Bronx New Yorks Ende der Siebziger-/Anfang der Achtzigerjahre: ausgebrannte Ruinen, eine verfallene Kirche, einstürzende Wohnsilos. Das Setting des Öko-Thrillers und gleichzeitig Krimis hätte wohl nicht besser gewählt werden können. In den Kratern dieser Wohnlandschaft, die aussieht wie Europa nach dem Zweiten Weltkrieg, leben nur noch ein paar Obdachlose und ... Wölfe!
Spektakulärer Öko-Thriller mit Message
Am Anfang des Films stehen drei bestialische Morde an einem Immobilienmakler, seiner Frau und dem Leibwächter. Dewey Wilson (Albert Finney) soll als Detective des NYPD die Morde schnell aufklären, denn es könnte zu politischen Verwicklungen kommen. Der tote Immobilienhai Christopher van der Veer hatte neben der South Bronx in New York auch zahlreiche andere Immobilien in New York und der Welt an Land gezogen. „Internationaler Terrorismus?“ Es ist in diesem intelligenten, von den Sixties beeinflussten Horror-Crime-Streifen nicht ganz klar, ob sich diese Bemerkung auf seine Mörder oder auf den Immobilienmogul selbst bezieht. „La più grande sciagura sono gli architetti“, wusste schon Adriano Celentano: die größten Verbrecher sind die Immobilienmakler (oder Architekten). Die Weathermen Underground, Tupamaros-Stadtguerilla kommen ebenso zu Ehren wie die Unomundo, die ihren Opfern die Penisse und Hoden in den Mund stecken, erzählt die eigens für diesen Fall hinzugezogene Terrorismusexpertin Rebecca Neff (Diane Venora) dem ständig kauenden Detective Dewey, denn er ist die ganze Zeit am Essen, bis ihm schließlich der Appetit vergeht. Dewey deliriert über den Zusammenhang zwischen Terra, Territorium und Terrorismus und sucht sowohl in der stylischen Wohnung der Van der Veers nach Hinweisen als auch on top der Manhattan Bridge, der Stahlbrücke New Yorks mit einer Höhe von 140 Metern – so hoch wie die Cheopspyramide. Dort interviewt er Eddie Holt (Edward James Olmos), der ihn über Gestaltwandlung (Shapeshifting) aufklärt. Aber was genau will er ihm damit sagen?
The Wolves of Wall Street
„Wolfen“ ist mehr als nur ein einfacher Horrorfilm. Als wohl erster ökologischer Thriller, der auf die Gefahren der Zerstörung unserer Umwelt – also Fauna und Flora – aufmerksam macht, hat er aber auch vom Filmtechnischen her sehr viel zu bieten. Die Low-Mode-Kamerafahrten (wie bei „Shining“) und die subjektive Kameraführung mit visuellen Verfremdungen lassen den Zuschauer in die Perspektive der Wölfe eintauchen und eröffnen ganz neue Einblicke. Aber auch die Soundkulisse – etwa die Röhrenglocken, die sowohl bei den Morden als auch in der Wohnung eine Rolle spielen – ist einzigartig. PIL sollen dafür verantwortlich zeichnen, und auch Tom Waits hat einen kurzen Cameo-Auftritt als Bartender. Das verwendete Wolfsgeheul stammt übrigens von einer Schallplatte („The Language and Music of the Wolf“), die der unlängst verstorbene Robert Redford moderierte. Dass für den Film die Wölfe extra trainiert werden mussten, erzählt die in den Extras angeführte Wolfen-Dokumentation. Zwölf Wölfe und vier Tiertrainer wurden eigens aus L.A. eingeflogen und vor der Wall Street ausgelassen, um einige Shots zu drehen. Aber auch ein Wolfsmodell (animatronisches Tier) wurde in zeitraubender, akribischer Detailarbeit erstellt und letztendlich nur für einen Shot verwendet, als es in einen Spiegel schaut, erzählen die Macher. Weitere Leckerbissen sind Saccaden (Reißschwenks), spektakuläre Blicke auf die Manhattan Bridge und den Fluss oder Perspektivenwechsel vom Straßengitter nach oben gefilmt. Dass im Leichenschauhaus, in der Forensik, echte Leichen liegen, gehört zu einem weiteren makabren Detail der Drehaufnahmen.
Fantastische Filmaufnahmen mit Botschaft
Regisseur Michael Wadleigh („Woodstock“) lässt uns in Wolfen die Perspektive des Raubtiers einnehmen und spüren. So erlebt man New York aus einer völlig neuen Perspektive und erlernt, seine Sinne neu zu nutzen. Ein sehenswerter Film, der nicht nur ideologisch, sondern auch filmisch eine Wiederentdeckung verdient hat und nichts von seiner Aktualität eingebüßt hat. Als Regisseur einer von Woodstock beeinflussten Generation hat er aber auch eine gute Message eingebaut. Denn im Gegensatz zur First-Nation-Exploitation des Western hat der Regisseur mit echten Mohawks zusammengearbeitet, die tatsächlich die Wolkenkratzer und Brücken New Yorks erbauten. Auch wenn Eddie von einem Mexikaner dargestellt wird, hat Wadleigh mit Wolfen dennoch die eigentliche Botschaft der First Nations transzendiert: „Und trotz eurer Technologie habt ihr verloren, denn ihr habt eure Sinne verloren.“
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