Wiedersehen in Berlin
Schon nach dem ersten Satz, der sich über ca. drei Seiten zieht, weiß der Leser, worum es in "Wiener Straße" gehen wird: dieses Mal nicht um Frank Lehmann oder seinen kleinen Bruder, sondern um Erwin Kächele, den Erfolgsgastronomen aus Kreuzberg, und P.Immels "Wiener Partie", denn es tummeln sich ganz schön viele Österreicher in diesem Roman von "Element of Crime"-Sänger Sven Regener, der sich wieder einmal nach Berlin in den Achtzigern zurücksehnt und zwischendurch auch gerne mal "bärlinert". "Das Marko’sche Berlinern kam in Wellen (...) die ersten paar Wörter waren in Hochdeutsch, dann ging das Berlinern los, es war ein Berliner-crescendo gewissermaßen".
Jibt jet ja jene mehr
Neben Franks Bruder lernen wir noch eine weitere Verwandte aus der "Berliner Familie" des Café Einfalls kennen. Chrissie, Erwins Nichte, will einen Job von ihm und natürlich kann er dem 18-jährigen Nachwuchs keine Bitte abschlagen, obwohl er sich standhaft dagegen wehrt, dann aber doch klein beigibt. Die Macht der Gene eben. Oder sieht sie vielleicht gut genug aus, um seinen Umsatz zu erhöhen? Mit ihren verbrannten Kuchen reüssiert sie bald bei Karls Baum-Skulptur-Vernissage und ist auch sonst nicht auf den Mund gefallen: "Verbrannter Kuchen" schreibt sie auf ihr "Kunstwerk". Die Grenze zwischen Pose und Absicht ist oft schemenhaft oder eben "unscharf", wie Regener schreibt, und wer Höhenangst hat, will sich eigentlich hinunterstürzen, da der Todestrieb so stark wird, dass es nicht mehr anders geht. Auch viele Einsichten über Kunst lernt man, aber eines ist ja wohl klar: Sinn ist ja wohl das Allerletzte, worum es dabei geht, erklärt H.R. Ledigt der jungen Chrissie, die sich im Berliner Biotop noch nicht so gut auskennt.
In fünf Kapiteln voller Sprachwitz und vieler Referenzen an seine anderen Romane erzählt Sven Regener vom Leben im Ausnahmezustand, denn das Berlin in den Achtzigern war ein Biotop der Künstler, Aussteiger und Hausbesetzer. Aber auch dort gab es Hausbesitzer und Kontrollbereichsbeamte, die einem die Party versauen konnten, es sei denn man macht sie zu Komplizen. Ein Roman wie ein Familienausflug, denn es sind alle wieder dabei, Karl Schmidt und H.R. Ledigt, Erwin Kächele und Frank Lehmann sowie P.Immel und seine ArschArt-Galerie, Künstler, Hausbesetzer, Freaks, Punks und Alles-frisch-Berliner.
Eine intellektuelle Ruine, von einem Luderleben zerstört
Thomas Mann betrachtete den Zauberberg als sein Hauptwerk. Den Nobelpreis brachte es ihm nicht ein, nur den Groll eines Nobelpreisträgers.
Der ZauberbergJeder Bleistift eine Waffe
Literaturentdeckung aus dem Nachlass: die Schriftstellerin Maria Lazar wird wiederentdeckt und beeindruckt auch heute noch.
Viermal ICHIm Bann der Tiefe
Der wohl berühmteste Unterwasserroman in einer bibliophilen Ausgabe mit vielen Extras.
20.000 Meilen unter den MeerenEine Amerikanerin in Guyenne
Ein Krimi mit viel französischer Philosophie von einer Amerikanerin geschrieben: so geht postmoderner Noir.
See der SchöpfungSpätes Glück für Tom Ripley
Im letzten Roman von Patricia Highsmiths berühmter Reihe findet der Titelheld zuerst zu einer Art Läuterung und dann zu einem späten Glück.
Ripley Under Water