Wann stirbst du endlich?
"He did not live to know who the winner was", ein Zitat von Flann O’Brien wird an den Beginn dieses unterhaltsamen russischen Kammerspiels mit fünf Personen gestellt. Der Originaltitel "Папа, сдохни!" (Auf Deutsch: Papa, verrecke!) kommt der Handlung des Films noch näher als der für die internationale Vermarktung gewählte. Matvey (Aleksandr Kuznetsov) soll für seine Freundin Olya (Evgeniya Kregzhde) ihren Vater umbringen, da er sie angeblich missbraucht. Doch aus der gutgemeinten Absicht wird bald eine Wohnzimmerschlacht mit unbekanntem Ausgang. Ein blutiges Kammerspiel voller Splatter- und Goreelemente mit einer himmelschreienden Choregraphie wie man sie auch von Sergio Leone, Martin McDonagh, Park Chan-wook, Martin Scorsese, and, of course, Quentin Tarantino, den Lieblingsregisseuren von Kirill Sokolov, kennt.
Splatter-Gore-Wohnzimmer-Familienabend
Das Debüt des erst 30-jährigen Regisseurs hat es tatsächlich in sich. Mit einem Hammer hinter dem Rücken versteckt klopft der junge Matvey bei Olyas Vater Andrey (Vitaliy Khaev) an. Man denkt sofort an Paul Watzlawicks Hammergeschichte in "Anleitung zum Unglücklichsein", aber Sokolov geht noch ein paar Schritte weiter. Der auf ein klassisches Western-Duell ausgerichtete Plot arbeitet mit sämtlichen Mitteln. Da kommen sowohl Schusswaffen als auch Bohrmaschinen und Messer zum Einsatz. Die dynamische Kamera hält die einzelnen Episoden in immer wieder neuen und überraschenden Einstellungen fest und zeigt dabei ein frohes Farbenspiel, das an das Psychodelia vergangener Epochen erinnert. Neue Perspektiven, zahlreiche Schnitte und Positionswechsel bringen viel Bewegung in das an und für sich starre Kammerspiel in einer russischen Kommunalka. Weitere Parts spielen Olyas Mutter Tasha (Elena Shevchenko) sowie Evgenich (Michael Gor), ein Arbeitskollege von Andrey bei der Polizei.
Western Fantasy Comic Crossover
Die schwarze Komödie wurde erstmals auf dem Tallinn Black Nights Film Festival in Estland im Jahre 2018 gezeigt. Witzige Details wie Röntgenaufnahmen des Körpers von Matvey oder ein Exkurs über importierte Handschellen, Großaufnahmen der Gasflamme oder rasante Schnitte zum Dönerkebap-Abschneiden machen Sokolovs Debütfilm zu einem cinematographischen Leckerbissen, der eine ganz eigene Atmosphäre atmtet und dennoch als gelungene Hommage verstanden werden will. Wer Filme wie "The Good, The Bad and The Ugly", "Evil Dead 2", "Oldboy" oder "Kill Bill" liebt und sich auch an der Musik und den Soundtracks von Guy-Ritchie-Filmen nicht satt hören kann, wird auch "Why Don't You Just Die!" lieben. Denn auch wenn die einzelnen Gewaltszenen vielleicht übertrieben hart wirken, kommt doch der süffisante Humor des Regisseurs voll durch. Davon zeugt auch die instrumentale Version von Eric Burdens Klassiker "There is a house in New Orleans" im Abspann. Ein Film voller Ironie und wohltuender Böswilligkeit.
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