Die USA als PC-Post-Empire
Bret Easton Ellis, der Autor des 1991 erschienen Anti-Yuppie-Romans American Psycho, hat schon seit zehn Jahren keinen Roman mehr geschrieben. In letzter Zeit fiel er besonders durch spätabendliche Tweets und Podcasts auf, die zumeist von seinen Monologen über die Kümmernisse der Zeit und deren beste Apologeten gekennzeichnet waren. Auch "Weiß" ist kein Roman, sondern ließe sich am ehesten als autobiographische Zusammenfassung seiner letzten Kolumnen definieren, denn auch die Gliederung des Buches folgt kleinen, kurzen Häppchen, die unter Überschriften wie "Empire", "Schauspielen", "Zweites Ich", "Post-Sex", "Gefallen", "Tweets", "Post-Empire", und "Dieser Tage" nur lose miteinander verbunden sind, alle jedoch einen gemeinsamen Nenner vorweisen können: Bret Easton Ellis.
Unpolitischer Politiker
Als Twitter-User hatte sich der Autor von Unter Null (Less than Zero, 1985), Einfach unwiderstehlich (1987, The Rules of Attraction), Die Informanten (The Informers, 1994), Glamorama (1999), Lunar Park (2005) und Imperial Bedrooms (2010) – alle auf Deutsch bei Kiepenheuer & Witsch - in den letzten Jahren einige Male ins Aus geschossen, etwa, wenn er Kathryn Bigelows Erfolg als Regisseurin auf ihr gutes Aussehen reduzierte. Wohlgemerkt: Bret Easton Ellis ist homosexuell und da überraschen frauenfeindliche, sexistische Äußerungen natürlich umso mehr. Aber auch seine Verteidigung des Popstars Kanye West, der zuletzt damit auf sich aufmerksam gemacht hatte, dass er die Sklaverei in den USA nur als Sache des Kopfes definierte, wirkt äußerst befremdlich für jemanden, der doch seinerzeit in seinem Erfolgsroman American Psycho schon den Aufstieg eines gewissen Donald Trump kritisiert hatte. Dass aber jetzt ausgerechnet derselbe Bret Easton Ellis sich als Verteidiger der Trump-Wähler (wenn auch nicht Trumps selbst) gebärdet, wirkt noch mehr als befremdlich und da hilft auch die Ausrede, dass er sich als unpolitischen Menschen bezeichnet, nicht wirklich, denn gerade das ist ja schon eine zutiefst politische Aussage.
PC und die Proto-Faschisten
Bret Easton Ellis stößt die derzeit in den USA grassierende Identitätspolitik sauer auf und er fühlt sich von den Politisch Korrekten (PC) verfolgt, die er in Weiß - sogar mehrmals – als zumindest proto-faschistisch bezeichnet, da sie keine andere Meinung mehr zuließen außer der eigenen und missliebige Dissidenten wie ihn sogar lieber ausladen würden, als abweichende Meinungen zu hören (so von ihm geschildert am Beispiel von GLAAD). Für Bret Easton Ellis sind es nämlich gerade die Linken, die alle einer Gehirnwäsche unterziehen würden und eine Gleichmacherei betrieben, die jede demokratische Kultur ersticke. Für ihn sind die Schreier auf beiden Seiten der politischen Skala gleich unangenehm und er befürchtet, dass Kunst nur aufgrund ihrer politischen Ideologiezugehörigkeit und nicht mehr aufgrund von Ästhetik beurteilt wird. "Weiß" beginnt mit langen Schilderungen von Bret Easton Ellis’ ersten Kinobesuchen und seiner Begeisterung für Horrorfilme, um dann sogar einen Typen wie Charlie "Two and a half Man" Sheen zum positiven Prototypen des alten Zeitalters (Empire) zu stilisieren, denn dieser würde sich wenigstens trauen, das zu sagen, was er denke und dem "linken" Hollywood-Gesindel den Finger zeigen.
Post-Empire und Paranoia
Das "Post"-Empire hingegen zeichne sich vor allem durch Meinungshetze der "Generation Wuss (dt. Weichei)" (O-Ton) aus, denn die Millenials seien weichgespülte Identitätsfanatiker, die hochsensibel auf alles reagierten, was eben ihrer Ansicht nach nicht politisch korrekt sei. Bret Easton Ellis will kein Heuchler sein, wie er im Janet-Malcolm-Zitat zu Beginn des Buches heißt. In einem politisch polarisierten Umfeld, wie es die USA wohl derzeit ist, ist dies eben besonders schwer. Aber mit "Weiß" spielt er wohl genau jenen Leuten in die Hände, von denen er sich politisch eigentlich genauso abgrenzen will wie von der Linken. Die Generation X, zu der sich der Autor selbst zählt, hatte es eben immer schon schwer, sich zu positionieren.
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