Waits/Corbijn: Photographien und Curiosities
Die limitierte Sammleredition aus dem Jahre 2013 rangiert schon bei über 450 €, aber jetzt wurde das Buch nochmals in einer fast ebenso hübschen Ausgabe neu aufgelegt und ist erstmals seither wieder allgemein zugänglich. Waits/Corbijn ’77–’11 zeigt die Langzeitkollaboration des niederländischen Fotografen und des amerikanischen Musikers, Schauspielers und Komponisten Tom Waits.
The Straight and the Crooked Tree
Über 45 Jahre kennen sich die beiden unterschiedlichen Charaktere schon und haben immer wieder mal zusammengearbeitet. 145 Porträts von Tom Waits befinden sich in der vorliegenden Publikation, aber auch sogenannte „Curiosities“ von Waits himself. Darunter Gedichte, Skizzen, Fotos u. ä. „You wouldn't last a single day in my world“, sagt etwa der von Tom Waits eigenhändig fotografierte Aasgeier zum Betrachter. Ähnliche Bilder fertigte er auch von Raben, Schlangen, Hirschen, Bullen und Eulen an. Oder von seinem Langzeitbegleiter Oil Can Harry, einer Art Schatten, in dem sich Tom Waits gerne spiegelt. Eine andere Muse, die ihn begleitet, ist auch The Golden Jack Rabbit: „When a man loses his mother it brings out the rabbit in him“, fügt er einem Foto spielerisch hinzu. Sich selbst porträtiert er in einem „Tom/Frog“ betitelten Schattenfoto. Tom Waits erzählt die Geschichte vom geraden und schiefen Baum: Der erstere glaubt, schöner zu sein, weil er so gerade wächst, und macht sich über den schiefen Baum lustig. Aber als die Lumberjacks (die Holzfäller) kommen, sind sie nur an den geraden Bäumen interessiert und fällen sie alle. „And well, the crooked tree is still there. Growing stronger and stronger every day.“
Die Photographien von Anton Corbijn
Dass Jim Jarmusch das Geleitwort „Hamlet with Camera“ zur vorliegenden, vor allem von den Fotos Corbijns bestückten, Publikation verfasst hat, ist kein Zufall. Tom Waits glänzte vor allem in Down by Law als wandelnder Tramp, als den er sich selbst auch gerne in den Fotos von Corbijn inszeniert. Sogar einen Dracula-Umhang wirft er sich für eine Bilderserie um – was sicherlich kein anderer als genau dieser Corbijn von Waits hätte verlangen können. Auch im neuen Jarmusch (Father Mother Sister Brother) ist Tom Waits an der Seite von Charlotte Rampling, Cate Blanchett und Adam Driver wieder vertreten.
Der „Dean of American Rock Critics“, Robert Christgau, schrieb zu vorliegendem Fotoband zudem ein Essay, in dem er Tom Waits’ Lebenswerk ebenso wie die Fotoserien in drei Schaffensperioden einteilt. Die erste Phase dauerte bis zum Kennenlernen seiner Frau Kathleen Brennan 1981, die z. B. auch für die Kollaboration mit Coppolas One from the Heart verantwortlich zeichnete. Seine Lieder wurden weniger autobiografisch, dafür aber objektiver und allgemeingültiger, wie Christgau meint. Die dritte Phase im Bilderzyklus Corbijns im vorliegenden Fotoband zeigt Tom Waits dann schon mit grauem Soulpatch und oft zuhause – „Home“, also in der Nähe von L.A. Als einer der wenigen Künstler wechselte Tom Waits in dieser dritten Phase von einem Major-Label zu einem Indie-Label.
„Curiosities“ von Tom Waits
„Mystical images“ nennt Tom Waits Fotos von Zufällen – ein Ehepaar mit Apfelkuchen, das sich zufällig in einem Mehlhaufen bildet, oder ein Pferd im Holz eingraviert. Aber auch Menschen erschaffen solche Zufälle, etwa die Landkartenhersteller. Damit sie nicht wegen Copyright Laws verklagt werden, müssen sie immer etwas dazu erfinden, wenn sie eine Landkarte herstellen, erzählt Tom Waits und fotografiert eine von ihm selbst angefertigte Landkarte. Einen Fanletter fotografiert er ebenso wie den großen orangen Mond. „Maybe the moon is just one big golden button on God’s cool black shirt.“
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