Bruno Loth, Corentin Loth: Viva l´Anarchie

Ideale unter Gefecht

„Glaub mir, wenn der libertäre Kommunismus irgendwo realisiert werden kann, dann in Spanien“, fordert Nestor Makhno seinen Tischnachbarn Buenaventura Durruti ermunternd und mit leuchtenden Augen auf. Tatsächlich sollten die Erfahrungen des ersteren in die Taten des letzteren einfließen, lagen doch zehn Jahre zwischen ihrem Wirken.

Parallelen zwischen Ukraine und Spanien

Die Fortsetzung der von Vater und Sohn Loth kreierten Geschichte um die beiden anarchistischen Ikonen Durruti und Nestor Makhno setzt die beiden an einen Tisch. Makhno, bereits auf der Flucht nach der Niederschlagung der Machnowschtschina, kann Durruti von den fatalen Irrtümern seiner Bewegung in der Ukraine berichten. Er befand sich (genauso wie einige Jahre später Durruti) eingekreist von Feinden: erst die Bolschewiki, dann die Weißen, dann die ukrainischen Nationalisten, die Deutschen & Österreicher und schließlich wieder die Roten unter Trotzki machten ihm das Leben schwer. Und das, obwohl die Ukrainer dem auf Moskau vorrückenden weißen General Denikin die Hölle heiß machten und den Bolschewisten so den Arsch retteten.

Die neu gegründete Sowjetunion „dankte“ es seinen Männern mit Verfolgung und Ausrottung – fast genauso wie die spätere Sowjetunion den spanischen Anarchisten den Goldschatz aus Madrid raubte resp. „evakuierte“. Lenin hatte die Machnowschtschina den Deutschen und Österreichern überlassen und so sahen sich seine 30.000 zwei imperialistischen Armeen gegenüber: 100.000 Deutsch-Österreichern sowie 100.000 Russen, so Makhno im Comic. Aber was den beiden fehlte, machte Makhno überlegen: die Unterstützung der Bevölkerung, der Bauern. Dennoch schafften es seine Soldaten, Denikin auszutricksen, als er wenige Kilometer vor Moskau stand. Und das, obwohl er von den eigenen Nationalisten verraten wurde. Eine dunkle Tatsache des ukrainischen Widerstandes berichtet, dass diese die Verwundeten der Machnoisten übernahmen und heimlich massakrierten.

„Wir haben gemeinsam eine neue Welt aufgebaut, eine Welt nach unseren Idealen. Heute existiert sie nur noch in unserer Erinnerung, aber die kann uns niemand mehr nehmen", ruft Galina Kouzmenko, Machnos Weggefährtin. Sie konnte auch die amerikanische Intellektuelle Emma Goldman bezüglich ihrer Meinung über Lenin umstimmen und beeinflusste den Kampf als Ministerin für Bildung. Es hätte eigentlich nach dem triumphalen Sieg über die Weißen keinen Grund gegeben, die Machnowschtschina zu überfallen und ihre Anführer zu töten. Aber sie wollten eben kein Ideal zulassen, das besser war als ihres. „Wie die Imperialisten und die Nationalisten wollen sie nur das eine: Macht“, meint Galina.

Aber Anarchisten wollen keinen Staat, keine Autorität, nicht einmal Eigentum oder Hierarchie, sondern Gleichheit für alle, so Makhno in Anlehnung an Kropotkin, der ebenfalls in vorliegender Graphic Novel zu Wort kommt. Der durchaus als expressiv-realistisch zu bezeichnende Zeichenstil der Loths erzielt eine intensiv emotionale Wirkung, da er viel auf die Emotionen in den Gesichtern der Protagonist:innen verweist. Die Bildgestaltung von Viva l'Anarchie wirkt nicht heroisierend, sondern legt den Schwerpunkt auf die psychische und soziale Realität der Akteure. So entsteht eine nachvollziehbare Geschichte, die einerseits Wissen vermittelt, andererseits aber auch über genügend Distanziertheit verfügt, dem Geschehen mit Kritik zu begegnen.

Besonders interessant sind die Parallelen zwischen russischem und spanischem Bürgerkrieg, was die Rolle der Kommunisten gegen die Anarchisten betrifft, obwohl zehn bis zwanzig Jahre zwischen dem Geschehen liegen. Hervorgehoben wird der heldenhafte Kampf der ukrainischen Bevölkerung gegen die Imperialisten von Westen und Osten, der bis heute andauert. Ein interessanter Beitrag zur internationalen libertären Bewegung, die Anarchisten als die wahren Kommunisten zeigt.

Viva l´Anarchie
Viva l´Anarchie
Buenaventura Durutti und Nestor Machno
120 Seiten, gebunden
EAN 978-3903478572

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