Die Dialektik der visuellen Kultur
Dieser Band versammelt Artikel von Akademikern, die sich an ein Fachpublikum wenden, wie das Vorwort klarmacht: " … without the knowledge of the 'God’s eye' metaphor there is no understanding of the political dimension of satellite photos, without Christian iconography no insight into the function of war photography." Na ja, denkt man sich da, wenn das so ist, und man selber weder von besagter Metapher noch von christlicher Ikonografie gross Kenntnis hat (und sich diese auch gar nicht unbedingt aneignen mag), sollte man die Lektüre dieses Werkes vielleicht besser bleiben lassen. Aber stimmt das eigentlich, versteht man die Funktion der Kriegsfotografie wirklich nur, wenn man die christliche Ikonografie versteht? Das wird vermutlich nur jemand behaupten, der sich viel mit christlicher Ikonografie beschäftigt und sich mit dieser gänzlich unsinnigen Aussage auch gleich noch eine weitere Experten-Nische schaffen will.
Des Laien Motivation, sich dieses Buch vorzunehmen, ist nach solch einführenden Worten der Herausgeber so in etwa bei Null, weshalb sich denn diese Rezension darauf beschränkt, sich einem Beitrag zu widmen, der auch dem interessierten Laien verständlich ist: Constructing the World: Documentary Photography in Artistic Use von Bettina Lockmann.
Lockmann zitiert Abigail Solomon-Godeau, die auf die Frage "what is a documentary photograph?" antwortet: "With equal justice one might respond by saying "just about everything’ or alternatively, "just about nothing.’" Besonders hilfreich ist das nicht und überhaupt: wieso zitiert man solche Banalitäten, die fast für alles und nicht nur für das dokumentarische Foto gelten?
Mitte des 19 Jahrhunderts, führt Lockmann aus, "people believed that the world would imprint itself on the photographic plate throught the physical-chemical process involved in photography … Strangely enough, looking at photographs people seemed to forget that the world is neither black and white nor unmoved …" Wie kommt das? Eine Erklärung dafür ist "the indexical relation between the photograph and the world." Ein Beispiel: Ein Blitz (the index) kündigt ein Unwetter an.
Dass Fotos die Welt nicht so abbilden können wie sie ist (wie soll man auch alles, was im Fluss ist, abbilden können?), das bleibt unser theoretisches Wissen, das praktische Leben beeinflusst das kaum. Lockmann sagt es so: "Theoretically we know that the notion of an authentic depiction within a photograph is wrong. However, in the day-to-day production and perception of photographs this is still a popular way of dealing with them. Therefore, I suppose, barely anyone can state that he/she uses the theoretical framework in the perception of anyall times."
Doch was ist nun eigentlich "artistic documentary photography", sind "artistic" und "documentary" nicht Gegensätze? In der Theorie schon, in der Praxis nicht unbedingt, meint Lockmann, und es ist ihr zuzustimmen, auch wenn das Argument, dass Walker Evans "wants the viewer to look at the photograph without knowing where and when it has been taken" wenig überzeugt. Auch ist die Behauptung, dass bei Evans’ der Kontext "is established by a combination of images who direct the viewers perception", leicht zu widerlegen. Man denke an "Let us now praise famous men", wo der Kontext für Evans’ Bilder eindeutig durch James Agees Text geschaffen wird.
Lockmann beschliesst ihren Beitrag mit dem "artwork Code orange". Es besteht aus 88 schwarz/weiss Aufnahmen, aufgenommen in New York City und Washington, D.C. im März 2003, während der ersten Wochen des Irak-Kriegs. Es ist dies ein interessantes Unterfangen, nur eben: eine gute Idee macht noch kein Kunstwerk.
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