Pflanzen, die in Verruf kamen
"Cannabis" hieß ein Film von Pierre Koralnik, der mit Serge Gainsbourg und Jane Birkin in den Hauptrollen … Auch Curd Jürgens spielte mit. Eine der bekanntesten Filme gegen den Konsum von Cannabis war aber wohl Reefer Madness. Aber Cannabis ist nur eine von vielen Pflanzen, die in Verruf kam und somit als Droge kategorisiert wurde. Dass Pflanzen jeder Art zum Kulturgut des Menschen gehören, wird aber niemand bestreiten oder gar verfolgen wollen. Schließlich macht die Dosis das Gift, wie schon Paracelsus wusste. Und was für manche schreckliche Auswirkungen hat, kann für andere durchaus heilsam sein. Diese Pflanzen "lediglich zu besitzen oder zu kultivieren sollte weder amoralisch noch ketzerisch sein", schreibt der Autor, "kann jedoch je nach Land zu den unterschiedlichsten Reaktionen führen – von Abmahnungen über Geldstrafen oder Stockschläge bis hin zur Todesstrafe." Um dieser Verbotskultur entgegen zu wirken, bedarf es Aufklärung und genau das betreibt Jean-Michel Groult mit vorliegender Publikation.
Pakalolo und Rassismus
Auch John Wayne wirkte in einem Spielfilm über Marihuana mit und machte darin auf die verheerende und gesellschaftszerstörende Wirkung des grünen Krauts aufmerksam. Der reißerische Titel des Elaborats: Marijuana (Regie: Edward Ludwig). Der italienische Verleih untertitelte: "La Droga infernale", die "teuflische" Droge also. Dabei ist die Pflanze durchaus ein Allroundtalent, kann sie doch auch als Faserlieferant für die Textil- oder Seilerzeugung dienen, aber auch medizinisch für Krebspatienten genutzt werden. Neben einigen Filmplakaten und anderen Fotos, die etwa indische Nutzer des Krautes zeigen, gibt es auch ein Einmaleins des Cannabis zu lesen oder Abbildungen der Pflanze aus Medizinbüchern. Aber auch die weltweite Verbreitung der Nutz- und Kulturpflanze wird gezeigt. So gibt es etwa auf Tahiti dermaßen viele Anbaugebiete des Pakalolo, dass bereits von einer Paka-Kultur gesprochen wird. Ob Paul Gauguin aufgrund des Genusses dieser Pflanze so eindrucksvolle, bunte Bilder malte? Harry J. Anslinger (1892-1975), ein Mitarbeiter der US-Antidrogenbehörde, war allerdings von der verheerenden Wirkung des Cannabis überzeugt: "Gib einem Neger einen Joint, und er glaubt, er sei so viel wert wie ein Weißer" (O-Ton). Dass Anslinger nach Aufhebung der Prohibition 1933 auf der Suche nach einer neuen Betätigung für seine Behörde war, und sich deswegen auf die letztendlich doch harmlosere Droge (im Vergleich zu Alkohol) einschwor, zeigt Jean-Michel Groult in seinem interessanten, durch viel Bildmaterial unterstützten Eingangsessay. Wer hätte etwa gewusst, dass der in Frankreich weit verbreitete Pastis-Genuss ein Ergebnis des Absinth-Verbots ist? Oder dass selbst das harmlose Mongolenkraut als Mittel der Propaganda zur Bekämpfung des Bolschewismus eingesetzt wurde? Inzwischen sind selbstverständlich noch viele andere Kräuter auf dem Vormarsch. Jean-Michel Groult kennt und beleuchtet sie aufschlussreich.
Weitere ähnlich aufgebaute Artikel folgen in eigenen Kapiteln zum Thema Schamanenpflanzen, Pflanzen und Pilze, fruchtabtreibende Pflanzen, Absinth, invasive Pflanzen und verbotene Feldfrüchte.
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