Unrecht und Recht

Kriminalitätsgeschichte im Doppelpack

Unter dem Titel "Unrecht und Recht. Kriminalität und Gesellschaft im Wandel von 1500-2000" präsentierten die rheinland-pfälzische und saarländische Archive im Jahr 2002 eine gemeinsame Landesausstellung. Parallel dazu erschienen zwei Veröffentlichungen, die einen guten Überblick über die gezeigte Ausstellung und einen umfassenden Einblick in das Forschungsthema bieten.

Der Ausstellungskatalog beinhaltet nach einer Einführung die 32 Tafeln, die in Längsschnitten bestimmte Themenblöcke präsentieren. Im ersten Hauptteil ist die Perspektive von unten gewählt. Es stehen die Täter und Taten im Vordergrund: Hexen, Weinfälschung, Räuberbanden, Alltagskriminalität, die Kriminalisierung politischen Handelns und Mord. Der zweite Hauptteil ist der Perspektive von oben gewidmet. Betrachtet werden die Träger der Strafverfolgung, Rechtsgrundlagen, Strafprozesse, Gerichte, Richtstätten und Gefängnisse. Die größtenteils farbigen Abbildungen und die kurzen Begleittexte vermitteln zusammen mit den schematisch dargestellten Installationen der Mobilen Museumswerkstatt dem Leser einen guten Eindruck von der Gestaltung der Ausstellung.

Dem ansprechenden Katalog steht ein wahrhaft voluminöser wissenschaftlicher Begleitband zur Seite, der zur weiteren Vertiefung in die Materie auffordert. Auf seinen 712 Seiten beschäftigen sich die Autoren in 39 Beiträgen mit der Strafrechts- und Kriminalitätsgeschichte, aber auch dem Strafvollzug auf dem Gebiet der heutigen Bundesländer Rheinland-Pfalz und Saarland.

Einleitend stehen am Anfang des Bandes neben allgemeinen Gedanken zur Ausstellung eine Einführung in die boomende historische Kriminalitätsforschung und in die Strafrechtsgeschichte. Die neun Beiträge des ersten Teils sind der "älteren" Rechtsgeschichte gewidmet. Hier wird die Entwicklung des Rechtes und der Rechtsordnung beschrieben. Er beginnt mit der ersten reichsweiten Gerichtsordnung von 1532 und reicht u.a. über Policeygesetzgebung, Rechtsbräuche, kirchliche Strafen bis zu zwei biographischen Skizzen zu zwei Professoren der frühen Jahre der Universität des Saarlandes. Im zweiten Teil stehen die Delikte und die Delinquenten im Mittelpunkt. Hier bietet sich in der Tat ein weites Feld für die historische Kriminalitätsforschung. Ganze zwanzig Texte sind hier zu verzeichnen. Der Bogen ist gespannt von der Untersuchung einzelner Gerichte und Ämter, von der Hexenverfolgung bis zur politischen Kriminalität und vom Forstfrevel bis zu Münz- und Weinfälschungen. Nicht fehlen dürfen die Räuber: zum einen - in Rheinland-Pfalz unumgänglich - die Bande des Schinderhannes und zum anderen ein Postkutschenüberfall. Im letzten Teil werden in sieben Beiträgen die bisher eher selten thematisierten Gebiete der Strafen und des Strafvollzugs aufgegriffen. Themen sind neben der Betrachtung einzelner Strafen u.a. der Strafvollzug in der NS-Zeit und die Geschichte der Strafanstalt Wittlich.

Positiv fällt auf, dass sich gut ein Viertel der Beiträge mit der Kriminalitätsgeschichte des 20. Jahrhunderts beschäftigt, auch mit relativ aktuellen Geschehnissen wie dem Terrorismus der Rote Armee Fraktion (RAF) und dem Prozess gegen Inge Viett im Jahr 1991/1992.

Die vorgestellten Forschungsergebnisse zeigen die Vielfältigkeit und Vielschichtigkeit des Phänomens Kriminalität auf. Was Recht und was Unrecht ist, bestimmt letztlich die Gesellschaft, ebenso wie sie den Umgang mit dem "Kriminellen", dem Abweichler bestimmt. Aus diesem Grunde ist die historische Kriminalitätsforschung nicht Selbstzweck oder bloße Sensationsgier, sondern stets Gesellschafts- und Sozialgeschichte. Wer spannend erzählte Kriminalfälle und spektakuläre Verbrechen erwartet, wird also eher enttäuscht sein, denn dafür mag der Pitaval und seine zahlreichen Nachfolger das Richtige sein. Trotz aller oder besser gesagt auf Grund seiner Wissenschaftlichkeit beinhaltet der Begleitband für den Forscher und interessierten Laien sowohl der Region als auch darüber hinaus einen repräsentativen, überaus informativen und wichtigen Einblick in die Kriminalitätsgeschichte des südlichen Rheinlandes, der Pfalz und des Saarlandes.

Unrecht und Recht
Unrecht und Recht
Kriminalität und Gesellschaft im Wandel von 1500-2000
Wissenschaftlicher Begleitband und Ausstellungskatalog
Landesausstellung der rheinland-pfälzischen und saarländischen Archive

Schuldig bei Verdacht?

Mathias Brodkorb ermutigt zu einer kritischen Reflexion über die Verfassung und ihre möglichen Feinde, mehr noch aber über die "politische Behörde", die dem Verfassungsschutz dienen soll.

Gesinnungspolizei im Rechtsstaat?

Innere Widersprüche und aussenpolitische Probleme

Einblicke aus erster Hand in das politische System der DDR und deren Beziehungen zur UdSSR.

Gestaltung und Veränderung

Wie der Mensch seine Lebensgrundlagen zerstört

Wenn wir weiter wirtschaften, als wäre die Welt grenzenlos, werden wir unweigerlich unsere eigenen Lebensgrundlagen zerstören – außer wir akzeptieren, dass die Grenzen der Natur unsere Freiheit beschränken.

Homo destructor. Eine Mensch-Umwelt-Geschichte.

Nicht jeder, der einen schlechten Tag hat, wird zum Psychopathen

35 Jahre nach dem Comic-Meilenstein erscheinen unter dem Banner von Batman: One Bad Day von Killing Joke inspirierte Abenteuer.

Batman - Killing Joke

Reichtum und Schönheit des Arabischen

Frank Weigelt bietet weitaus mehr als eine Einführung in die Form und Gestalt der arabischen Sprache.

Die arabische Sprache

Israel im Gespräch

Meron Mendels Buch veranschaulicht die aktuellen Debatten über Israel, beleuchtet geschichtliche Hintergründe und auch die sensiblen Punkte in den Kontroversen.

Über Israel reden