Literatur

Vampire in Irland

Die Erben der großen Vampirfamilien brechen nach Irland auf, wo sie im zweiten Jahr ihrer gemeinsamen Ausbildung die besonderen Fähigkeiten der Lycana erlernen sollen. Die Kunst, sich Tiere zu Willen zu machen und sich gar in sie zu verwandeln, ist zwar nicht schmerzhaft, wie das Erlernen den Kräften der Kirche zu widerstehen, dafür aber riskant. Doch dieses Risiko ist klein, verglichen mit der Gefahr durch die unbekannten Verfolger, die offensichtlich den Erben schaden wollen. Es scheint einen Verräter unter den Vampiren zu geben, so dass sie immer wieder aufgespürt werden.

Ivy jedoch hat noch eine besondere Aufgabe zu erledigen, die sie eigentlich vor ihren Freunden verbergen will.

Ulrike Schweikert führt im zweiten Band der Reihe "Die Erben der Nacht" die jungen Vampire und die Leser ins späte 19. Jahrhundert und nach Irland. Im Roman und in ihrem Nachwort zeigt sich, dass auch sie dem Reiz der grünen Insel erlegen ist. Ihr erklärtes und umgesetztes Ziel ist es, mit dieser Reihe nicht nur spannende Vampirgeschichten zu erzählen, sondern auch Wissen über das späte 19. Jahrhundert in den verschiedenen Ländern Europas zu vermitteln. Dies geschieht vor allem durch die Darstellung der jungen Vampire. Sie leben und fühlen eigentlich wie die Menschen, nur eben bei Nacht und so geben sie die Sitten und Ansichten ihrer Herkunftsländer sehr gut wieder. Jeder Vampirclan lebt mit einer anderen Struktur und anderen, besonderen Fähigkeiten und so gibt es auch in jedem Roman wieder Neues zu entdecken. Auch mit ihren vier Hauptcharakteren Alisa, Ivy, Luciano und Franz Leopold stellt die Autorin ganz unterschiedliche Persönlichkeiten vor.

Erzählt wird auf sieben Handlungsebenen: Es gibt die im Mittelpunkt stehenden vier Erben und ihre Erlebnisse; die sie verfolgenden Vampire; Werwölfe, die wie die Vampire schon immer zu Irland gehören, die Druidin Tara, die für das Land von großer Bedeutung ist; die unterdrückten Iren, die sich gegen die Engländer auflehnen wollen; eine weitere Verfolgerin, die schon in Rom auftauchte und schließlich Oscar Wilde und sein Freund Bram Stoker (der Autor des "Dracula"), denen die Vampire auch schon in Rom begegneten.

Diese Handlungsstränge werden abwechselnd erzählt, berühren sich aber immer wieder. So ergibt sich ein hoher Spannungsgrad ohne dass sich der Leser ständig auf Neues einlassen muss. Es bleiben auch für den nächsten Band genügend Geheimnisse und Gefahren. Noch wirken die Geschehnisse um die Verfolger nicht langweilig. Dass es so bleibt, ist eine große Herausforderung für den Band drei. Gelungen ist auch die Balance zu Beginn, Neueinsteigern genügend Hintergrundinformationen zu geben, ohne die Leser, die den ersten Band kennen, zu langweilen.

Ulrike Schweikert vermag es, dem Leser ein Gefühl für Irland und die Vampire zu geben. Einzig die Sprache der Figuren ist nicht der Handlungszeit angepasst. Im Anhang werden einige Fachbegriffe, vor allem der Schifffahrt, erläutert und Informationen zu im Buch erwähnten historischen Personen gegeben, zu denen aber auch schon im Text einiges zu lesen ist.

Nicht zuletzt geht es hier um Vorurteile, Liebe, Angst und Macht, Gefühle, die den Vampiren genauso bekannt sind, wie uns Menschen. Irland ist auch das Land der Feen und Elfen. Das wird hier gar nicht erwähnt und hätte die Handlung mit Gewissheit auch überfrachtet. Der Sprachstil ist aufgrund der jugendlichen Zielgruppe nicht sehr anspruchsvoll, trotzdem können auch Erwachsene den Roman genießen.

Die spannend und konsequent erzählte Handlung, in die gekonnt viele historische Fakten eingefügt sind, rechtfertigt ein ungeduldiges Warten auf den dritten Band.

Lycana
Ulrike Schweikert

Lycana


Die Erben der Nacht
cbt 2008
542 Seiten, gebunden
EAN 978-3570304792

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