Literatur

Tradition und moderne Zivilisation

Gacel Sayah lebt mit seiner Familie, seinen Sklaven und seinem Vieh in der Wüste, wie es die Tuareg schon vor Jahrhunderten taten. Abseits jeder Zivilisation ist er Herrscher über sein kleines Reich, das ihm niemand streitig macht. Obwohl die glorreichen Zeiten der Tuareg vorbei sind, ist Gacel stolz, zu den "Männern mit dem Schleier" zu gehören. Nichts könnte ihn je davon abbringen, seine Lebensweise aufzugeben und sich der Zivilisation anzuschliessen. Für die Tuareg existieren weder Landesgrenzen noch geschriebene Gesetze. Sie orientieren sich an den uralten überlieferten Gesetzen ihres Volkes.

Eine solches Gesetz, die Heiligkeit der Gastfreundschaft, wird eines Tages auf krasse Weise verletzt: Gacel hatte zwei fast verdurstete Gestalten in sein Zelt aufgenommen und aufgepeppelt. Schnell wurde klar, dass die beiden auf der Flucht waren, denn es tauchte bald ein kleiner Militärtrupp auf. Der eine Gast wurde einfach erschossen, der andere verschleppt.

Gacels Stolz konnte es nicht zulassen, dass dieses heiligste Gesetz der Wüste auf so arrogante Weise mit den Füssen getreten wurde, er musste Rache üben. Er zog, seine Familie zurücklassend, in die Wüste, um einerseits diese Tat zu rächen und andererseits seinen Gast zu beschützen, wie es die Tradition von ihm verlangt.

Das Buch beschreibt die Geschichte dieses Rachefeldzuges. Es ist ein flüssig zu lesender, spannender Roman über das Zusammenprallen der althergebrachten Traditionen der Wüstenbewohner mit der modernen Zivilisation. Die Figuren wirken authentisch und die Landschaft wird dank der bildreichen Sprache spührbar. Ein Buch zum mitfiebern! Der Schluss ist (nach meinem Geschmack) etwas zu melodramatisch ausgefallen.

Tuareg
Alberto Vázquez-Figueroa

Tuareg


Goldmann 1986
318 Seiten, broschiert
EAN 978-3442091416
aus dem Spanischen von Hartmut Zahn

Und sie rauchten weiter

Ein wunderbar scharfsinniges, illusionsloses Porträt unserer haarsträubend absurden Welt. Ein grandioses Buch!

Lesen

Fremder im eigenen Seelenhaus

Hansen will sich an seinem sechzigsten Geburtstag umbringen. Er mag einfach nicht mehr. Entschluss und Datum stehen eigentlich fest.

Lesen

Fakten sind zweitrangig

Höchst eindrücklich schildert Flanagan in seinem Roman, wie Gerüchte und 'Fake News' instrumentalisiert werden, um Angst und Panik zu schüren.

Lesen

Alles hat ein Ende

Ein "Freundinnen-Roman", der in Spanien zum Bestseller avancierte. Der Erfolg überrascht nicht, schafft es doch die Autorin, die unterschiedlichen Gefühlswelten von Frauen zu Papier zu bringen.

Lesen

Zwischen Wirklichkeit, Sehnsucht und Aufbegehren

Bernhard Schlink erzählt in seinem neuen Roman Olga Rinkes Leben vor dem Hintergrund zentraler Epochen der jüngeren deutschen Geschichte.

Lesen

Konfrontiert mit der eigenen Endlichkeit

Lou und seine Brüder begleiten ihren todkranken Vater auf seiner Reise von England in die Schweiz, wo dieser Sterbehilfe in Anspruch nehmen will. Ein gefühlvolles, witziges und hintergründiges Buch.

Lesen
Hundert Jahre Einsamkeit
Endland
Metamorphosen oder Der goldne Esel
Mailand
Unter der Drachenwand
Das geheime Leben des Monsieur Pick
Kurt Ali
Die Zone
Kafka geht ins Kino
Mercy Seat
In der Nacht
Düğmeler ve Başka Şeyler
by rezensionen.ch - 2001 bis 2018