Geschichte

Ein fundierter Blick auf die wichtigsten Burgen des Elsaß

In der nahezu uferlosen Menge an Literatur zu mittelalterlichen Burgen findet sich bei näherer Betrachtung nur selten ein Buch, das die historische, bauhistorische oder kunstgeschichtliche Forschung tatsächlich einen Schritt weiterbringt. Zudem leiden viele Publikationen darunter, dass sie von einem Vertreter einer dieser Wissenschaftsdisziplinen verfasst werden, ohne dass die Erkenntnisse der anderen Richtungen ausreichend berücksichtigt worden wären. Jedenfalls hat sich in den letzten Jahren die eher unwillig akzeptierte Erkenntnis eingestellt, dass übergreifende Studien etwa zum Thema Burg im gesamten deutschen Sprachraum weder von Einzelpersonen noch in Einzelpublikationen mit Gewinn erbracht werden können - dafür ist schon allein die Menge an zu bewältigender, sprich zu lesender Literatur zu groß, ganz abgesehen von der Masse des zu berücksichtigenden Quellenmaterials.

Das Erfordernis, demzufolge interdisziplinär arbeiten zu wollen, ist bereits vor einiger Zeit auch von Thomas Biller und Bernhard Metz erkannt worden, die 1995 den ersten Band zu elsässischen Burgen vorlegen konnten. Die Grundkonzeption bestand sinnvollerweise von vornherein darin, nicht etwa ein Lexikon (also eine Auflistung und Behandlung aller elsässischen Burgen) liefern zu wollen, auch wenn Biller noch im nun folgenden zweiten Band von einer "Gesamtschau des elsässischen Burgenbaus" spricht. Tatsächlich wurde eine Auswahl getroffen, die sich den wichtigeren und insbesondere den Anlagen widmet, von denen noch mehr oder weniger viel aufgehendes Mauerwerk vorhanden ist. Dies mag man mit Blick auf die Vollständigkeit bedauern, zu rechtfertigen ist diese Einschränkung wegen des Arbeitsaufwands aber allemal. Irritierend mag auch wirken, dass zunächst Band 3, der die Wehranlagen der Zeit von 1250-1300 behandelt, veröffentlicht wurde und nun nach gut einem Jahrzehnt Band 2 mit einem Blick auf die Burgen der Zeit von 1200-1250. Auch dies dürfte aber nicht allein verlegerischen Erfordernissen geschuldet sein (schließlich sind die in diesen beiden Bänden behandelten Objekte zweifellos die ansehnlichsten), sondern mit dem Arbeitsablauf und dem in der Vergangenheit bemerkbaren Forschungsschwerpunkt der beiden Autoren zusammenhängen - auch dies durchaus verständlich.

Das Zusammenwirken des Bau- bzw. Architekturhistorikers Thomas Biller mit dem Historiker Bernhard Metz hat, soviel sei vorab gesagt, auch dieses Mal wie schon bei Band 1 einen großen Erfolg mit wenigen Einschränkungen gezeitigt. Das wie bei Publikationen des Deutschen Kunstverlags dieser Kategorie obligatorische Kunstdruckpapier lässt die Leserschaft das Buch angenehm in die Hand nehmen und Text wie auch die zahlreichen, wenn auch nicht farbigen Abbildungen am Auge vorbeiziehen. Die klare Gliederung in eine Einleitung mit Bemerkungen zur Geschichte des Elsaß und zu Forschungsstand und Datierung von Bernhard Metz (S. 10-32) und den umfangreichen Anmerkungen von Thomas Biller zur baulichen Gestalt (S. 33-178) mit einer zwischengeschalteten Zusammenfassung (S. 179-181) folgt der Katalogteil (S. 182-445), in dem insgesamt 30 Burgen beschrieben werden. Auch bei diesen Einzelbeschreibungen bleibt die übliche Zweiteilung erhalten: Zunächst beschreibt Metz die Geschichte der Anlage, danach Biller die bau-liche Gestalt. Dabei verdient besonders Beachtung, dass zahlreiche, teils völlig neu aufgenommene Pläne wie bei der Hohenburg oder bei Landsberg eingefügt werden konnten, die nicht selten das bisherige Bild der jeweiligen Burg deutlich korrigieren helfen. Zudem sorgen die wie immer sorgfältigen wie fundierten Ausführungen von Metz für soweit als mögliche Klarheit über die historischen Abläufe und Eigentums- wie Besitzverhältnisse. Dem Katalogteil folgt das vergleichsweise kurze Quellen- und Literaturverzeichnis (S. 446-456, enthält jedoch auch Siglen), das sich allerdings mühelos dadurch erklärt, dass bei jedem Katalogtitel eigene Endnoten für die nötigen Nachweise sorgen, sowie abschließend das kombinierte Namens- und Sachregister (S. 457-480).

Entgegen der durchgängig hohen Qualität der Ausführungen beider Autoren fallen einige wenige Details nur geringfügig ins Gewicht, die allerdings nicht verschwiegen werden sollen. So ist es Bil-ler/Metz zur unschönen Gewohnheit geworden, im Quellen- und Literaturverzeichnis nicht etwa bei allen, sondern nur bei einigen Publikationen ausgewählter und noch lebender Fachkollegen Anmerkungen hinzuzusetzen, die dann aber stets sehr negativer Natur sind. Dies ist im Einzelfall durchaus berechtigt, birgt aber die Gefahr, dass der Leser hier persönliche Animositäten erkennen könnte, und es wirft einen vernehmlichen Schatten auf die sonstige Souveränität der Verfasser selbst. Gerade mit Blick darauf mag es dann beispielsweise besonders befremdlich wirken, dass ihrerseits Biller/Metz in ihrer Literaturliste zwar die ersten drei Bände des "Pfälzischen Burgenlexikons" zitieren, dessen Erträge aber im Katalogteil konsequent auslassen und auch nicht angeben. Bei den behandelten Burgen ergibt sich, was in der Natur der Sache liegt, im Einzelfall durchaus Diskussionsbedarf, auf den hier nicht weiter eingegangen werden kann. Als Beispiel mag genügen, dass die 1235 erstmals erwähnte Frönsburg erst in Band 4 (Zeitraum nach 1300) Aufnahme finden soll, was die chronologische Ordnung natürlich aushebelt. Der fachlich weniger bedarfte Leser hätte sich wesentlich mehr Abbildungen, bestenfalls Luftaufnahmen, gewünscht, um ihm eventuell unbekannte Burgen besser beurteilen zu können.

Trotz dieser Einschränkungen soll ausdrücklich betont werden, dass der vorliegende dritte Band der "Burgen des Elsaß" ein fundiertes, gediegenes und mit großem Erkenntnisgewinn zu lesendes Werk geworden ist. Es sei den beiden Autoren herzlich gewünscht, dass sie ihr monumentales Werk mit den noch fehlenden Bänden bald und zu einem glücklichen Ende bringen können. Der leider nicht unbeträchtliche Preis des Werks sollte die Leserschaft keinesfalls vom Kauf abhalten.

Die Burgen des Elsass
Thomas Biller
Bernhard Metz

Die Burgen des Elsass


Band II: 1200-1250
Deutscher Kunstverlag 2007
480 Seiten, gebunden
EAN 978-3422066359

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