Die Würde des Todes
Thomas Wolfe wurde nur 37 Jahre alt. Er starb - und wusste, dass es so und auch so bald enden würde - an Tuberkulose. Kein Wunder, dass sich Wolfe in seinen wenigen Romanen, auch wenn diese alles andere als morbid sind, mit dem Tod auseinandersetzt. Dabei beschäftigt sich der Autor nicht nur mit der eigenen tödlich verlaufenden Krankheit. In Es führt kein Weg zurück läuft, oder, besser gesagt, fällt ein zunächst namenloser Selbstmörder über seinen Weg.
Der unappetitliche Sturz des vermeintlich Irren auf das Pflaster vor einer New Yorker Pizzeria verdirbt dem Besitzer das Geschäft, den Gästen den Appetit und den Passanten den Feierabend. Mit dem Eintreffen der Polizei und der Bestatter, die ihre grausige Arbeit routinemäßig verrichten, kehrt allmählich wieder ein wenig Normalität ein. Doch weigert sich Wolfe, sein Publikum zur Tagesordnung übergehen zu lassen.
Er rollt die letzten Stunden des Opfers wieder auf und verrät auch dessen Namen. So nimmt das Schicksal des C. Green die Leserschaft gefangen und lässt das Verständnis für dessen letzte Tat wachsen, zumal sie nicht einem momentanen Impuls entsprungen, sondern das Ergebnis einer langen, deprimierenden Entwicklung ist. Wolfe gibt dem Toten die Würde zurück, die er unter angewiderten Glotzern, gleichgültig ihr Geschäft erledigenden Profis und routiniert scherzenden Allesbesserwissern schon zu verlieren drohte.
"Alles wäre schön und gut gewesen", bilanziert der Autor, "wenn unser Freund Green nur als ein hohler Mensch heruntergefallen und unversehrt unten gelandet wäre … oder wenn er nur weggefegt worden wäre wie alltäglicher Abfall. Aber C. Green wollte es anders. Als er zerplatzte, durchtränkte er unsere zähe graue Einheitsmasse mit unanständig leuchtendrotem Blut; damit rettete er sich vor dem Dasein als bloße Nummer, wurde in unseren Augen zum Menschen und setzte damit an eine einzige Stelle des allgemeinen großen Nichts die einzigartige Passion, den ehrfurchtgebietenden Schrecken und die Würde des Todes."
Der Hauptgrund für Selbsttötungen, das sei an dieser Stelle noch erwähnt, liegt laut Weltgesundheitsorganisation in einer klinischen Depression, an der 80 bis 95 Prozent aller Suizidpatienten leiden. Seit Thomas Wolfes Dahinscheiden - er starb 1938 - hat die Zahl aller Suizide weltweit um mehr als 60 Prozent zugenommen.
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