This is Spinal Tap The Mother of Mockumentary
Der kürzlich unter sehr traurigen Umständen verstorbene Regisseur Rob Reiner drehte vor mehr als vierzig Jahren sein Spielfilmdebüt: This Is Spinal Tap (1984), ein Film über eine fiktive Metalband auf ihrer letzten Tournee. Erstmals auf 4K-UHD veröffentlicht Plaion diese „mother of mockumentary“, der ersten Dokumentation, die sich über ihr Objekt mockiert ... Gleichzeitig erscheint bei Plaion auch die Fortsetzung Spinal Tap II (2025) über die allerallerletzte Tournee der drei inzwischen älteren Herren ohne Schlagzeuger.
Spinal Tap: Smell the (G)love
Unbestätigten Gerüchten zufolge hat Countrypop-Sängerin Sabrina Carpenter sogar das in Spinal Tap zur Diskussion stehende Plattencover Smell the Glove zitiert und auf ihrem neuen Albumcover zur Spitze getrieben. Besagtes Plattencover, das eine kniende, mit Hundehalsband versehene Frau zeigt, die mit einem Handschuh geschlagen wird, steht nämlich im Mittelpunkt der Kontroversen des ersten Teils der Mockumentary um die Heavy-Metal-Band. Da sich aufgrund des sexistischen Covers die Platten schlechter verkaufen und Konzerttermine gecancelt werden, greift Davids Freundin Jeanine, eine Yoga-Lehrerin, in das Geschehen ein. Sie wird die Yoko der Spinal Tap – wie Fans der Rockgeschichte schnell erkennen werden –, denn auch sie hat kontroverse Ideen für den Fortgang der Band. Als Smell the Glove als Black Album erscheint, floppt es allerdings genauso wie zuvor schon. Der Name der fiktiven Band ist seit 1984 zu einem Synonym für Rockbands geworden, die selbstreferenziell auf ihren eigenen Untergang zusteuern, sich selbst viel zu wichtig nehmen und die Musik aus den Augen verlieren. Eine ganze Riege von Rockstars hat sich in dem Film, der eine so gute Satire ist, dass sie zuerst gar nicht als solche wahrgenommen wurde, erkannt. Auch der Ausspruch „Turn it up to 11“, als Äquivalent für „Go for broke“, stammt aus Spinal Tap und wird von Insidern immer wieder gerne zitiert.
Spinal Tap II: Reunion von Spinal Tap mit Drummerin
Auch für den zweiten Film, Spinal Tap II: The End Continues, schrieb Rob Reiner mit Christopher Guest, Michael McKean und Harry Shearer das Drehbuch. Er führte zudem wieder Regie und spielte selbst wieder mit. Es war Reiners letzter Film, bevor er und seine Frau am 14. Dezember 2025 bestialisch ermordet wurden. Im Film spielt Rob Reiner nämlich wieder den Dokumentarfilmer Marty DiBergi, der die zerstrittenen Mitglieder von Spinal Tap – David St. Hubbins, Nigel Tufnel und Derek Smalls – wieder zusammenbringt. Auf dem Plan steht ein Reunion-Konzert in New Orleans, weil dort gerade ein Slot frei wurde. Alles reiner Zufall eigentlich. Während dem Zuseher das traurige Schicksal der vorangegangenen 12 Schlagzeuger erzählt wird, die alle ein unglückliches Ende fanden, besteht eine Frau, Didi Crockett (Valerie Franco), die Feuerprobe und wird in den Spinal-Tap-Clan aufgenommen. Während dieses Prozesses erhält die Band auch Unterstützung von Paul McCartney und Elton John bei den Proben zum großen Abschiedsgig. Gemeinsam spielen sie ihre großen Hits, die sowohl Paul als auch Elton natürlich kennen. Aber wie wird die letzte Show von Spinal Tap ihren Platz in der Rockgeschichte finden? Wird sie überhaupt stattfinden? 40 Jahre nach ihren größten Erfolgen sind sie wieder zurück und zeigen mit viel trockenem Humor, dass auch das Leben als Rockstar nicht immer ein Honiglecken ist und manchmal sogar ganz schön mühsam sein kann: Champagner, Kaviar und Pussy ganz sicher nicht!
Alle Rezensionen von Juergen Weber