Zeitgenössische ungarische Fotografie
Das Departement für Fotografie an der Moholy-Nagy-Universität (MOME) in Budapest feiert sein 33-jähriges Bestehen mit einer Ausstellung und einem Buch, das 46 Fotografen und Fotografinnen mit Verbindung zur Universität vorstellt. Herausgekommen ist eine Feier der Fotografie, die die ungeheure Vielfalt dieser Kunstform deutlich macht. Neben hoch-ästhetischen Werken, die gemalt sein könnten, sind dokumentarische, gesellschaftskritische und politische Werke versammelt.
Dávid Biró (birodavid.com), der seinen Master-Abschluss an der MOME gemacht hat, lotet in seiner Diplom-Arbeit "Front End" die Grenzen zwischen der fotografischen "Wirklichkeit" und digital erzeugten Bildern aus. Für den Betrachter ist öfters nicht klar, wo diese Grenze verläuft, eine Tatsache, aktueller denn je, die einige Sprengkraft enthält.
Adél Koleszár (adelka.tumblr.com), die in Mexico City gelebt und gearbeitet hat, beschäftigte sich in ihren 2015 entstandenen Serien "New Routes of Faith" und "Wounds of Violence" mit der omnipräsenten Gewalt in weiten Teilen der mexikanischen Gesellschaft. Ungeschönt porträtiert sie Menschen, die auf der einen Seite einen starken Hang zu Religiösem haben und auf der anderen Seite Gewalt ausgesetzt sind oder Gewalt verbreiten.
Zoltán Molnár (molnarzoltan.com) arbeitet mit der klassischen Schwarzweissfotografie. Er dokumentiert an die gesellschaftlichen Ränder gedrängte Menschen, beispielsweise Roma in Ungarn, oder Familien, die in darniederliegenden Industriezonen leben, beispielsweise in Copșa Mică, einem kleinen Städtchen in Rumänien, das von Abwanderung und nachhaltiger Umweltverschmutzung aufgrund seiner industriellen Vergangenheit geprägt ist.
Peter Puklus (peterpuklus.com) kombiniert Fotografie mit Installationen oder skulpturaler Kunst. Seine Werke sind von einer bemerkenswerten Ästhetik, auch wenn sie eigentlich banale Gegenstände oder Menschen im Alltag zeigen.
Boglárka Éva Zellei (boglarkazellei.com), die an der Moholy-Nagy-Universität ihre Ausbildung gemacht hat, fotografierte in ihrer Serie "Furnishing the Sacred" in den Räumen junger christlicher Gemeinschaften in Ungarn. Sie zeigt den intimen Moment einer Taufe in Räumen, die auf merkwürdige Weise eine entrückte Ästhetik ausstrahlen.
Dies nur als kleine Auswahl aus dem Buch. Die 46 Fotografinnen und Fotografen werden jeweils mit einem kurzen Text vorgestellt und eine kleine Auswahl ihrer Fotografien wird auf den vier bis fünf nachfolgenden Seiten gezeigt. Eines wird dabei rasch klar: Nachwuchssorgen muss man sich in der ungarischen Fotografie nicht machen.
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