Douglas Wolk: The Silver Surfer

Gottes einsamster Held

"Mit dem Silver Surfer hatten wir endlich einen Comic für unsere älteren, gebildeten, einfühlsamen und fantasievollen Fans geschaffen.", so Stan Lee, Schöpfer dieser und vieler weiterer Figuren des Marvel Universums. 18 galaktische Stories des Silver Surfers von 1968 bis 1970 in einem Band bietet diese XXL-Publikation des Taschen-Verlags, die auch in einer Collector’s Edition von 1'000 Exemplaren erhältlich sind. Aber auch die "normale" Ausgabe sprengt alle Vorstellungen, die man sich bisher von Comics gemacht hat. Für die Reihe "Marvel Comics Library" wurden in enger Zusammenarbeit mit Marvel und der Certified Guaranty Company makellose Originalausgaben reproduziert. Jede Seite wurde fotografiert, wie sie vor mehr als einem halben Jahrhundert gedruckt wurde, und mit modernen Retusche-Techniken digital überarbeitet. Die gesamte Serie wurde mit dem Eisner-Award prämiert.

Galaktisches Drama: getrennt von Heimat und Liebe

Eigentlich als Sidekick der Serie "Fantastic Four" im Jahre 1966 geboren, entwickelte sich der Silver Surfer schnell zu einem der stärksten Charaktere im Marvel-Universum. Im Frühjahr 1968 hob Stan Lee das erste fortlaufende Doppelheft des  Silver Surfers aus der Taufe. Dafür rekrutierte er John Buscema, der seinen grandiosen Zeichenstift bis dahin den Avengers geliehen hatte. Zusammen entwickelten sie eine Reihe von legendären Geschichten, mit denen sich die Figur auf immer definierte. Denn der Silver Surfer ist eine tragische Figur, die sich dem Weltenzerstörer Galactus verpflichtet hat, um seine eigene Heimat und seine Geliebte dadurch zu retten. Als Zenn-Lavianer namens Norrin Radd geboren, der mit seiner Geliebten Shalla Bal auf dem friedlichen und hoch entwickelten Planeten Zenn-La im Deneb-System lebte, opferte er sich als Weltenerkundler für Galactus' unsterblichen Appetit. Dafür bekam seine Heimat die Freiheit und der Silver Surfer sein Surfbrett, das ihn zudem auch mit einigen Superkräften ausstattete. Allerdings belegte Galactus das Board mit einem Bann, sodass Norrin Radd niemals auf Zehn-La zurückkehren kann. Damit ist er für immer und ewig auch von Shall Bald getrennt und reist einsam durch den Weltraum auf der Suche nach Planetenfutter für Galactus.
Ein Schicksal beinahe so tragisch wie das von Nick Cave, das nicht einmal dieser trauriger und schöner besingen könnte.

Silver Surfer: Der einsamste Held der Galaxie

Neben dieser an und für sich schon kosmischen Kraft - nämlich die Menschen traurig zu machen und sie dennoch zu befreien - verfügt der Silver Surfer noch über eine Reihe anderer Fähigkeiten. So kann er etwa, die überall vorhandene kosmische Energie kanalisieren und sie so konzentriert ausstrahlen. Der Silver Surfer kann diese Energie offensiv einsetzen und mit Strahlen aus seinen Händen ganze Städte vernichten, oder aber einzelne Moleküle versetzen und so zum Beispiel die Farbe einer Blume ändern. Seine silberne Haut ist quasi undurchdringbar und somit auch sein Körperinneres total resistent gegenüber Angriffen von außen. Mit seinen kosmischen Kräften kann er andere Lebewesen stärken und heilen. Er muss weder essen noch atmen, da er seine Lebenskräfte direkt durch die kosmische Energie erhält. Theoretisch würde sein Körper gar keinen Schlaf benötigen, allerdings braucht sein Geist die Möglichkeit zu träumen. Und genau diese Möglichkeit haben auch seine Schöpfer Stan Lee und Jack Kirby Millionen von Leserinnen und Lesern mit dem Silver Surfer realisiert. Denn stellvertretend für viele Norrin Raads und Shalla Bal leidet auch der Silver Surfer an der wohl schlimmsten Krankheit des Universums: Liebeskummer.

The Silver Surfer
John Buscema (Illustration)
Stan Lee (Illustration)
The Silver Surfer
Vol. 1. 1968–1970
706 Seiten, gebunden
Marvel Comics Library
Taschen 2023
EAN 978-3836596510

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