Banksys Guerillakunst
"Die gefräßige Gesellschaft verdaut alles, erstickt jede Art von Widerstand, vor allem in Form von Kultur, käut wieder und spuckt Ware aus", schreibt Raf Valvola Scelsi in einem der Essays in vorliegendem Kunstband über das Phänomen Banksy. Und selbst Banksy entkomme dieser Marktlogik nicht, gegen die er sich von Anfang an zur Wehr gesetzt hatte.
Die Gegenhegemonie der Straße
Banksy ist ein Pseudonym. Der wahrscheinlich aus Bristol stammende Adbuster-Künstler wurde u. a. von Bordigismus und Situationismus beeinflusst. Letztere hatten schon früh den bitteren Sieg einer anderen Kunstbewegung bedauert: "Im Kontext einer nicht grundlegend umgestalteten Welt ist Surrealismus ein Erfolg. Dieser Erfolg ging für den Surrealismus nach hinten los, der sich nichts Geringeres als den Umsturz der herrschenden Gesellschaftsordnung erhofft hatte." Auch Banksy hatte sich von Anfang an gegen den Ausverkauf und Marktmechanismus gewehrt, etwa wenn er auf einem Monetähnlichen Gemälde mit Seerosen unter einer romantischen Brücke derrangierte Einkaufswagen (Show me the Monet, 2005) montierte. "Détournement" (Ablenkung) nennt sich diese Form der Aneignung von Kunst, die auch schon von Asger Jorn (Le canard inquiétant, 1959) oder Jamie Reid benutzt wurde, um gesellschaftlichen Protest auszudrücken. In direkter Bezugnahme auf Antonio Gramsci widerspricht Banksy der Obrigkeit, die ihre kulturelle Vorherrschaft mithilfe von Fernsehen, Kino, Werbung, Kirchen, Schulen und Museen ausübt. Ihr stellt er die Gegenhegemonie der Straße entgegen.
Visueller Protest in den Straßen
Seine zahlreichen Werke sind so aufsehenerregnd wie ihre Titel: Crucifix Grappling Hook, Walled Off Hotel, Mobile Lovers, Dismaland, Fetish Lady, etc. Banksy goß seinen Protest und Widerstand in das Schlagwort Brandalism (aus brand name und vandalism), denn die Beeinflußung des öffentlichen Lebens durch Markenfirmen (brands) sei ein Staatsterrorismus, den man bekämpfen müsse. Siehe oben. Große Unternehmen würden unser Leben und unsere Art zu konsumieren, ja sogar unsere Umwelt durch Entscheidungen bestimmen, die sich ausschließlich am Profit orientieren. Die Guerillakunst Banksys will sich das Territorium zurückholen, das so gerne als öffentlicher Raum bezeichnet wird, aber längst von Unternehmen mit ihrer firmeneigenen Ästhetik übernommen wurde. Deswegen dürfe und müsse man ihre Brand Advertisements direkt attackieren und verändern, so Gianni Mercurio über Banksys politische Anliegen im Vorwort der vorliegenden Prachpublikation. Denn prächtig sind nicht nur die Reproduktionen der Kunstwerke, sondern auch die mitgelieferten Texte und Essays, die genügend Munition für visuellen Protest im neuen Millenium liefern. Inspiration pur.
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