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Sustainable Finance

Was der Klimawandel für das Bankengeschäft bedeutet

"Der Klimawandel verändert unsere Lebenswelten so tiefgreifend wie vermutlich kaum eine andere Entwicklung seit der industriellen Revolution. Die ökonomischen, ökologischen und sozialen Effekte sind fast überall und jederzeit zu spüren. Den steigenden CO2-Emissionen werden schmelzende Gletscher, steigende Meeresspiegel, Migrationsbewegungen und Pandemien zugeschrieben. Dieser radikale und rapide Wandel unser Lebenswirklichkeiten fordert die Wirtschaft als Ganzes und Banken im Besonderen heraus.

Der klimatische Wandel birgt ungeahnte Chancen: eine effizientere und effektivere Nutzung knapper Umweltressourcen, innovative Produkte und Dienstleistungen sowie eine breitere gesellschaftliche Partizipation. Den Banken fällt bei diesen fundamentalen Umstrukturierungen eine besondere Rolle zu."

Ausgehend von dieser Feststellung postulieren die beiden Autoren Robert E. Bopp und Max Weber, Direktor bzw. verantwortlicher Partner im Bereich "Financial Services" von Ernst & Young Deutschland, im Vorwort zu dem von ihnen verfassten Band, dass die Banken als Finanzintermediäre und Akteure eines aufsichtlich regulierten Finanzmarktsystems die klimabedingten Chancen und Risiken für die Kapitalbereitstellung identifizieren, steuern und überwachen müssen. Längst vorbei sei die Zeit, in der im Bankenbereich das Thema Sustainable Finance mit den Worten abgetan werden konnte: »Banken haben keine Schornsteine und daher keine Emissionen.«

Das Thema Nachhaltigkeit hat insbesondere durch den im März 2018 vorgelegten Aktionsplan der EU-Kommission zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums an Dynamik gewonnen. Zur Verwirklichung der Klimaziele wird nach Berechnungen der EU in den kommenden zehn Jahren jährlich ein Investitionsvolumen von 180 – 250 Milliarden Euro benötigt. Den Banken, Versicherungen, Investmentgesellschaften und anderen Finanzmarktakteuren kommt bei der Finanzierung des Umbaus der Wirtschaftsstrukturen eine wichtige Rolle zu. Nicht zuletzt hat sich auch die Bundesregierung dieser Thematik angenommen und hat Anfang Juni 2019 einen Beirat für "Sustainable Finance" eingesetzt, welcher nachhaltiges Handeln im Finanzsektor fördern und den Finanz- und Wirtschaftsstandort Deutschland langfristig stärken soll. Damit nun der Finanzsektor den tiefgreifenden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wandel, den die derzeitige Corona-Krise noch stärker vorantreibt, verantwortlich begleiten kann, bedarf es klarer Regeln und Rahmenbedingungen, z. B. hinsichtlich der Klassifizierung von Wirtschaftsaktivitäten, in Bezug auf die Transparenz- und Offenlegungsanforderungen gegenüber den Endkunden sowie im Hinblick auf die Berücksichtigung der Risiken aus dem Klimawandel im Risikomanagement. Diese Notwendigkeit ist zwischenzeitlich auch von internationalen und nationalen Regulatoren erkannt worden.

An alle diese Entwicklungen knüpfen die drei Schwerpunkte des vorliegenden Buches an:

Zum einen geht es um die "Risiken und Chancen aus dem Klimawandel" und um die Frage, wie diese sich im Speziellen bei Banken auswirken können. Hierzu wird zuerst die Ereigniskategorisierung der Task Force on Climate-related Financial Disclosures (TCFD) des Financial Stability Board (FSB) mit der Unterscheidung in transitorische Risiken (die aus dem Umbau hin zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft resultieren) und physischen Risiken (die sich direkt aus den Folgen des Klimawandels ergeben) einerseits und den klimabedingten Chancen andererseits zugrunde gelegt. Anschließend werden die Auswirkungen der Risiken auf das Finanzsystem und dessen Akteure referiert.

Zum anderen wird die Thematik "Klimawandel und Bankenaufsicht" untersucht. Nach Klärung der Frage, ob Klimawandel überhaupt ein Thema für die Bankenaufsicht ist, werden bankaufsichtsrechtliche Maßnahmen zur Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsaspekten, d.h. die jeweiligen internationalen, europäischen sowie nationalen Standards und Vorgaben, systematisch vorgestellt.

Der dritte Schwerpunkt befasst sich mit dem "Handlungsbedarf für die Banken", der sich aus den klimabedingten Veränderungen ergeben kann. Im Mittelpunkt der Betrachtung stehen die Handlungsfelder Governance, Strategie, Risikomanagement sowie Kennzahlen und Zielsetzungen. Insbesondere damit wird den Banken ein Praxisleitfaden an die Hand gegeben, welcher entlang der gesamten Wertschöpfungskette das Management und die Organisation der Bank an die klimabedingten Veränderungen und Herausforderungen anpasst und auf die zukünftigen Erwartungen der Stakeholder vorbereitet.

Das Werk macht deutlich, dass Banken mit Sustainable Finance in der Lage sind, den tiefgreifenden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wandel als Intermediäre verantwortungsvoll zu begleiten und einen wesentlichen Beitrag zu einer nachhaltigen Transformation der Realwirtschaft und Erreichung der Pariser Klimaziele leisten können, indem sie geeignete Produkte und Finanzmittel hierfür bereitstellen. Das renommierte Autorenduo von EY verfügt über langjährige berufliche Erfahrungen mit unterschiedlichsten Fragen der Bankenaufsicht, des Risikomanagements und gesamtbanksteuerungsrelevanter Aspekte. Das Buch kann zweifelsohne Entscheidungsträgern und Mitarbeitern in Banken, die im Strategie-, Risiko- und Compliance- oder Nachhaltigkeitsbereich tätig sind, wichtige Anregungen und nützliche Hilfestellungen geben, sich sachgerecht auf die durch den Klimawandel getriebene Wirtschaftstransformation einzustellen und den damit verbundenen regulatorischen, unternehmerischen, politischen und gesellschaftlichen Herausforderungen gerecht zu werden.


von Bernd W. Müller-Hedrich - 30. Juli 2020
Sustainable Finance
Robert E. Bopp
Max Weber

Sustainable Finance


Auswirkungen des Klimawandels auf das Risikomanagement der Banken
Schäffer Poeschel 2020
165 Seiten, gebunden
EAN 978-3791046150