Politik

Ist Deutschland bald am Ende?

Nach gewissen feststehenden Zeitspannen scheinen Publizisten aller Art über bestimmte Themen Bilanz ziehen zu müssen. Gerade in Deutschland ist diese Untugend stark verbreitet. Auch Uwe Müller hat sich mit seinem aktuellen Buch über die Folgen der Deutschen Einheit dort eingereiht. Wer eine ausgewogene und sachliche Auseinandersetzung mit der Wirtschafts-, Politik-, Sozial- und Währungsunion der beiden deutschen Teilstaaten erwartet, wird enttäuscht. Stattdessen liefert Müller nichts weiter als eine apokalyptische Polemik, nach der in spätestens 20 Jahren in Deutschland die Lichter ausgehen.

Uwe Müller ist nicht der erste, der die handwerklichen Fehler der Deutschen Einheit bemängelt. Ex-Kanzlerkandidat Lafontaine kann hier als Vorreiter gelten. Was beide unterscheidet, ist die heutige Einstellung zum Thema: Während Lafontaine die Finanzierung der Einheit weiterhin für fatal hält, sieht er dennoch die gewaltigen Aufbauleistungen, die im Osten der Republik bisher geleistet wurden. Jeder, der selbst schon einmal dort war, kann sich davon überzeugen. Uwe Müller hingegen lässt kein gutes Haar an der Ex-DDR. Neben niedriger Qualifizierung der Arbeitnehmer, der Schuldenlast aller Kommunen und der demographischen Katastrophe schießt sich Müller vor allem auf die Politiker aller Couleur ein, die so gut wie alles falsch gemacht haben. Dass sich alle diese Punkte auch wunderbar auf fast die ganze westliche Republik übertragen und anwenden lassen, sollte Müller zu denken geben. In Gelsenkirchen beispielsweise ist die Arbeitslosigkeit fast genauso hoch wie in Teilen Brandenburgs. Die Stadt Remscheid ist ebenfalls hoch verschuldet. Und wenn seitens der Politik nicht gegengesteuert wird, fällt die Einwohnerzahl von Wuppertal in den nächsten 20 Jahren auf unter 300.000 (derzeitiger Stand: knapp 400.000). Zwar vergisst der Autor nicht, solche Fakten hie und da zu erwähnen, allerdings bekommt man den Eindruck, als ob der Osten Schuld an der schlechten Entwicklung der Gesamtrepublik hat. Wer nüchtern hinschaut, stellt fest: Auch ohne den Osten wäre die Glanzzeit der Bundesrepublik in den 90er Jahren vorüber gewesen. Bereits Anfang der 80er Jahre gab es hierfür erste Tendenzen.

Es bleibt dennoch ein Verdienst, trotz aller gewichtiger Kritik an Müllers Thesen, dass er die Problematik Deutsche Einheit, die zweifelsohne vorhanden ist, wieder auf das Tablett gebracht hat. Trefflich streiten lässt sich über Müllers Buch allemal.

Supergau Deutsche Einheit
Uwe Müller

Supergau Deutsche Einheit


Rowohlt 2005
255 Seiten, broschiert
EAN 978-3871345234

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