Stranger Than Kindness

Der Ausstellungsband zur vom 21. April - 7. August 2021 in der Königlichen Dänischen Bibliothek stattfindenden Exhibition des australischen Ausnahmekünstlers ist bei Kiepenheuer&Witsch auch auf Deutsch erschienen. Zu sehen gibt es Faksimiles von Kunstwerken, handschriftliche Songtexte, Fotos und Artefakte aus Caves Privatbesitz sowie einordnende Kommentare und Reflexionen von Nick Cave, Janine Barrand und Darcey Steinke.

Von down under nach ganz oben

Nicholas Edward Cave, geboren in Warracknabeal in der Nähe von Melbourne, Australien, gehört zu einem der wenigen Künstler der Gegenwart, die es von ganz unten (down under) bis an die Spitze geschafft haben. Jahrgang 1957 ist er bereits über 60 Jahre alt und am Höhepunkt seines kreativen Schaffens angelangt. Zuletzt erregte er Aufsehen durch sein Solokonzert in London in einer leeren Fabrikshalle während des Lockdowns der Covid-Pandemie. Stripped down auf Stimme und Klavier präsentierte er 22 Lieder aus seinem bisherigen Portfolio und das Event wurde live weltweit ausgestrahlt. Die Gänsehaut, die dieses Konzert vom 23. Juni 2020 hinterließ, ist heute noch zu spüren. Denn noch nie hatte ein Künstler so etwas gewagt. Gezeichnet vom Tod eines seiner Zwillingssöhne im Sommer 2015 hatte er sich keineswegs zurückgezogen, sondern sogar einen Kinofilm produziert, der die offenen Fragen beantworten sollte. Für sich und sein Publikum.

Kinderfotos und Heiligenbilder

Das oben geschilderte fand in vorliegender Publikation und der Ausstellung zwar keinen Platz mehr, ist aber dennoch erwähnenswert, um das zu verstehen, was Nick Cave von Anfang an ausmachte: absolute Authenitzität. Das erste Foto in vorliegendem Band zeigt ihn im Cowboykostüm im Alter von vier Jahren. Der Trommelrevolver vor ihm ist aufgeklappt und ohne Magazin, aber die Patronen, die ihn füllen, folgen auf den kommenden Seiten. Nick Cave zeigt neben Kinderfotos auch viele andere sehr persönliche Dinge, darunter die von ihm selbst verzierten und illustrierten Songtexte, teilweise in seiner eigenen Handschrift, seine Geldtasche oder großformatige Liebesbriefe etwa an Anita Lane, von der auch der Titel des vorliegenden Buches stammt. "Stranger than Kindness" war ein Song von ihr und Blixa Bargeld, den Nick Cave auf seinem 1986-Album "Your funeral, my trial" coverte, ein Doppelalbum, das in seiner Heroinphase in Berlin entstand. Nick Cave lässt den Leser in seine "handmade books" reinschauen, die er mit eigener Hand mit Heiligenbildchen verziert oder übermalt hatte. Einige davon sind obszön, aber die meisten religiösen Inhalts. Auch von seinem Sidekick "Grinderman" und dem zuletzt ausschließlich mit Co-Bad-Seeds-Member Warren Ellis aufgenommene und höchst umstrittene Album "Ghosteen" fand in vorliegendem Buch noch Platz. Bei Kiepenheuer&Witsch sind von oder über Nick Cave auch weitere Bücher erschienen, darunter "Der Tod des Bunny Monroe" oder "Das Spucktütenlied" (The Sick Bag Song). Mehr zur Ausstellung findet sich hier.

Stranger Than Kindness
Stranger Than Kindness
Mit deutschsprachigem Booklet
276 Seiten, broschiert
EAN 978-3462000665

The Mother of Mockumentary

Spinal Tap und Spinal Tap II sind die wohl bekanntesten Mockumentaries über das Leben und Sterben von Rockstars.

This is Spinal Tap

50 Jahre Queen's A Night At The Opera

Das Album "A Night At The Opera" (1975) katapultierte Queen - allen voran mit "Bohemian Rhapsody" - an die Spitze des Hofstaates ...

50 Jahre Queen & A Night at the Opera

50 Jahre Albert Watson

Albert Watson, der schottische Fotograf, zeigt eine Welt voller Glitzer, Glamour und Grinch. Eine Retrospektive über 50 Jahre kreatives Schaffen ...

Kaos

Die letzte deutsche Diva

Eine Biopic über Hildegard Knef, die wohl prägendste Nachkriegskünstlerin, die wohl mehr als fünf Leben führte ...

Ich will alles. Hildegard Knef

Patti Smiths Memoiren

Das neue Buch der Musikerin Patti Smith, inzwischen bald 79, handelt von ihrer Kindheit und ihrem Aufstieg zum Rockstar.

Bread of Angels

Waits/Corbijn: Photographien und Curiosities

Eine kongeniale Kollaboration der Konquistadoren der Musik und Fotografie.

Waits/Corbijn