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Silver Surfer Anthologie Der einsame Weltenretter

24. April 2026
von Juergen Weber

Der wohl einsamste Held des Universums, Norrin Radd, besser bekannt als der Silver Surfer, wurde von Stan Lee erstmals Mitte der Sechziger Jahre in Szene gesetzt. Er stand für die Unverständlichkeit des Außerirdischen für die menschlichen Dummheiten, philosophierte er doch oft über den menschlichen Hass gegenüber Aliens. Dabei hatte er die Erde einst vor Galactus gerettet!

Silver Surfer: Der einsamste Held der Galaxie(n)

Als Herold des Weltenzerstörers Galactus begann die Karriere des Silver Surfers auf seinem Heimatplaneten Zenn-La. Für seinen Deal mit Galactus musste er nicht nur seine Heimat, sondern auch seine Liebe Shalla-Bal verlassen. Für den Weltenzerstörer musste er nun in Hinkunft andere Planeten auskundschaften, die dieser verschlingen könne. Dafür würde er Zenn-La verschonen. Vorerst.

Der Deal geht eine Weile lang klar, bis der Silver Surfer die Freundin Alicia Masters von dem Ding, Mitglied der Fantastischen Vier, kennenlernt. Durch Alicia entdeckt er wieder das Mitgefühl für andere Wesen, das er so lange verdrängen musste, um Galactus dienen zu können. Aber siehe da: Galactus versteht seine Neigung zur Rettung der Erde und verschont ihn. Allerdings sperrt er ihn auf diesem Planeten für immer unter einem undurchdringlichen Schutzschirm ein. „In allen Galaxien … in allen Ecken des Alls … kenne ich keinen Planeten wie diesen. Keinen so schön, so gesegnet mit reicher Natur, von mildem Klima … wie gemacht, ein Paradies zu sein! (…) Es ist als seien die Menschen die Lieblinge der Götter", resümiert der Silver Surfer, „und doch wollen sie in unzügelbarem Wahn, in unverzeihlicher Blindheit, dieses Juwel von einem Planeten zerstören." Trotz dieser Wertschätzung des Planeten Erde weiß der Silver Surfer, dass er ihr Gefangener ist.

Die vorliegende Silver-Surfer-Anthologie versammelt Autoren wie George Pérez, Dan Slott, J. M. DeMatteis, John Byrne, Stan Lee und Mark Waid sowie Zeichner wie Jack Kirby, John Buscema, John Byrne, Ron Garney und Steve McNiven und gibt so einen Einblick in die Leidensgeschichte eines Außerirdischen, der seine Heimat und seine Liebe für die Erde opferte, ohne uns mit einer neuen Religion zu piesacken. Denn kurz vor Ostern denkt man dabei natürlich an einen anderen Einsamen, der zwölf Jünger um sich scharte …

(Neu-)Interpretationen eines (alten) Mythos: One Man came in the Name of Love

Neben den klassischen bunten Zeichnungen aus den Sechziger Jahren (Jack Kirby) kommen in dieser Anthologie auch modernere Versionen des Silver Surfers zur Geltung. So etwa das von John Buscema gezeichnete Werk „Die Antwort", das etwas an Moebius oder Philippe Druillet erinnert. Ebenso „französisch angehaucht" sind auch die Abenteuer „Zurück zum Anfang" von J. M. DeMatteis und George Pérez/Ron Garney sowie „Aliens und Teufel" von Mark Waid/Chris Samnee – moderne Interpretationen des Mythos. In letzterem tritt auch Daredevil auf, in einem anderen Spider-Man und sogar der Erfinder des Silver Surfers, Stan Lee, bekommt einen Comic. John Byrne wiederum hält sich eher an die klassischen Vorlagen und lässt den Silver Surfer den Schutzschild von Galactus durchstoßen und in seine Heimat zurückkehren, wo er ein böses Erwachen erlebt. Ein weiterer Erzfeind neben Galactus ist auch Mephisto, der ebenfalls in diesem Abenteuer auftritt, da er Shalla-Bal von Zenn-La entführt hat.

Das furchtbarste Los ereilt den Surfer allerdings nicht im Kampf, sondern in der Tatsache, dass sie – seine große Liebe Shalla-Bal – sich nicht mehr an ihn erinnert. „Ich sehe ihr Gesicht in jedem Stern", sagt er mit einem Blick in die Ferne und schwingt sich auf sein Surfboard, das als Teil seines Körpers immer zu seiner Verfügung steht. Nicht unerwähnt lassen darf man auch die meisterhaften Neuinterpretationen von Ethan Sacks/André Lima Araújo, die stark an die französische Comictradition eines Moebius anknüpfen, ebenso wie Steve McNiven, der Story und Zeichnungen von „Tauber Himmel" verantwortete. Am Ende der Anthologie wird noch eine Covergalerie von Claudio Castellini angehängt, von dem man sich natürlich auch ein Abenteuer gewünscht hätte.

Alle Rezensionen von Juergen Weber

Buchcover von Silver Surfer Anthologie
George Pérez, Dan Slott, J. M. DeMatteis, John Byrne, Stan Lee, Mark Waid, Jack Kirby (Illustration), John Buscema (Illustration), John Byrne (Illustration), Ron Garney (Illustration), Steve McNiven (Illustration)
Silver Surfer Anthologie
Der kosmische Held
320 Seiten, gebunden
ISBN 978-3-74164708-6