Eine Amerikanerin in Guyenne
Le Moulin, die Kommune im Guyenne-Tal, wird von Öko-Umweltaktivisten bewohnt und von Sadie Smith infiltriert. Ihr Auftrag: alle gegeneinander ausspielen und alles zum Einsturz bringen. Ein postmoderner Noir.
Die Protagonistin, aus deren Perspektive der Roman in der Ich-Form erzählt wird, ist Amerikanerin, gerade einmal 34 Jahre alt, skrupellos, verführerisch und zudem ehemalige FBI-Agentin. Zudem trinkt sie gerne europäisches Bier. Aber für diesen Auftrag wurde sie von einem namenlosen Unternehmen beauftragt. An einer Stelle wird John Deere, der Traktorenhersteller, angesprochen, der in Schaffhausen sein europäisches Hauptquartier hat. Aber das ist nur eine Anspielung, denn natürlich darf eine gute Agentin weder ihre Auftraggeber noch ihre eigentliche Mission verraten. Auf die EU-Ausländerin wirkt dieses Europa, in dem sie sich nun bewegen muss (es ist hauptsächlich Frankreich), befremdend: Sie definiert es als „ein im Gebüsch hängen gebliebener Slip“, kein schickes Café in der Rue Rivoli in Paris. Das „wahre Europa ist ein grenzenloses Liefer- und Transportnetzwerk“, denkt sich Sadie Smith, und ebenso fremd erscheinen ihr vielleicht auch die radikalen Ideen der Anführer der Moulinarden (die Bewohner der Moulin-Kommune) – vorerst wohlgemerkt, vorerst.
Get Lucky im Neandertal
Vordenker Bruno Lacombe beschäftigt sich ausführlich mit der Welt der Neandertaler und ihren Unterschieden zum Homo sapiens. Lucien Dubois führt Sadie in die Welt der Kommune um Pascal Balmy, einen Adepten Guy Debords, und Jean Violaine ein. Wie so viele enttäuschte 68er zogen auch sie sich nach der gescheiterten Revolte aufs Land zurück. Guy Debord, der die Revolte mit seiner „Gesellschaft des Spektakels“ quasi als Erster vorwegnahm. Er soll ein ausschweifendes Sexualleben gehabt haben und sogar mit seiner Schwester geschlafen haben, schreibt Kushner. Ihre Protagonistin entdeckt „Get Lucky“ von Daft Punk und die „Nutellapampe“ gleichzeitig als europäische Kulturgüter, denen sie sich nicht ganz zu entziehen weiß, auch wenn sie Kalifornien natürlich vermisst. Und bald kann sie auch den Kommunalen und ihren antikapitalistischen Reden etwas abgewinnen. Das sind die anderen: „Ohne diesen Antrieb, ja auch ohne etwas, das man das Bedürfnis nach einem symbolischen Leben nennen könnte.“ Aber bald entdeckt auch Sadie Smith diese Sehnsucht in sich und findet innerhalb der Persona, die sie darstellt, „Wege, meine realen Bedürfnisse zu befriedigen“. Sex inklusive.
Hartes, weißes Salz
„Leben heißt, etwas bis zum Ende zu durchleben.“ Ihre Aufgabe, Beweise dafür zu suchen, dass die Moulinarden eine Bedrohung darstellen, wird konterkariert von ihren Einblicken in den wahren Charakter der Kommunalen. Vielen gehe es in ihrer Rhetorik, ihrem propagierten Lebensstil, ihrer äußeren Erscheinung vor allem um die Stärkung der eigenen Ich-Identität, ihre „Heftigkeit und Schärfe“ hingegen seien „fragil“. Dafür verwendet sie das Bild des Menschen um vier Uhr morgens: „Die Wahrheit eines Menschen, unter all den Schichten und Verkleidungen, den Gruppen- und Typenmerkmalen, die stille Wahrheit unter dem Lärm der Meinungen und ‚Überzeugungen‘, ist eine reine, gleichbleibende, beständige Substanz. Es ist hartes, weißes Salz. Dieses Salz ist der Kern. Die Vier-Uhr-morgens-Realität des Seins.“
Die Wonnen der Dunkelheit
Rachel Kushner schreibt über Céline, die Rettung der Menschheit, James Cooks Sternbild, anarchistische Umweltaktivisten, französische Philosophie und italienischen Wein mit einem ganz bestimmten Sound, den die Übersetzerin Bettina Abarbanell auch im Deutschen gut zum Klingen bringt. Und irgendwie ist es auch ein Aufruf, sich in die Dunkelheit zu begeben. Entweder um die Sterne zu sehen oder die Bilder aus seinem Inneren.
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