Kunst

Franquins aufmunternde Gedanken

Franquin ist vor allem auch ein Verteidiger der Verfolgten und Entrechteten, denn im Kampf Jäger gegen Beute setzt er auf das Opfer. Oft ist auch Schadenfreude und Rache das Motiv seiner schwarzen Gedanken, aber diese Rache trifft immer jene, die selbst etwas Böses tun und so trifft sie eigentlich eher die ausgleichende Gerechtigkeit oder die göttliche Vorsehung. Der deus ex machina wird etwa verballhornt, wenn Franquin Werbung für ein Waffenprodukt macht, das sich "Zwischen" nennt, also "Zwischen die Ohren" oder "Zwischen die Augen". Aber es trifft dann nicht den Hasen, sondern den Jäger selbst genau dorthin, wie oben beschrieben. So macht die Jagd wieder Spaß, wenn der "erzieherische Wert" voll zur Geltung kommt.

Überlebensmotto: Humor

Manchmal karikiert sich Franquin aber auch selbst, etwa wenn er sich am Ende einer Episode selbst zeichnet und sich den Vorwurf des Massakrierens macht: "Und du, hä? Das ist jetzt schon der zweite Jäger, den du genüsslich massakrierst! Du findest ja selbst Gefallen an der Grausamkeit, mein Alter!", ruft ihm da sein schlechtes Gewissen in Gestalt eines kleinen schwarzen Homunculus zu. Auch ein Comiczeichner ist eben vor Schadenfreude nicht gefeit. An einer anderen Stelle irrt ein Mann durch ein weißes Schneefeld in der Natur, bis er endlich Lichter in der Ferne wahrnimmt. Er steuert zielbewusst darauf zu, weil er es für die Beleuchtung einer Ortschaft hält, doch als er immer näher kommt, ist er von den glühenden Augenpaaren eins Wolfsrudels umzingelt. Das Licht am Ende des Tunnels ist ein entgegenkommender Zug in einem eingleisigen Tunnel? So ähnlich perfide funktioniert Franquins schwarzer Humor in seinen ebenso schwarzen Gedanken. Auch den Jesus ohne Sandalen lässt er schließlich andere das Kreuz schleppen. "So ist das Leben. Ich bin sicher, es wird übel enden...Aber ich bin überzeugt, bis dahin finde ich für mich einen gemütlichen Platz im Universum!"

Franquin: der Attila Furiosa der Comickunst

Wenn er etwa die wahre Geschichte der Bonsaibäume erzählt, wird einem als Leser ganz schön mulmig, was eigentlich hinter dieser japanischen Tradition steckt. Dann wieder schwebt man plötzlich im Weltraum mit Franquins Protagonisten und sitzt auf einer neu erfundenen Kloschale mitten im Kosmos. Die Natur nimmt ebenso gerne Rache wie der Autor, denn sie produziert autoresistente Igel oder den ratternden Bauarbeiter Carlos von dessen "bewegten Nächten" leider niemand etwas hat, da er ja Junggeselle ist. Als er einem Specht begegnet reißen bei ihm allerdings endgültig die Drahtseile seiner Nervenenden und er flucht auf Spanisch, was man auch so versteht.

Am besten hat mir die Geschichte mit dem Mann von Erika gefallen, der sich eine brandneue Kettensäge kauft, die sich Attila Furiosa nennt und 5PS sowie 3000 Umdrehungen und einer Kette aus Wolfram auf die Waage bringt. Endlich kann er sich einmal so richtig im Garten austoben. Franquins "schwarze Gedanken" sind allen jenen zu empfehlen, die einen schlechten Tag hatten und das Lachen wieder neu erlernen müssen. So wie der Typ aus "Backwards Rock", der immer wieder auf’s Neue versucht aus eben diesem Backwards Rock zu entfliehen und dauernd wiederholt: "Ah, es gibt also kein Entkommen aus Backwards Rock, hö?" So fängt wieder ein neues Leben an.

Köstlich. Amüsant. Kurzweilig. Franquin eben!

Schwarze Gedanken
André Franquin (Illustration)

Schwarze Gedanken


Carlsen 2017
72 Seiten, gebunden
EAN 978-3551765307

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