Geschichte

Zur Geschichte und Gegenwart Rumäniens

Drei Bücher, die sich mit der Geschichte und der Gegenwart Rumäniens bzw. eines Teils des Landes auseinandersetzen: Das Buch aus dem deutschen Böhlau-Verlag stellt die Geschichte Siebenbürgens, auch Transsilvanien genannt, dar, das heute im Westen Rumäniens liegt. Eine Übersetzung ins Englische (vermutlich aus dem Französischen) ist das Buch von Durandin und Petre, die die politische Entwicklung Rumäniens seit 1989 darlegen. "Rumänien heute" aus dem Passagen-Verlag wagt kritische Blicke auf die gegenwärtige rumänische Gesellschaft.

Geschichte Siebenbürgens von den Anfängen bis zur Gegenwart

Harald Roth fängt mit seiner Geschichte Siebenbürgens sozusagen "ganz vorne" bei den Dakern um den Beginn unserer Zeitrechnung an und schließt mit einem kleinen Kapitel zu den neueren Entwicklungen der letzten Jahre. Konsequenterweise liegt der Fokus dabei auf der Region Siebenbürgen, was durchaus nicht ganz gewöhnlich ist, denn dieses Gebiet gehörte im Laufe der Geschichte verschiedenen Königreichen und Staaten an und war zeitweise auch autonom. Der Autor Roth hält sich mit seiner Darstellung leider kaum mit sozialgeschichtlichen Aspekten auf. Das ist wohl auch dem geringen Umfang des Buches geschuldet, der weniger als 200 Seiten beträgt. Andererseits bietet es so einen kurzen und prägnanten Überblick zur Geschichte Transsilvaniens, der einfach zugänglich ist. Hilfreich sind auch die Karten zu den jeweiligen territorialen Ausdehnungen der Königreiche und Staaten, zu denen Siebenbürgen gehört(e).

Etwas anachronistisch wirkt Roths Festhalten an den deutschen Namen der Städte in Siebenbürgen, sind es doch mit dem Ende der deutschen Dominanz 1944 und erst recht nach dem Exodus der Siebenbürger Sachsen in den 1990ern in erster Linie rumänische Städte.

Neueste Geschichte Rumäniens

Durandin und Petre bieten Neueste Geschichte: Sie befassen sich in ihrem Buch mit der Politik in Rumänien seit 1989. Dabei geht es auch darum, wie sich der Zusammenbruch 1989 angebahnt und abgezeichnet hat. Obwohl das Buch im Jahr 2010 veröffentlicht wurde, hat es nur die Phase bis 2007, dem Jahr als Rumänien Teil der Europäischen Union wurde, zum Inhalt.

In ökonomischer Hinsicht hat sich schon gezeigt, dass die Autorinnen weit daneben liegen: Der hohe Preis, den die Bevölkerung im Zuge der Kürzungspolitik zahlen musste, wird von ihnen nur beiläufig erwähnt und auch gerechtfertigt. Doch die neoliberalen Reformen haben nicht zu einem dauerhaften Wirtschaftswachstum geführt, wie es Petre behauptet. Im Gegenteil: Inzwischen gab es mit der sogenannten Finanzkrise wieder deutliche Dämpfer. Auch hinsichtlich der Auswirkungen der EU-Integration Rumäniens zeigt sich, dass sich die rumänisch-französische Koproduktion mitten im wissenschaftlichen Mainstream befindet und es daher an kritischen Sichtweisen mangeln lässt. Wem das zu wenig ist und sich auch dafür interessiert, wie es eigentlich der Bevölkerung seit 1989 geht, trifft mit Hofbauers Buch eine gute Wahl.

Leider ist "Romania since 1989" stellenweise ziemlich sperrig und holprig von George Jewsbury ins Englische übersetzt. Gar nicht angegeben ist, aus welcher Sprache er das Buch denn eigentlich übertragen hat. Angesichts der unterschiedlichen Mutter- und Publikationssprachen der beiden Wissenschaftlerinnen wäre das sicher eine Fußnote wert gewesen. Diese Form, ohne weitere Angaben, ist bei einem wissenschaftlichen Verlag wie der "Columbia University Press" zumindest überraschend. Die Stärke des Buchs von Durandin und Petre dagegen liegt in ihrem detailreichen Zugang zu den Informationen aus und politischen Abläufen in Rumänien.

Heutiges Rumänien

Einen etwas anderen Ansatz verfolgt Dondorici mit dem von ihr herausgegebenen Sammelband "Rumänien heute". Hier kommen nicht nur WissenschaftlerInnen zu Wort, sondern auch JournalistInnen und SchriftstellerInnen. Zudem wollen die AutorInnen bewusst einen kritischen Blick auf die jüngste Entwicklung Rumäniens werfen und bieten auch "Innenansichten" aus Rumänien. Einführend stellt der Kulturanthropologe Mihăilescu die "Transformation" Rumäniens als Mythos dar, der den Mythos des Kommunismus vom neuen Menschen abgelöst habe. Einen sehr interessanten Beitrag steuert die Judaistin Cristina Ciucu zum Umgang mit dem rumänischen Holocaust bei, der in Rumänien lange geleugnet wurde.

Doch nicht alle Aufsätze lohnen die Lektüre: Beispielsweise der Journalist Ciprian Ciucu schwadroniert über den EU-Beitritt Rumäniens ohne recht informiert zu sein, was in der Vorbeitrittsphase an Abkommen zu wessen Vorteil gelaufen ist. Er versteigt sich schließlich sogar zu der hanebüchenen Aussage, es komme auf die "Arbeit jedes Einzelnen" (S. 126) an, wenn die Unterschiede zwischen Rumänien und Westeuropa verringert werden sollen.

Der vierte Teil des Sammelbands handelt von der jungen Generation in Literatur und Kunst, die gerade im filmischen Bereich in den letzten Jahren erfolgreich war. Teil fünf befasst sich schließlich mit den Erinnerungen an die Revolution 1989. Der Band beleuchtet also viele Facetten der Politik, Kultur und Gesellschaft im heutigen Rumänien, und das mitunter auch kritisch. Ein aufschlussreiches Buch zum Verständnis eines Landes, das von den deutschsprachigen Massenmedien gern und oft in die Schmuddelecke gestellt wird.

Romania since 1989 / Kleine Geschichte Siebenbürgens / Rumänien heute
Catherine Durandin
Zoe Petre
Harald Roth
George Jewsbury (Übersetzung)
Iulia Dondorici (Hrsg.)
u. a.

Romania since 1989 / Kleine Geschichte Siebenbürgens / Rumänien heute


2012
Originalsprache: Französisch
234 Seiten, gebunden / 198 Seiten, broschiert / 237 Seiten, broschiert
Columbia University Press / Böhlau / Passagen-Verlag

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